Sbrinz-Route durch die Alpen Der Zug der Säumer

Gefährlich und rau war das Leben der Säumer bis ins 19. Jahrhundert. Mit Pferden und Eseln transportierten sie Gewürze, Salz und Käse über die Alpen. Alljährlich lassen Schweizer die Tradition wieder aufleben. Fotograf Daniel Rihs war dabei.


"Am Ende wollte ich mir selbst einen Esel in den Garten stellen und mit ihm beim nächsten Mal auf der Sbrinz-Route dabei sein", sagt Daniel Rihs und lacht. Der Schweizer Fotograf hatte sich bei seiner Reportage vom Geist der Säumer anstecken lassen.

Beziehungsweise von jenen geschichtsverbundenen Wanderern, die sich jedes Jahr im August auf die Spuren ihrer Vorfahren begeben und auf alten Saumpfaden von Stansstad am Vierwaldstättersee bis Domodossola im italienischen Piemont wandern. In Felljacken, mit Holzstöcken, Eseln, Maultieren und Pferden. Eine Woche dauert der heutige Saumzug über die Route, 150 Kilometer weit führt er über Joch-, Grimsel- und Griespass.

"Hinter dem Griespass lag Schnee, und es regnete nur noch", sagt Rihs, der sich um seine Kameraausrüstung sorgen musste. Die Felle, die die rund 30 Säumer trugen, hätten dicht gehalten, seine Jacke dagegen wäre gar nicht mehr trocken geworden.

Brauchtum, Abenteuer und Reiseanreiz

Die Pferde-, Esel- und Maultierführer sind im wahren Leben Bauern, Sekretärinnen, Käser, Politiker und meist Pferdebesitzer - ein Zweitageskurs macht sie darüber hinaus fit für die Tour. "Sie sind sehr schnell", sagt Rihs. "Die Tiere ziehen stark, und die Säumer müssen kein Gepäck schleppen." Die rund 40 Wanderer, die die Tour als Urlaub gebucht haben, kämen oft kaum hinterher.

"Die Sbrinz-Route ist mehr als Brauchtumspflege", sagt der 48-jährige Fotograf. "Sie sorgt für sanften Tourismus in den abgelegenen Dörfern." Der Förderverein Sbrinz-Route will an das Säumerhandwerk erinnern, aber auch mit Übernachtungsgästen und Kunden für Produkte und Spezialitäten wie Wein und Sbrinz-Käse die Region unterstützen.

Vor rund 20 Jahren begann die Restaurierung des transalpinen Handelspfads, über den jahrhundertelang Waren wie Salz und Käse auf Pferderücken aus der Zentralschweiz ins Piemont gebracht wurden. Wegweiser mit einem Sbrinz-Logo zeigen die Richtung, inzwischen ist der Pfad auch auf dem italienischen Teilstück saniert und gut ausgeschildert.

Ehemalige Trainsoldaten, die Pferdeführer der Schweizer Armee, hätten eine Aufgabe gesucht, sagt Rihs, und sich der alten Saumpfade angenommen. Mit Militär habe das aber nichts zu tun - "nur absolut pünktlich sind die heutigen Säumer!". Um 17 Uhr soll das Tagesziel erreicht werden, und immer kurz vor 17 Uhr versammele sich die Gruppe tatsächlich vor dem Dorf, in dem sie dann empfangen und mit Säumerfesten gefeiert werde.

"Keine Zeit versäumen" - das war wichtig

"Der Führer hat die Zeit unglaublich gut im Blick", sagt Rihs. Sieben bis acht Stunden am Tag sind die Säumer mit ihren mit Bastsätteln und Gepäck beladenen Tieren unterwegs - wenn ein Pferd durchgeht, was auf den engen Felsbändern schon mal passiert, wird es gefährlich.

Gefährlich war es auch für die früheren Säumer. Die Tragtiere mit ihren sperrigen Lasten kamen auf den schmalen Bergwegen nicht aneinander vorbei, Kreuzungspunkte gab es wenige - so mussten ihre Führer einen genauen Zeitplan einhalten. "Keine Zeit versäumen", diese Redewendung soll aus jenen Zeiten stammen. Das Säumerei-Handwerk war Ende des 19. Jahrhundert nicht mehr gefragt - Pässe waren zu Fahrstraßen ausgebaut worden, die Gotthardbahn übernahm ab 1882 den Transport.

