Segeln mit Kindern: Fliegen in der Brise

Von Petra Landsee

Ohne Segelschein, aber mit Kindern an Bord vor der kroatischen Küste kreuzen? Beim Flottillensegeln ist das möglich. Denn der Skipper sagt, wo's langgeht - und langweilig wird es auch nicht. Auf den Booten im Verbund warten schon viele kleine Piraten.

Flottillensegeln in Kroatien: Hallo Bandit? Fotos
Petra Landsee

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Ihr Lächeln ist bezaubernd, silbern glitzert ihre Haut im Sonnenlicht. Selbst die Jungs trauen ihren Augen nicht, bleiben im ersten Moment vor Staunen ganz still. "Das sind ja Delfine", rufen der zehnjährige Victor und der sechsjährige Valentin überrascht. Immer wieder tauchen die fröhlichen Tümmler kurz neben unserem Segelboot auf, spielen im Bugwasser, bis sie nach ein paar Minuten das Weite suchen, um nach einer Weile wieder aufzutauchen. Wollen sie uns Hallo sagen, den Kindern beweisen, dass es sie wirklich gibt?

Mit mehr als 240 Inseln ist die kroatische Küste vor Sibenik ein Segelparadies - und das nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder - vorausgesetzt, es sind genügend Spielkameraden mit von der Partie. Beim Flottillensegeln, also dem Segeln zusammen mit mehreren Schiffen im Verbund, ist das leicht möglich. Und für kroatische Gewässer gibt es gleich einige Anbieter wie etwa Master Yachting, die Schiffe samt Skipper im Programm haben. Als Landratten nehmen wir diesen Service gerne in Anspruch und somit Kapitän Leo Pavela anfangs mit an Bord.

Nach einer warmen Nacht unterm Sternenzelt - junge Piraten schlafen schließlich an Deck - ist unser Nachwuchs bereits beschäftigt. Er übt begeistert mit Leo die wichtigsten Segelknoten und fährt auf der Seekarte mit dem Finger die heutige Route nach. Doch bevor es heißt, "Leinen los", muss zuerst klar Schiff gemacht werden. Denn das Meer ist keine Autobahn! "Alles, was herumfliegen kann, zuerst aufräumen", fordert unser Kapitän. Nach anfänglichem Murren werden die Kinder wahre Musterknaben im punkto Ordnung. Denn Leo ist nicht nur ein guter Kapitän, sondern fordert auch Disziplin, vor allem bei gehissten Segeln.

Fliegen in der Brise

Nicht nur die Kinder müssen ran, sondern auch wir Eltern. Also lernen wir den Unterschied zwischen Wende und Halse und büffeln das Lesen der Seekarten. Wo darf man ankern, woran erkennt man Untiefen? Unser Skipper ist unerbittlich mit Mama und Papa, was den Nachwuchs besonders freut. Die Winde stehen günstig, und so folgt auf die Theorie gleich die Praxis. Zusammen mit neun weiteren Yachten der Marina Kremnik bei Primosten nehmen wir nach einer ersten Lagebesprechung Kurs auf den Nordosten der kroatischen Inselwelt.

Jetzt ist Muskelkraft gefragt und perfektes Timing beim Setzen des großen Segels, der Genua. Dank Leos exakter Kommandos ist die erste Hürde bald geschafft, und unser Boot gleitet in leichter Schräglage im Wind. Wir genießen den Zauber des "Fliegens in der Brise", wie unser Jüngster begeistert die erste Segelfahrt seines Lebens nennt.

"Hallo 'Bandit'", klingt es krächzend über Funk. "Treffen wir uns auf der kleinen Insel vor uns?", will die achtjährige Linda aus Hamburg von einem Nachbarschiff aus wissen. Kurze Zeit darauf verwandelt sich der Bug unserer 'Bandit' in einen Sprungturm, hopsen neun Kinder und Jugendliche mit viel Gelächter ins türkisfarbene Wasser und erobern die Mini-Insel, die vor uns liegt.

