Schlösser im Sintra-Gebirge: Der schönste Ausblick Portugals
Das Sintra-Gebirge in Portugal ist eine einzige Schmuckschatulle: Schlösser, Burgruinen und verwunschene Paläste mit üppig bewachsenen Gärten reihen sich im Nordwesten von Lissabon aneinander. Die architektonische Perle der Region schuf ein Deutscher.
Sintra - Der Palast von Pena soll also das "Neuschwanstein von Portugal" sein. So jedenfalls preist der deutsche Reiseleiter das Ausflugsziel bei den Touristen an, die die einstige Sommerresidenz der Könige besichtigen. "Blödsinn", knurrt ein portugiesischer Besucher, "als der Bayer den Auftrag gab, lebten hier längst unsere Monarchen." Die historischen Fakten geben ihm recht: Pena war 1854 fertig, mit dem Alpenschloss wurde 1869 erst begonnen.
Der Palácio da Pena gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Portugals und ist mit seinem märchenhaften Äußeren die Attraktion im Sintra-Gebirge rund 30 Kilometer nordwestlich von Lissabon. Der bis zu 529 Meter emporragende Höhenzug - die Römer nannten ihn "Berg des Mondes" - erstreckt sich bis zum Atlantik und hat seinen Ausläufer am Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Europas.
Vom Bahnhof Rossio im Zentrum Lissabons fährt die Vorortbahn alle 20 Minuten nach Sintra. Die Fahrt dauert knapp 40 Minuten. Am Endbahnhof wartet Sebastião Moura nach telefonischer Vereinbarung mit seiner Moped-Rikscha. Zunächst tuckert er die Serpentinenstraßen zum Paço da Vila hinauf, dem Stadtpalast aus dem 14. Jahrhundert. "Die beiden 33 Meter hohen konischen Schornsteine stehen über der Schlossküche", ruft er und kommt gerade so gegen das Geknatter des Motors an.
Das Innere der ehemaligen Königsresidenz ist überwältigend. João Teixeira, ein Lehrer aus Lissabon, übernimmt zur Aufbesserung seines Gehalts die Führung, die in einem quadratischen Raum mit achteckiger Kuppel beginnt. "Sie ist dreimal so hoch wie die sie tragenden Mauern", erklärt er. Die Wände sind mit alten blauen Kacheln verkleidet, darüber erinnern 72 Adelswappen an die führenden Familien des 16. Jahrhunderts.
Villen-Spotting in den Bergen
Im Gegensatz zur stickigen Luft in Lissabon verwöhnt Sintra mit einem angenehmen Klima, ein Grund, weshalb die Könige hier die Sommer verbrachten. Im Frühjahr und im Herbst kann es allerdings heftig regnen - gut für die reiche Vegetation, die durch die Lage vor winterlicher Kälte verschont bleibt.
Um den schönsten Ausblick über Sintra und das Gebirge hin bis zum Atlantik genießen zu können, ist Körpereinsatz gefragt. Sebastião darf nur bis zum Eingang des Castelo dos Mouros fahren, dann führt ein steiler gepflasterter Weg hinauf. Die im achten Jahrhundert errichtete Maurenburg, die erst 1147 von den Portugiesen erobert wurde, ist heute eine gut erhaltene Ruine. Ihre von Zinnen bewehrten Mauern kann betreten, wer schwindelfrei ist.
Bei einem Tagesausflug lässt sich die portugiesische Perle Sintra nur ungenügend erkunden, einen Besuch sollte man mit mindestens zwei Tagen planen. Die Fahrt durch die Berglandschaft führt an zahlreichen sehenswerten Villen vorbei, die sich der Adel im 19. Jahrhundert bauen ließ. In einem außergewöhnlich schönen Garten mit üppiger Vegetation liegt der Palast Quinta da Regaleira, ein verwunschen wirkendes Schloss, in dem heute die regionale Kulturstiftung residiert.
Architektonisches Schmuckstück und Stolz vieler Portugiesen aber ist der Pena-Nationalpalast, seit 1995 Unesco-Welterbe - wie die ganze Gegend. Entsprechend dem romantischen Zeitgeist mixte der deutsche Architekt Baron Ludwig von Eschwege im Auftrag des deutschstämmigen Prinzgemahls Fernando II. mittelalterliche und exotische Baustile zu einer burgähnlichen Anlage an einem Ort, an dem ein mittelalterliches Kloster gestanden hatte.
In den königlichen Gemächern scheint noch immer ein Monarch zu leben, das ursprüngliche Mobiliar blieb erhalten. Doch Portugal ist seit 1910 Republik, und der Palast steht Besuchern offen, die staunend angesichts des überschwänglichen Luxus durch die Räumlichkeiten streifen.
Horst Heinz Grimm/dpa/jus
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