Protest gegen Scharia Bruneiische Hotels nun auch in Frankreich boykottiert

Der Protest gegen Hotels, die einer Investmentgesellschaft aus Brunei gehören, geht in die nächste Runde. Gäste boykottieren nun auch Häuser der Kette in Frankreich - sie stellen sich damit gegen die neu eingeführten Scharia-Gesetzgebung im Sultanat.

Luxushotel "Le Meurice": "Wir müssen Personal entlassen"
DPA

Luxushotel "Le Meurice": "Wir müssen Personal entlassen"


Paris - In Brunei werden Verstöße gegen das islamische Recht mit Geld- und Gefängnisstrafen geahndet. Bald sollen in dem Sultanat, das auf der Insel Borneo im Südchinesischen Meer liegt, Tätern Gliedmaßen abgetrennt werden, wenn sie beispielsweise etwas gestohlen haben. Ab Ende des nächsten Jahres stehen auf Straftaten wie Ehebruch und homosexuelle Handlungen die Todesstrafe - durch Steinigung.

Prominente haben auf die Einführung der Scharia in dem kleinen Sultanat im Mai bereits reagiert: Sie boykottierten das glamouröse Beverly Hills Hotel in Los Angeles, das seit Jahren der staatlichen Investmentgesellschaft aus Brunei gehört. Nun hat sich der Protest auch auf Luxusherbergen in Frankreich ausgeweitet. Sie gehören ebenso wie das Beverly Hills Hotel zur Dorchester-Hotelgruppe. Der Boykott führe zu einer "Stornierungsflut" bei den Pariser Häusern "Plaza Athénée" und dem "Le Meurice", berichtet der Sender France Info.

Ein Manager bezeichnet den Boykott als scheinheilig

Prominente wie Oprah Winfrey, Jay Leno und Ellen DeGeneres hatten im Mai zum Boykott der Hotels aufgerufen. Auch der britische Unternehmer Richard Branson und der Chef des Luxusgüterkonzern Kering, François-Henri Pinault, kündigten an, auf ihren Reisen in anderen Unterkünften zu nächtigen.

Der Manager des "Plaza Athénée", François Delahaye, bezeichnete den Boykott als "scheinheilig". "Die Menschen, die uns boykottieren, sind Leute, die in Ländern mit Scharia Geschäfte machen", sagte er "France Info" mit Blick auf den Kering-Konzern, der sein Boucheron-Parfüm auch in Saudi-Arabien verkaufe. Er warnte vor Folgen für die rund 3500 Angestellten der Gruppe. "Wenn Hotels boykottiert werden, gibt es keine Kunden, und dann müssen wir Personal entlassen."

kha/dpa



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insgesamt 29 Beiträge
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gernurlauber 01.06.2014
1. Portemanaie anstatt Portepee
auch wenn es überwiegend symbolischen charakter hat: eine finanzielle einbuße durch boykott wirkt hoffentlich mehr als rhetorik. dem internet sei dank verbreiten sich solche aktionen schnell. man müsste wissen, wie und wo man brunei noch zeigen könnte, dass es nicht angeht in westlichen ländern geld zu scheffeln, aber zu hause in der vergangenheit zu leben.
kuac 01.06.2014
2.
Wo steckt denn kein Geld von Sharia Länder wie zB. Saudi Arabien drin? Wenn nicht direkt, dann über Hedgefonds usw. Wie soll man damit umgehen?
mukulele 01.06.2014
3. Beteiligungen
Die Öl-Milliarden der islamischen Länder, sind in unglaublich vielen Unternehmen in Europa und den USA investiert, leider kann man sie kaum alle boykottieren. In diesen Ländern sind Menschenrechte grundsätzlich nicht mit unseren vergleichbar und auf jeden Fall einen Boykott wert
Stefan.Q. 01.06.2014
4. Vielleicht drastisch, aber notwendig
Ich finde die Zivilisation sollte Grenzen setzen, genauso wie die Taliban in Afghanistan sollte man den Herrscher von Brunei mit militärischer Gewalt absetzen. Allerdings muss es danach deutlich besser laufen als in Afghanistan. Man muss die Menschenrechte dann auch selbst durchsetzen. Religion kann kein Deckmantel für Unrecht sein.
brainpenetration 02.06.2014
5. Immer diese Entlassungsdrohungen..
Wenn es keine Kunden mehr gibt, dann geht eben die Investmentgesellschaft pleite, dann übernimmt jemand anderes die Hotels, der genauso Mitarbeiter braucht. Mann sollte auf Geschwätz von Betriebswirten nicht allzuviel geben. Solche Firmen braucht jedenfalls kein Mensch.
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