Tiefschnee-Abfahrten in der Schweiz Diese Pisten sind wirklich schwarz

Die Lawinengefahr beim Skifahren im Tiefschnee ist schwer einzuschätzen. Doch auch abseits gewalzter Pisten kann es sicher sein - auf fünf der besten Skirouten in der Schweiz. Nichts für Freeride-Anfänger.

Christian Perret / swiss-image.com

Frisch gefallener Schnee glitzert auf den Bergen, die Sonne scheint - eigentlich perfekt, um sich in den Tiefschnee zu stürzen und noch unberührte Hänge zu durchpflügen. Doch das Fahren abseits der gewalzten Pisten kann gefährlich sein. Wie hoch die Lawinengefahr ist, ist für Laien oft schwer einzuschätzen.

Auf Nummer sicher gehen daher Freerider, die in den Alpen Routen nutzen, die markiert, aber (noch) nicht präpariert sind. In der Schweiz sind sie gelb, in Österreich mit einem Rauten-förmigen Symbol gekennzeichnet. Diese Abfahrten werden nur geöffnet, wenn Wintersportler auf ihnen nicht durch Lawinen gefährdet sind.

Skirouten können je nach Schneebeschaffenheit recht anspruchsvoll sein oder beinhalten zumindest eine anspruchsvolle Passage - meistens sind sie als schwerer einzustufen als schwarze Pisten. Für Anfänger sind sie daher nicht geeignet. Hier sind fünf Freeride-Abfahrten in der Schweiz, die es in sich haben:

Blatten Belalp Tourismus

Hohstock im Skigebiet Belalp

Vom Hohstocklift aus führt ein Tunnel durch den Berg zum Startpunkt der Abfahrt Hohstock. Sobald sich die Augen nach der Dunkelheit wieder auf das gleißende Sonnenlicht eingestellt haben, kann es abwärts gehen. Am Ausgang des Gewölbes erhebt sich rechts das Weißhorn wie ein halbes Amphitheater in steil ansteigendem Fels, davor liegt statt einer Bühne ein Steilhang mit viel unverspurtem Tiefschnee.

Die Hohstock-Abfahrt wird nach frischem Schneefall nie präpariert, sondern bleibt immer drei Tage lang den Freeridern vorbehalten. Erst danach wird sie gewalzt und damit zu einer schwarzen Piste. Nach dem steilen Start wird das Gefälle sanfter, das Hochtal zunehmend breiter, das Blickfeld öffnet sich - jetzt sind Gipfel vom Bättlihorn bis Lagginhorn zu sehen.

Zur linken Seite zweigt noch eine Freeride-Route ab, die nie präpariert wird. Vier solcher Abfahrten hat Belalp im vergangenen Winter neu ausgesteckt - aber bislang ist das Skigebiet noch kein Hotspot für Freerider. Obwohl es viele Möglichkeiten gibt, abseits der Piste zu fahren, sind dort kaum Wintersportler unterwegs.

Ort: Blatten bei Naters im Wallis, 248 Einwohner
Start: 3118 Meter
Zugang: Hohstocklift
Höhendifferenz: 798 Meter
Länge: 3 Kilometer
Maximales Gefälle: 40 Grad

LAAX / Gaudenz Danuser

Ofenabfahrt im Skigebiet Weiße Arena

Kaum einer der Skifahrer, die von der La-Siala-Gondelbahn abfahren, biegt auf die Route 81 ab. Dabei lockt hier ein sanfter Tiefschneehang mit Blick in ein einsames Hochtal. Der erste Hang ist mäßig steil, das Abschwingen gelingt mühelos. Dann erhebt sich eine markante Felsnase inmitten der Abfahrt. Auf dem schwarzen Gestein leuchten blutrote Flechten, als würden sie vor dem dahinter liegenden Steilhang warnen. Links tauchen die markant zerklüfteten Tschingelhörner auf, das berühmte Martinsloch ist von hier nicht zu erkennen.

Beim Anblick der unwirtlichen, hochalpinen Landschaft vergisst man, dass man in einem Skigebiet ist, in dem es Bergbahnen mit Designs von Ferrari und Porsche gibt. Die "Weiße Arena", das Skigebiet von Laax und Flims, hat insgesamt zehn nicht präparierte, aber markierte Abfahrten. Allerdings sind die Hänge bei Neuschnee meistens schnell verspurt.

Ort: Laax in Graubünden, 1600 Einwohner, 11.000 Gästebetten
Start: 2810 Meter
Zugang: La-Siala-Gondelbahn
Höhendifferenz: 582 Meter
Länge: 2 Kilometer
Maximales Gefälle: 45 Grad

Nendaz Tourisme

Mont-Gelé im Skigebiet 4 Vallées

Die Pendelbahn, die zum Mont Gelé hochfährt, ist so klein, dass sie fast putzig wirkt - wenn da nicht die Ankunft auf dem Gipfel wäre. Hier hält die Gondel auf einem nackten Stahlgerüst - für mehr war kein Platz auf dem schroffen Felsplateau, und auch beim Anschnallen der Ski wird es eng.