Über die Pässe und durch Schluchten, vorbei an Gletschern, Alpkäsereien und Walserdörfern führt die wiederbelebte Sbrinz-Route. "In ihrer radikalen Entschleunigung ist sie beinahe avantgardistisch", sagt Daniel Rihs. Der Fotograf aus Bern ist auch zwei Jahre nach seiner Fotoreportage noch begeistert. Ein Esel lebt aber (noch) nicht in seinem Garten.

abl

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insgesamt 8 Beiträge
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Fackel01 05.11.2014
1. Recherche
Die Säumer sind mitnichten pünktlich. Säumen ist mittelhochdeutsch und bedeutet "etwas verpassen". Anschinend waren die Säumer dann doch nicht so pünktlich. Gar nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ihnen per Vertrag pro Tag und Nase auch 3,5 Liter Wein zusteht.
medwediza 05.11.2014
2. Sie liegen meilenweit daneben
Zitat von Fackel01Die Säumer sind mitnichten pünktlich. Säumen ist mittelhochdeutsch und bedeutet "etwas verpassen". Anschinend waren die Säumer dann doch nicht so pünktlich. Gar nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ihnen per Vertrag pro Tag und Nase auch 3,5 Liter Wein zusteht.
Der Säumer kommt nicht von "säumig", sondern von Saum. Und saum stammt aus dem Mittellateinischen (salma, sauma) und bedeutet Traglast. Den Quatsch mit den 3,5 Liter Wein können Sie zudem spülen. Wein gab es zu jenen Zeiten nur für die Oberschicht. Und die Tragtiere hatten eine andere Last zu tragen. Wein war definitiv nicht dabei.
achimedes 05.11.2014
3.
Bin mal in drei Tagen mit dem alten Rad vom Bodensee zum Comosee. Ist machbar ! Besser als Arbeitslos rumsitzen, Junkfood essen und verasozialisieren !
Luxinsilvae 05.11.2014
4. Entschuldigung, aber hätte Sie den Artikel und nicht lediglich nur den Vorpostenden ...
Zitat von medwedizaDer Säumer kommt nicht von "säumig", sondern von Saum. Und saum stammt aus dem Mittellateinischen (salma, sauma) und bedeutet Traglast. Den Quatsch mit den 3,5 Liter Wein können Sie zudem spülen. Wein gab es zu jenen Zeiten nur für die Oberschicht. Und die Tragtiere hatten eine andere Last zu tragen. Wein war definitiv nicht dabei.
... gelesen, dann wüssten Sie, dass der Zusammenhang zwischen Säumer und Säumnis nicht vom Vorposter ausgeht - SONDERN IN ARTIKEL STEHT! Zitat: "Die Tragtiere mit ihren sperrigen Lasten kamen auf den schmalen Bergwegen nicht aneinander vorbei, Kreuzungspunkte gab es wenige - so mussten ihre Führer einen genauen Zeitplan einhalten. `Keine Zeit versäumen´, diese Redewendung soll aus jenen Zeiten stammen." Recht hat hier aber einzig der Vorposter: Denn in der Tat, der auch rechtlich relevante Begriff der Säumnis leitet sich von vom mittelhochdeutschen Sumnisse her. http://www.duden.de/rechtschreibung/Saeumnis
atemlos9 05.11.2014
5. Vielleicht sollten SIE
Zitat von Luxinsilvae... gelesen, dann wüssten Sie, dass der Zusammenhang zwischen Säumer und Säumnis nicht vom Vorposter ausgeht - SONDERN IN ARTIKEL STEHT! Zitat: "Die Tragtiere mit ihren sperrigen Lasten kamen auf den schmalen Bergwegen nicht aneinander vorbei, Kreuzungspunkte gab es wenige - so mussten ihre Führer einen genauen Zeitplan einhalten. `Keine Zeit versäumen´, diese Redewendung soll aus jenen Zeiten stammen." Recht hat hier aber einzig der Vorposter: Denn in der Tat, der auch rechtlich relevante Begriff der Säumnis leitet sich von vom mittelhochdeutschen Sumnisse her. http://www.duden.de/rechtschreibung/Saeumnis
nicht nur lesen, sondern auch verstehen ... Hier geht es nicht um "Säumnis", sondern um "Säumer". www.duden.de/rechtschreibung/Saeumer_Lasttier_Treiber Dank an #2 medwiza für den aufschlussreichen Post!
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