Skigebiete in den Alpen Der XXL-Trend

In der Welt des Wintersports gilt: Größer ist besser. Immer mehr Skigebiete schließen sich durch Lifte zu riesigen Arenen zusammen. Aber was haben Skifahrer und Snowboarder davon?

Matthieu Vitré/Portes du Soleil/dpa-tmn

Es war ein Meilenstein für den Wintersport in den Alpen - dabei erspart es den Skifans eigentlich nur ein paar Busfahrten: Die Flexenbahn verbindet seit dem Winter 2016/17 die Skigebiete Lech-Zürs und St. Anton miteinander. So entstand das größte Skigebiet Österreichs: Ski Arlberg, insgesamt 305 Pistenkilometer. Die Seilbahn über den Flexenpass schuf ein zusammenhängendes Areal der Superlative. Und genau das ist der große Trend.

In den Alpen schließen sich immer mehr Skigebiete zusammen. Das hat zwei Gründe: Der Wettbewerb untereinander ist groß, und der Urlauber will immer mehr Abwechslung. "Die Größe des Skigebiets und die Skipisten sind maßgebliche Entscheidungsgründe für den Gast", sagt Franz Hörl vom Fachverband Seilbahnen der Wirtschaftskammer Österreich. "Dabei spielt der Reiz, das größere Pistenangebot möglichst auszufahren, wesentlich mit."

Durch das Verbinden kleinerer und mittlerer Skigebiete lasse sich das Angebot oft mehr als verdoppeln oder verdreifachen, erklärt Hörl. Ob Skifahrer diese Vielfalt tatsächlich ausschöpfen, ist aber die Frage. "Der Urlauber schaut zuallererst auf die Größe eines Skigebiets", sagt Klaudia Zortea von Altenmarkt-Zauchensee Tourismus im Salzburger Land. "Ob er diese Größe letztlich nutzt, ist dabei zweitrangig. Viele Skifahrer tun es nicht." Was zählt, ist das Gefühl von Größe.

Tagesfahrern bringen große Skigebiete wenig

Österreich hat mittlerweile einige Riesenskiarenen: Auf Platz zwei hinter Ski Arlberg liegt die Bergbahnen Skiwelt Wilder Kaiser - Brixental mit 284 Pistenkilometern. Dahinter folgen: der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn (270 Kilometer), die Bergbahn Kitzbühel (215 Kilometer) und die Silvretta Arena Ischgl (172 Kilometer). Die gesamte Silvretta-Arena mit dem Schweizer Teil in Samnaun kommt auf 238 Kilometer.

"Für den Gast bedeuten diese Zusammenschlüsse eine Erweiterung der gesamten Infrastruktur, nicht nur der Pistenkilometer", sagt Ralf Roth, Skiexperte von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Am besten ist das für die sportlichen Gäste, da ihnen mehr Pisten zur Verfügung stehen.

Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad: "Ab einer bestimmten Größe profitiert der Gast nicht mehr, weil er in der Verweilzeit vor Ort die angebotenen Pisten nicht befahren kann." Und auch der Preis muss noch akzeptabel sein. Tages- und auch vielen Wochenendskifahrern bringen die Zusammenschlüsse wenig.

Richtig gigantisch wird es in Frankreich. Les Trois Vallées gilt mit etwa 600 Pistenkilometern als größtes zusammenhängendes Skigebiet der Welt. Auf Rang zwei liegt Paradiski mit 435 Kilometern. Die Tourismusregion France Montagnes, in der die Riesengebiete liegen, betont auch die größere Vielfalt - und die bessere Sichtbarkeit. Ein großer Name lockt mehr Gäste.

Nicht immer ist die bauliche Verbindung aller Teile einer Skiarena durch Seilbahnen und Pisten möglich. Wintersportler müssen dann Shuttlebusse nutzen, um von einem Hang zu einem anderen zu kommen. So ist es zum Beispiel im französisch-schweizerischen Riesenwintersportgebiet Portes du Soleil.

Viel Vielfalt mit XXL-Skipässen

Ein weiterer Trend sind XXL-Saisonkarten, mit denen Urlauber Zugang zu Liftanlagen und Skigebieten in ganz verschiedenen Regionen bekommen. Die Entwicklung zum Tarifverbund ist in den Alpen seit einigen Jahren zu beobachten. Ein extremes Beispiel ist die Snow Card Tirol mit mehr als 90 Skigebieten, 1100 Liften und 4000 Pistenkilometern.

International ist noch mehr Vielfalt möglich. Wen es für Schnee- und Pistenvergnügen auch in die Ferne zieht, der kann zum Beispiel den Epic Pass der amerikanischen Vail Resorts erwerben. Ab 929 US-Dollar (800 Euro) bekommen Skifahrer ab 13 Jahren damit Zugang zu Topskigebieten weltweit, neben Vail und Park City in den USA etwa auch Arlberg, 4 Vallées - und fünf Tage im Hakuba Valley in Japan.

Auch in der Schweiz gab es in den vergangenen Jahren ein paar spektakuläre Zusammenschlüsse. Neu ab Dezember 2018 ist die Skiarena Andermatt-Sedrun, das mit 120 Pistenkilometern dann größte Skigebiet der Zentralschweiz. Und bereits im Winter 2014 schlossen sich Arosa und Lenzerheide zusammen. Dort entstand ein Wintersportareal mit insgesamt 225 Kilometern.

Trotzdem sagt Thomas Vetsch von Schweiz Tourismus: "XXL-Skigebiete sind in der Schweiz absolut kein Trend." Solche Zusammenschlüsse seien in der Regel mit großen baulichen Maßnahmen verbunden - und die Schweizer Bürger haben hier mitzureden. Projekte können Jahrzehnte dauern.

"Dies zeigt die Verbindung von Arosa und Lenzerheide eindrücklich", sagt Vetsch. Aufgekommen war die Idee schon 1972, sie wurde dann mehrfach politisch verworfen. Der Start des neuerlichen Projekts erfolgte 1996. "Je nach Auslegung brauchte diese Verbindung also 18 oder 42 Jahre bis zur fertigen Realisierung."

Im Video: Après-Ski in der Klinik

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Philipp Laage, dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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hansriedl 12.11.2018
1. Der XXL-Trend
Für den Gast bedeuten diese Zusammenschlüsse eine Erweiterung der gesamten Infrastruktur, nicht nur der Pistenkilometer. Für Könner ideal, da die große Auswahl von Pisten, schwierig, lange, leichte, zur Verfügung steht können sie wählen was ihnen zusagt. Allerdings die weniger geübten Stars bringt es nur mehr Kosten , da Tageskarten wie Skipässe überzuckerte Preise haben. Hauptgewinner sind wie immer Investoren.
kuschl 13.11.2018
2. Nichts als Preistreibereie
Im Normalfall fährt man in EINEM Schigebiet. Diese XXL Schipässe sind nichts anderes als Preistreibereien, um die hohen Preise auch für kleine Schigebiete zu rechtfertigen, nach dem Motto, sie können damit ja auch da und da laufen. Macht aber in der Praxis doch kaum jemand. Eine ziemlich linke Nummer, um in kleinen Gebieten hohe Preise zu fordern.
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