Arlberg, Zermatt, Val d'Isère Was gibt es Neues in den Skigebieten?

Musikbergbahnen, Turbolifte und das größte Skigebiet Österreichs: Dies sind die wichtigsten Neuerungen in den Wintersportorten der Alpen.

Johannes Felsch/ srt

In den Bergen fällt immer weniger Schnee - aber die Skigebiete haben in den vergangenen Wintern prächtig verdient. Und weil das Geschäft auch weiter gut laufen soll, wird kräftig investiert. Für die Skiurlauber gibt es daher auch im kommenden Winter viel Neues: Super-Size-Bergbahnen, neue Abfahrten und ein neues altes Mega-Skigebiet in Österreich.

  • Arlberg: Premiere als Österreichs größtes Skigebiet

Die Wiege des Skilaufs war der Arlberg schon immer. Jetzt startet die Traditionsregion auch bergbahnmäßig durch. Vier neue Zehnpersonengondeln auf einmal verbinden ab der neuen Saison die bisher getrennten beiden Seiten St. Anton und Lech-Zürs. Die beiden Schlüsselbahnen zielen ab Alpe Rauz und ab Zürs auf den bislang trennenden Grat.

Auf Zürser Seite kann man auch per Ski abfahren, zurück zur Alpe Rauz nur per Bahn. Von dort erschließt eine weitere Bahn das Albonaskigebiet und ersetzt zwei alte Zweiersesselbahnen.

Der Arlberg überholt mit 340 Pistenkilometern die zuvor führenden Regionen Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental (264 Kilometer) und Saalbach-Hinterglemm-Fieberbrunn (270 Kilometer) als größtes zusammenhängendes österreichisches Skigebiet. International schließt er zu Val d'Isère/Tignes auf.

Es gibt langfristig noch größere Pläne: Von St. Anton aus soll über das Rendlgebiet auch der Paznauner Ferienort Kappl angeschlossen werden.

Saisonbeginn am Arlberg: 2. Dezember

  • Zell am See und Saalbach: Neue Zehnpersonen-Kabinenbahn

Auch das vom Thron gestürzte Skigebiet von Saalbach-Hinterglemm-Fieberbrunn will bald größer werden - durch den Anschluss der 77 Pistenkilometer großen Schmittenhöhe über Zell am See. Das wird allerdings noch bis 2018 dauern.

Der erste Schritt ist aber gemacht: Eine Zehnpersonen-Kabinenbahn erschließt ab Saisonbeginn die Rückseite der Schmittenhöhe samt neuer, mittelschwerer Piste. Sie wird später auch die obere Hälfte der neuen Verbindungsbahn vom Saalbacher Vorort Viehhofen her sein.

Bereits jetzt lockt die neue Bahn während der Auffahrt mit Extras wie flüsterleisem Antrieb, kostenfreiem WLAN und Gratis-Musikstreaming. Auf Viehhofener Seite wird die neue Verbindung mit dem Neubau der Schönleitenbahn Richtung Leogang flankiert.

Saisonbeginn auf der Schmittenhöhe: 2. Dezember

  • Sölden: Giggijochbahn zähmt Warteschlange

Für die vielen Urlauber, die aus dem vorderen Ötztal ins Skigebiet von Sölden wollen, gibt es die Giggijochbahn am Ortseingang. Morgens waren dort bislang allerdings lange Warteschlangen unausweichlich.

Die dürften jetzt der Vergangenheit angehören; denn die Sölder Bergbahn hat die alte "Giggijoch" gegen eine der leistungsstärksten, jemals gebauten Seilbahnen ersetzt. 4500 Personen pro Stunde bewältigt der Gigant. Das sind fast 2000 mehr als mit der alten Bahn. Die wurde übrigens nicht verschrottet, sondern nur ein paar Kilometer talabwärts einer neuen Bestimmung zugeführt: Sie übersiedelt nach Hochoetz und ersetzt dort die bisherige Ochsengartenbahn.

