Rumäniens Diktator: Museum eröffnet an Ceausescus Hinrichtungsort

Zu Lebzeiten wurde er gehasst, nach seinem Tod ist er eine Touristenattraktion: der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu. Sein Geburtshaus ist bereits zugänglich, jetzt eröffnet am Ort seiner Hinrichtung ein Museum. Selbst die Einschusslöcher in der Wand sind sichtbar.

Rumänien: Museum eröffnet an Ceausescus Hinrichtungsort Fotos
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Bukarest - In den düsteren Kasernen der damaligen Militärbasis von Targoviste wurde seinem Leben ein Ende gesetzt: Vor fast 24 Jahren starb Diktator Nicolae Ceausescu hier, rund hundert Kilometer nordwestlich von Bukarest, nach einem militärischen Schnellverfahren. Anfang September soll ein Museum an dieser Stelle die ersten Besucher empfangen.

"Viele Rumänen und Ausländer sagten uns, sie wollten die Wand sehen, an der Ceausescu und seine Frau Elena am 25. Dezember 1989 erschossen wurden", sagt Museumsdirektor Ovidiu Carstina. Die Bilder vom Tod der Ceausescus gehören zu den Symbolen der Revolutionen in Ost- und Zentraleuropa, die damals den Eisernen Vorhang zu Fall brachten.

Am 22. Dezember 1989, als sich vor dem Sitz der Kommunistischen Partei wütende Menschenmassen versammelten, flohen die Ceausescus in einem Hubschrauber aus der Hauptstadt Bukarest. Es sollte ihre letzte Reise werden: Sie wurden von der Armee gestoppt, in Targoviste inhaftiert und erschossen.

Einschusslöcher in der Wand

Damit endete Ceausescus mehr als 20 Jahre dauernde Diktatur. Mit Hilfe der mächtigen Geheimpolizei Securitate hatte er das Volk rücksichtslos überwacht und die Meinungsfreiheit unterdrückt. Während die Bevölkerung unter Nahrungsmittel- und Strommangel litt, regierten Vetternwirtschaft und ein zunehmend wahnwitziger Personenkult. Ceausescus Frau Elena, die inoffizielle Nummer zwei des Regimes, stand ihrem Mann in nichts nach.

"Unser Ziel ist es, die Dinge so zu zeigen, wie sie geschahen - ohne den Prozess, das Leben der Ceausescus oder ihren Personenkult zu kommentieren", sagt Museumschef Carstina. Die 1907 erbaute Kaserne wirkt, als sei die Zeit nach der Hinrichtung angehalten worden. Selbst die Eisenbetten mit den schmutzigen Matratzen, auf denen die Ceausescus ihre letzten drei Nächte verbrachten, sind noch vorhanden.

Ebenso wie die Tische der Richter und Anwälte soll auch die provisorische Anklagebank, auf der das Paar in seinen Wintermänteln saß, wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt werden. Die graugelbe Wand, vor der Nicolae und Elena Ceausescu wenige Minuten später exekutiert wurden, weist noch immer die Einschusslöcher auf. Auf einem Schwarzweißfernseher sind die Aufnahmen des Prozesses und der Hinrichtung zu sehen, die im Dezember 1989 um die Welt gingen und Kritik an dem Eilverfahren hervorriefen.

Marmor in Ceausescus Palast

"Wir wollen keine Debatte eröffnen, wir wollen nur von einem Meilenstein der rumänischen Geschichte erzählen", betont Carstina. "Jede Nation muss ihre Geschichte annehmen, ohne bestimmte Ereignisse unter den Teppich zu kehren", sagt der Soziologe Vasile Dancu. "Egal, was wir tun, wir können die Bilder dieses Scheinprozesses, der vom Kollaps der rumänischen Gesellschaft in dieser Zeit zeugt, nicht ausradieren."

Eine Gruppe schwedischer Touristen buchte nach Angaben von Carstina bereits Tickets für das Museum. Auf ihrer Liste steht auch der gigantische Parlamentspalast im Herzen Bukarests. Für sein "Haus des Volkes" ließ Ceausescu große Teile der historischen Altstadt niederreißen; rund 40.000 Menschen verloren ihre Häuser und mussten umgesiedelt werden.

Während Nahrungsmittel und Strom knapp wurden, ließ Ceausescu mit Staatsgeldern den 350.000-Quadratmeter-Palast errichten. Allein mit dem verbauten Marmor hätten 400 olympische Schwimmbäder gefüllt werden können. Heute ist der Palast eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes; 2012 besuchten ihn mehr als 144.000 Touristen, davon 110.000 aus dem Ausland.

abl/AFP

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