"Freilassen, unbedingt freilassen", rufen die Kinder unisono, als Leo zusammen mit ihnen eine wunderschön schillernde Palmide geangelt hat. Also - platsch! - zurück mit dem Fisch ins Wasser. Heute wird nicht gekocht. Dafür nehmen wir Kurs auf Zlarin, eine kleine Insel gerade mal sechs Kilometer lang und zwei Kilometer breit, mit 160 Einwohnern. Autos gibt es hier nicht, aber ruhige Buchten und köstlich gefüllte Kalamares, die auch der Nachwuchs nicht verachtet.

Hitlers Auge am Meer

Nach dem Essen erkunden die "Flottillenpiraten" das idyllische Örtchen. Derweil uns Leo, der nicht nur Skipper, sondern auch Journalist ist, in ausgezeichnetem Deutsch bei einem Glas Babic, dem schweren dalmatinischen Rotwein, vieles über Land und Leute erzählt. "Selbst so kleine Inseln wie Zlarin haben eine ausgezeichnete Infrastruktur. Es gibt von Schulen, über Bibliotheken, bis hin zu regelmäßigen Fährverbindungen fast alles, um die Inseln für die Bevölkerung, aber auch Touristen, attraktiv zu machen", sagt Leo.

Am nächsten Tag stehen die Krka-Wasserfälle auf dem Programm, an denen einst Teile der Winnetou-Filme gedreht wurden. Auf dem Weg dorthin holt uns die Geschichte ein. Gebannt hören nicht nur die Kinder Leo Pavela zu, als er uns von 'Hitlers Auge' erzählt: "Der rund 300 Meter lange Tunnel im Fels wurde innerhalb weniger Wochen gebaut, damit der Diktator in seinem Versteck vor Sibenik Urlaub machen konnte." Beklemmend wirkt die Öffnung, die sich wie ein gigantisches Auge zum Meer hin öffnet.

Langsam segeln wir weiter, vorbei an der Altstadt Sibeniks mit ihrer aristokratischen Kathedrale, Richtung Skradin. Der Ort am Eingang des Krka-Nationalparks liegt ideal, ist aber ziemlich überlaufen. Von dort setzen wir auf der Krka mit einem großen Passagierboot über zum Nationalpark. Denn Privatboote sind hier verboten. Wie das Tor zu einem verwunschenen Garten Eden weitet sich der Blick nach der Flussbiegung auf die berühmten Wasserfälle. Die Luft duftet süßlich nach Feigen. Nach einem ausgedehnten Spaziergang erfrischen wir uns im Naturpool, direkt am Fuß der Wasserfälle.

Viel zu schnell vergehen die sieben Tage mit Delfinen und Fliegenden Fischen als Begleiter in unserem kroatischen Inselparadies. Zum Abschluss heißt es aber noch Rollentausch. Die Kinder übernehmen (fast) das Kommando, zeigen, was sie gelernt haben. Geschickt legen unsere Nachwuchssegler bei den Wende- und Anlegemanövern mit Hand an, knüpfen gekonnt Achterknoten und lesen wie erfahrene Seebären die Karte. Ganz klar, dass bei der Siegesfeier am letzten Abend nicht nur Adressen ausgetauscht, sondern auch Pläne geschmiedet werden - für den nächsten Segeltörn in der Flottille.

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Flottillensegeln in Kroatien
Segeln
Flottillensegeln ist das Segeln im Verband und ist ideal für Segelfreunde ohne Schein, Anfänger oder Familien. Man profitiert von den Erfahrungen anderer und kann jederzeit um Rat fragen. Idealerweise besteht die Crew der Begleityacht aus einem Skipper, einem Mechaniker und einer Hostess. Sie geben Tipps geben zu schönen Plätzen, helfen beim Anlegen oder Segel setzen und bei Pannen.

Veranstalter
Es gibt einige deutsche Anbieter, die Flottillensegeln in Kroatien im Programm haben, darunter:



Master Yachting Deutschland (www.Master-Yachting.de)
Sailpoint Yachtcharter, Segeln & Reisen (sailpoint.org)
Scansail Yachts (www.scansail.de)

Information
Kroatische Zentrale für Tourismus Frankfurt
Tel: 069/ 238 5350
www.kroatien.hr