Die Abfahrt ist mit 42 Grad Gefälle zunächst steil. Aber der Hang ist breit, und fast immer liegt hier Pulverschnee. Ohne Neuschnee wird die Abfahrt schnell zur Buckelpiste. Je nach Schneelage ragen vereinzelt Felsen heraus. Nach dem Steilhang durchfährt man ein einsames Hochtal mit kupiertem Gelände. Die Route endet in einer weiteren markierten, aber nicht präparierten Abfahrt, die weiter zur Talstation der Pendelbahn Tortin führt.

Im Skigebiet 4 Vallées sind sieben solcher "Freetracks", wie sie hier genannt werden, ausgesteckt. Bei Neuschnee bleiben sie allerdings nicht lange unverspurt.

Ort: Nendaz im Wallis, 6300 Einwohner, 19.500 Gästebetten
Start: 3003 Meter
Zugang: Mont-Gelé-Gondel
Höhendifferenz: 945 Meter
Länge: 3,8 Kilometer
Maximales Gefälle: 42 Grad

SkiArena

Gurschenstock im Skigebiet Gemsstock

Wenn Neuschnee gefallen ist - und das passiert sehr oft in Andermatt -, ist das Donnern von Explosionen über dem Gemsstock zu hören. Der Berg, der ein Mekka der internationalen Freerider-Szene ist, wird vom Pistendienst mit Sprengstoff von allem befreit, was als Lawine auf die markierten Abfahrten rutschen könnte.

Auf der Gurschenstock-Route kann man denn auch in Sicherheit den Freeride-Spirit Andermatts atmen. Die Route beginnt mit dem steilsten Stück, wird dann jedoch flacher. Hügel, Mulden und Rinnen bieten ein abwechslungsreiches Terrain zum Tiefschneefahren, mit viel Platz auf einem weiten Hang. Viele haben sich hier schon mit dem Freeride-Virus infiziert und dann auch auf die ungesicherten Strecken am Gemsstock gewagt - mit Sicherheitsausrüstung und auf eigenes Risiko.

Ort: Andermatt in Uri, 1400 Einwohner, 1500 Gästebetten
Start: 2761 Meter
Zugang: Gemsstock-Bahn (Großgondel-Bergstation)
Höhendifferenz: 646 Meter
Länge: 3,5 Kilometer
Maximales Gefälle: 40 Grad

Frederik Jötten

Teufi im Skigebiet Jakobshorn

Von der Bergstation des Jakobshorns führt ein leicht abschüssiger Ziehweg zu den Pisten rechter Hand - und dann steht links ein abgeschabtes Metallschild: "Teufi-Abfahrt geöffnet".

Der Name der Skiroute passt, zwischen Felsen geht es steil bergab. Allerdings ist nur der Start des Teufi so steil. Danach führt die Abfahrt in einen Talkessel - der viel breiter ist, als man vermuten würde, wenn man das Jakobshorn von Davos Dorf aus sieht. Das Gefälle ist dann nur noch mäßig. Und je nachdem, ob man die nach Nord- oder Südosten ausgerichteten Hänge befährt, kann man im Frühling Pulverschnee oder Firn vorfinden. Die Abfahrt endet im hübschen Dischmatal.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Jakobshorns gibt es noch eine weitere schöne Route ins Sertig-Tal. Und Pischa im Flüela-Tal, ein weiteres der fünf Skigebiete um Davos. ist komplett den Freeridern vorbehalten. Hier wird gar nicht mehr präpariert, aber auch nicht mehr gesichert.

Ort: Davos in Graubünden, 11.100 Einwohner, 14.200 Gästebetten
Start: 2530 Meter
Zugang: Jakobshorn-Bahn (Großgondel-Bergstation)
Höhendifferenz: 834 Meter
Länge: 5,5 Kilometer
Maximales Gefälle: 35 Grad

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Paul G. 08.02.2017
1. Schwarze Pisten
Sorry, aber auf den Bildern sind die eindeutig weiß.... :-)
Knossos 08.02.2017
2.
Zitat von Paul G.Sorry, aber auf den Bildern sind die eindeutig weiß.... :-)
Sie müssen das negativ betrachten. Ausnahmsweise. :O)
ge1234 09.02.2017
3. Nicht zu vergessen...
... die Abfahrt von der Grands Montets über den Rognon-Gletscher, und wem die noch tricky genug ist, weiter über den Argentière-Gletscher nach Argentière, was über nur möglich ist, wenn man irgendwo eine Aufstiegsspur zwischen den Spalten findet, die man hinabfahren kann.
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