Saisonbeginn in Sölden: 19. November

  • Stubaier Gletscher: Teuerste Liftanlage der Alpen

43 Jahre nach dem Start wechselt das Skigebiet am Stubaier Gletscher seine Hauptschlagader aus: die Eisgratbahn. Und die neue Bahn vom Tal ins Herz des Skigebiets ist tatsächlich spektakulär: fast fünf Kilometer lang, gebaut in der windstabilen Dreiseiltechnik und mit elf Minuten Fahrtzeit doppelt so schnell wie der Vorgänger.

Das Design stammt übrigens von den Sportwagenzeichnern von Pininfarina, dazu gibt es WLAN und Echtledersitze. Mehr als 60 Millionen Euro ließ sich die Stubaier Gletscherbahn den Neubau kosten - das ist alpenweit Rekord für eine einzelne Liftanlage.

Start der neuen Eisgratbahn: 29. Oktober

  • Kleinwalsertal: Hohen Ifen wird rundumerneuert

Das Kleinwalsertal gehört zu Österreich, ist aber mit dem Auto nur vom Allgäuer Urlaubsort Oberstdorf her erreichbar, mit dem es eine gemeinsame Skischaukel betreibt. Nun wird auch der Kleinwalsertaler Everest, der Hohe Ifen, aus jahrelangem Bergbahnschlaf erweckt und mit 30 Millionen Euro runderneuert.

Zum aktuellen Winter erhält er eine Sechsersesselbahn vom Tal her und eine neue Beschneiung spendiert, 2017/18 folgt eine Zehnerkabinenbahn in zwei Sektionen zum Gipfel. Bei den besonders schönen Pisten am Gottesackerplateau vertraut man glücklicherweise weiter auf Naturschnee.

Saisonbeginn im Kleinwalsertal: ab 10. Dezember

  • Schweiz: Freerider-Sesselbahn und ein behindertengerechter Skiberg

Beherzt investieren die großen Schweizer Skigebiete in mehr Komfort und schnellere Bahnen. Zermatt ersetzt die 45 Jahre alte Gondel von Gant nach Blauherd gegen einen modernen Sechsersessel und wertet so das Freerideparadies Sunnegga-Rothorn weiter auf.

In St. Moritz dürfen sich die vielen Freunde des Corvatsch-Skigebiets über die Pensionierung des nostalgischen Curtinella-Schleppers freuen; ersetzt wird er von einer Highspeed-Sechsersesselbahn im Porsche-Design. Gleichzeitig rückt die Talstation ein Stück nach unten zur Hossa-Bar, das vereinfacht nicht nur das Après-Ski, sondern auch die Verbindung von Murtèl her.

Davos-Klosters schließlich, der dritte eidgenössische Skigroßraum, verpasst gleich einen ganzen Berg ein neues Design: Auf Madrisa sollen die behindertengerechte Sechsersesselbahn Schaffürggli und ein neues Restaurant der Startschuss sein, um das Gebiet zu Europas führendem Pistenrevier für Schneesportler mit Handicaps zu machen.

  • Frankreich: Glasbodenlift und neue Anfängerreviere

Val d'Isère hat sein Hausskigebiet, die Solaise, einer Komplettüberholung unterzogen. Eine Zehnpersonengondel ersetzt die alte Standseilbahn und bringt nicht nur mehr Wintersportler schneller ins Gebiet, sondern auch noch zu einem attraktiveren Ausgangspunkt bei den Hauptpisten und dem neuen Anfängerareal mit drei Zauberteppichen. Die neue Solaise-Bahn hat natürlich Gratis-WLAN und beheizbare Sitze; zwei der 91 Kabinen besitzen zudem einen Glasboden.

Schneller voran geht es auch in La Plagne; dort kam man bis zum vergangenen Jahr nur mühsam wieder aus dem Talort Plagne Montalbert zurück. Zwei schnelle neue Bahnen und eine neue Piste machen die Fahrt jetzt zum Erlebnis.

Alpe d'Huez schließlich, der südlichste der französischen Skigroßräume, tut etwas für Skianfänger und hat das kleine Signal-Skigebiet gegenüber dem großen Hauptabfahrtsrevier komplett mit neuen Bergbahnen und einer superleichten Talpiste renoviert.

