Kunstinstallationen im Schweizer Safiental In die Erde gehorcht

Im Safiental kann man hervorragend wandern - und dabei sogar noch eine Kunstausstellung besuchen. Bis Ende Oktober sind vor der Schweizer Bergkulisse Skulpturen und Installationen ausgestellt.

Ueli Alder

Wer dieser Tage im Schweizer Safiental unterwegs ist, könnte sich das ein oder andere Mal wundern: Plötzlich liegt ein blauer Mensch mitten auf dem Wanderweg oder Zeichnungen übergroßer Computerplatinen sind an Felswände gemalt. Skulpturen und Kunstinstallationen stehen in der Landschaft und setzen diese in Szene.

"Horizontal-Vertikal" heißt die Ausstellung der Alps Art Academy. Bereits zum zweiten Mal findet die Art Safiental im schweizerischen Kanton Graubünden statt. 35 Kunststudierende aus 20 Ländern haben für die Outdoor-Vernissage ihre Werke beigesteuert. Das Ziel: historische Land Art der Siebzigerjahre mit neuen zeitgenössischen Interpretationen zusammenbringen.

"Während sich die kanonischen Positionen aus dem amerikanischen Westen oft mit der Horizontale beschäftigten, bleibt uns Vertretern der Alpenländer geografisch bedingt fast nichts anderes übrig, als uns mit der Vertikale auseinanderzusetzen", sagt der künstlerische Leiter Johannes Hedinger. "In diesem Spannungsfeld zwischen Berg und Ebene positionieren sich die meisten Werke der diesjährigen Schau und loten die Landschaft neu aus."

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Kunstinstallationen in der Schweiz: Horizontal, vertikal, verwunderlich

Das kann dann aussehen wie beim Züricher Künstler Bob Gramsma, der einen ganzen See für seine Installation nutzte: Als die Kraftwerke Zervreila das Wasser im Frühjahr abließen, baute er auf dem Seegrund eine acht mal acht Meter große, zehn Tonnen schwere Betonschale, die nach der Flutung des Egschisees durch den bloßen Wasserdruck gehoben wurde. Nun treibt sie als riesige Insel auf dem Wasser.

Auch die blaue Skulptur auf dem Aussichtspunkt des Tenner Chrüz zählt zu den Highlights der Ausstellung. Eine Frauenfigur liegt auf dem Boden und scheint in die Erde hineinzuhorchen. Antwort könnte sie in ein paar Monaten bekommen: Dann soll eine identische Figur vor der Küste von Neuseeland positioniert werden - die Künstlerin Lita Albuquerque will damit die größtmögliche vertikale Verbindung zweier Punkte auf der Erde herstellen.

Die insgesamt 15 Kunstwerke kann man bei einer Wanderung durch das Safiental noch bis zum 21. Oktober entdecken. Fast alle von ihnen befinden sich im Freien, einige aber auch in Gasthäusern, Kirchen oder dem alten Alca-Tunnel.

kry



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Papazaca 10.08.2018
1. Gute Kunst, schlechte Kunst, oder besser nichts ....
Ich habe viel für moderne Kunst über, selbst für Künstler, mit denen viele nichts anfangen können (Beuys). Diese Installationen in der Natur können natürlich gut sein, genauso gut wie Kunst in Museen (oder genau so schlecht). Die meisten Kunstwerke - zum Beispiel die "Schanze" verschandeln für mich nur die Natur, hier die Alpen. Es erinnert mich an Mobiltelefone, die aus der ganzen Welt eine einzige Telefonzelle gemacht haben. Hier wird die ganze Welt zum Kunstwerk. Komischerweise gefiel mir das schwimmende Bassin im Stausee. Aber grundsätzlich kann ich auf Kunst in der Natur verzichten, Natur pur gefällt mir besser. Ich brauche keine blau angemalte Schaufensterpuppe auf einem kleinen Pfad mitten in der Wildnis. Die stört mich eher. Man kann ziemlich oft begründen, warum einem etwas gefällt und warum nicht. Hier fällt es mir schwer. Ich freue mich einfach, in der Natur "alleine" zu sein und betrachte die Kunst als Eindringling in einem der letzten Rückzugsgebiete und will einfach nicht teilen ....
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