Schiermonnikoog "Insel der grauen Mönche"

Laut ist hier nur der Westwind: Schiermonnikoog - übersetzt: "Insel der grauen Mönche" - ist die kleinste Watteninsel der Niederlande. Acht verschiedene Landschaften finden sich hier auf nur wenigen Quadratkilometern.


Schiermonnikoog: Häuser im traditionellen Stil
GMS

Schiermonnikoog: Häuser im traditionellen Stil

Die Wege sind kurz auf Schiermonnikoog. Gerade mal 16 Kilometer ist die Insel lang und vier Kilometer breit. Knapp tausend Einwohner leben ständig auf dem Eiland, dem ersten Nationalpark der Niederlande. Die wenigen Straßen sind nahezu autofrei, lediglich 200 Einwohner nutzen die Sondererlaubnis für das eigene Fahrzeug.

Ferienreisende parken ihre Wagen auf bewachten Abstellflächen an dem kleinen Fährhafen Lauwersoog, eine knappe Autostunde nordwestlich von Groningen gelegen. 45 Minuten dauert die Überfahrt durch das Wattenmeer. Taxen und Busse bringen die Gäste dann zu ihren Quartieren.

Hochhäuser und Appartementblocks gibt es trotz der 5500 Betten in Ferienhäusern, Wohnungen und den Hotels auf der Insel nicht. Selbst auf dem einzigen Campingplatz sind nur kleine Zelte erlaubt. Die Schiermonnikooger beschlossen schon 1974 einen völligen Baustopp für Urlauberquartiere, lange bevor auf anderen Inseln an die Folgen ausufernden Baubooms überhaupt gedacht wurde. "Diese Begrenzung ist wie ein Diamant für die Insel", freut sich Frank Langstraat im Verkehrsbüro.

Kleinste Watteninsel der Niederlande: Schiermonnikoog ist nur 16 Kilometer lang und vier Kilometer breit
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Kleinste Watteninsel der Niederlande: Schiermonnikoog ist nur 16 Kilometer lang und vier Kilometer breit

Die "Lytje Pole" (kleine Insel) weist auf ihren wenigen Quadratkilometern Wattenmeer und Salzwiesen, Polderland und Süßwasserreservoir, das Dorf, dichte Kiefernwälder, haushohe Dünen und breite Strände auf. Erstaunliches Phänomen: Jahr für Jahr "wandert" die gesamte Insel um 27 Meter nach Osten, berichtet Heimatkundler Theo de Vries von der Gemeindeverwaltung.

Eine Tagestour führt in die abgelegenen Salzwiesen zwischen Kobbeduinen und Willemsduiun im Südosten - mit 2000 Hektar eines der größten zusammenhängenden Naturgebiete der Niederlande. Wo der Fahrradweg endet, führen nicht gekennzeichnete Trampelpfade weiter. Sie sind nur nach längerer Trockenperiode gut zu begehen, das Land der Salzwiesen wird bei Hochwasser vom Meer komplett überflutet.

Deswegen kann in dieser Ecke der Insel bei Sturm und vor allem bei Nebel ein Ausflug zum tödlichen Risiko werden. Ebenfalls wird dann der Westerstrand-Het Rif, einer der breitesten Sandstrände Europas, zur Tabuzone. Im Nebel würde sich hier niemand mehr vor der herannahenden Flut in Sicherheit bringen können.

Nur im Juli und August kann es auf dem kleinen Einland voll werden: Bis zu 4000 Tagesgäste kommen dann vom Festland. Doch wenn um 18.30 Uhr das letzte Schiff zurückkehrt, wird es wieder ruhig in der Hauptstraße des Dorfes, der Langestreek. Dort entstanden zwischen 1720 und 1760 viele der kleinen Fischerhäuser, die heute unter Denkmalschutz stehen. Der damalige Besitzer der Insel, Johan Stachouwer, bestimmte Architektur und Anlage von Straßen, Gärten und Wegen.

Doch ursprünglich war die Insel von den Mönchen des Zisterzienserklosters Claerkamp im friesischen Dokkum besiedelt. Sie kamen um 1200 auf das Eiland und gaben ihm den Namen: "Schier" heißt grau, "Monnik" steht für Mönch und "Koog" für Insel.

Schiermonnikoog war von 1892 bis 1945 im privaten Besitz des deutschen Adeligen Hartwig von Bernstorff. Während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung sorgte der Graf mit dafür, dass die Inselbewohner von den Kriegswirren weitgehend verschont blieben. Noch heute genießt er deshalb bei den Schiermonnkoogern hohes Ansehen. Als von Bernstorff 1987 starb, durfte ihn seine Familie auf dem Inselfriedhof neben der Reformierten Kirche beerdigen - ein seltenes Privileg.

Wenn es Abend wird und die Dunkelheit von Osten heraufzieht, sind die kleinen Eetcafes und urigen Kneipen beliebte Treffpunkte von Insulanern wie Gästen. Besonders legendär ist "Bruine Cafe" im Hotel "Van Der Werff", der ältesten Herberge der Insel aus dem Jahr 1726.

An den Wänden zeugen vergilbte Fotografien von den ersten Touristen auf Schiermonnikoog und vom harten Leben der Fischer und Schiffer, die nach der Ausbildung auf der inseleigenen Seefahrerschule auf Walfangjagd gingen.

Bis zu 300.000 Urlauber zählt die Insel im Jahr. Viele sind Stammgäste, die bereits zu Jahresanfang ihr Quartier buchen. Wer sich so frühzeitig nicht festlegen möchte, der fährt erst im Herbst nach "Lytje Pole". Dann sind Schiermonnikoogs Liebhaber ohnehin unter sich. Mit der Ruhe und den Büchern, die sie schon immer mal lesen wollten.



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