  • Deutschland: Mittelgebirge kommt groß raus

Auf deutschen Skibergen wird aktuell viel gebaut und geplant, aber nur wenig ist fertig. Sowohl die neue Zugspitzbahn als auch das geplante komplett neue Skigebiet oberhalb von Schierke im Harz sind erst für den Winter 2017/18 terminiert. Oberstdorf immerhin leistete sich ein neues, spektakuläres Gipfelrestaurant samt Gipfelrundweg am Nebelhorn und ersetzte einen Schlepplift unterhalb des Fellhorns durch eine moderne Sechsersesselbahn mit Echtledersitzen.

Unermüdlich weiter ausgebaut wird zudem das größte deutsche Mittelgebirgsskigebiet, die Wintersport-Arena Sauerland. Dort flossen zur aktuellen Skisaison fünf Millionen Euro in neue Lifte, mehr Beschneiung und Rodelbahnen. Die wichtigste Investition: Im Skiliftkarussell Winterberg ersetzt eine Vierer-Sesselbahn den Schlepplift hoch zur Kappe und schafft so eine bessere Verbindung für die Skipendler. Die neue Sesselbahn soll übrigens auch im Sommer nützlich sein: Dann transportiert sie Fahrräder und Radfahrer für den ortsansässigen Bikepark.

Hans-Werner Rodrian, srt/abl

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 17.10.2016
1. Wenn ich sowas lese...
...freue ich mich immer wieder, dass ich keinen Wintersport betreibe. Skifahren mag schön sein...der Rummel drumrum wäre nix für mich...dann doch lieber auf Rennradtour in den Süden.
i.dietz 17.10.2016
2. Ich finde es schon traurig
wenn immer mehr Gebirgslandschaften und -täler wegen zeitlichem Massentourismus "verschandelt" werden !
berndasbrot 17.10.2016
3. Ich wusste, dass so ein Kommentar kommt....
Zitat von i.dietzwenn immer mehr Gebirgslandschaften und -täler wegen zeitlichem Massentourismus "verschandelt" werden !
Naja, wenn man sich mal in den Alpenregionen umschaut wird man sehen, dass es selbst in den am stärksten durch den Skitourismus geprägten Gegenden immer noch erheblich mehr intakte Natur gibt als in den Siedlungs- und Industriegebieten im Flachland. Ich finde es immer wieder amüsant, wie sich z.B. Menschen aus meiner Nachbarschaft (NRW - Braunkohlegebiet) über die "Verschandelung der Alpen" aufregen, derweil in eigenen Umfeld eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen Steht und es gar keine intakte Natur mehr gibt. Jeder nutzt die Natur nach seinen Möglichkeiten. Der eine baut Skilifte und Pisten, der anderen planiert alles und siedelt Industrie an. Oder baggert das grösste Loch der Welt, um umweltfreundliche (...?) Braunkohle abzubauen.
traurigeWahrheit 17.10.2016
4. Selbst als Sauerländer
finde ich es bemerkenswert, das die Wintersport Arena Sauerland immer noch soviel Geld investiert. Damit man überhaupt noch auf "100 Tage Skivergnügen" im Jahr kommt, wurden die letzten Jahre überall Beschneiungsanlagen gebaut, trotzdem erreichte man die gewünschten 100 Tage nicht. Grund: Die Anlagen funktionieren nur, wenn es ausreichend kalt ist, was nicht der Fall war. Aber es wird fleißig weitergebaut, um für Holländer und Ruhrgebietler attraktiv zu sein. Kann man machen, die ganzen teuren Wintersportanlagen stehen allerdings 300 Tage im Jahr nur ungenutzt rum. Investitionen in Infrastruktur sind immer zu begrüßen, aber ob sie auch immer sinnvoll sind (aufgrund der allgemeinen globalen Erwärmung) steht auf einem anderen Blatt.
Axel Schön 17.10.2016
5. irritierend
Sie schreiben unter die Architekturzeichnungen in der Gegenwartsform, so, als ob das jeweilige Bauwerk schon stehen würde - ich gehe mal davon aus, dass in dem Falle keine Zeichnung gezeigt würde. Es handelt sich also um Entwurfs-Zeichnungen, die einen schon sehr realistischen Eindruck geben davon, wie es aussehen wird. Richtig? Dann müsste also nach meiner sprachlich rudimentären Bildung das Futur 1 stehen - um hier mal ein wenig klugzuscheißen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.