SnowCastle in Finnland: Eishochzeit im Schottenrock

Von Yasmin Schulten

Hoch im finnischen Norden wird jedes Jahr erneut ein Schloss erbaut. Mal sieht es aus, als hätten Mayas zur Schippe gegriffen, mal zieren abstrakte Kegel den Eingang. Im SnowCastle von Kemi können Touristen auf Eisbetten übernachten und im Iglu-Restaurant kühlen Wodka trinken.

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Einen Haufen Schnee, eine freie Fläche und eine Grundriss-Skizze ist alles, was Rauna Ruonansuu braucht, um ein Schloss zu bauen. Der Architekt wird noch in diesem Monat beginnen, das "SnowCastle" in Kemi an der nordwestlichen Küste Finnlands zu errichten. Ende Januar wird das Schneehotel bezugsfertig sein: Dann können Touristen auf Eisbänken übernachten und auf Rentierfellen im Iglu-Restaurant dinieren. Für Schwerverliebte gibt es außerdem eine kleine Hochzeitskapelle, natürlich auch komplett aus Schnee und Eis.

Im Jahr 1996 haben die Kinderhilfsorganisation Unicef und die Stadt Kemi das Eisschloss als Geschenk an die Kinder der Welt zum ersten Mal erbaut. Mit bis zu 1100 Meter langen Wänden ging es als größtes Schneeschloss der Welt ins Guinness Buch der Rekorde ein. Zehn weitere Schlösser folgten in Kemi. "Und jedes Jahr sieht es etwas anders aus", sagt Ruonansuu, der in diesem Jahr zum fünften Mal das Gebäude gestaltet.

Einmal erhielt das Schloss zwei Etagen, dann wurde es wie ein antiker Mayatempel gebaut. In den vergangenen zwei Jahren stand das SnowCastle ganz im Zeichen von Feuer und Meer. Während die kalten Wände von Scheinwerfern in warmen Farben erleuchtet wurden, sollten Piraten, Seemänner und Schatztruhen aus Eis in meist bläulichem Licht an das Meer erinnern. Das Thema für dieses Jahr will Ruonansuu noch nicht verraten.

Gepresster Schnee aus Meerwasser

Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, muss das Material nicht nur herangefahren, sondern auch produziert werden. Denn "normaler" Schnee eignet sich für das SnowCastle nicht, erklärt Ruonansuu. "Den künstlichen Schnee stellen wir mit Schneekanonen aus Meerwasser her, das wir bei Temperaturen von mindestens minus acht Grad Celsius unter dem Eis entnehmen." Anschließend wird er zusammengepresst und geformt. Die Strukturen aus künstlichem Schnee sind dann drei- bis fünfmal härter, als wenn sie mit normalen Schnee hergestellt worden wären, sagt Ruonansuu. 30 Leute arbeiten gemeinsam mit dem Architekten an dem Projekt.

Allein in der letzten Saison kamen 82.000 Besucher ins finnische Städtchen Kemi, um das SnowCastle zu besuchen, sagt Tanja Turja, Verkaufsassistentin von "LumiLinna", wie das SnowCastle auf Finnisch heißt. "Die meisten unserer Kunden kommen aus Ländern wie Südafrika, in denen es im Winter weder Schnee noch Eis gibt. So ist es für sie etwas ganz Besonderes, eine arktische Nacht zu erleben." Kurzbesucher können den Schneepalast bei Führungen erleben, auf den eisigen Restaurantsitzbänken finnische Köstlichkeiten genießen oder einen kalten Wodka in der Icebar schlürfen.

1200 Gäste erlebten eine Nacht in einem der 57 Hotelbetten, völlig ohne Frieren. "Dank Kälte abweisender Schlafsäcke mit Fleece-Einsatz, die extra für arktische Bedingungen hergestellt werden, bleiben die Gäste auch bei einer Zimmertemperatur von minus fünf Grad Celsius warm", erklärt Turja. Die Toilette ist in einem separaten Teil des SnowCastle - beheizt versteht sich.

Schlossschmelze im April

Verliebte Schneefreunde können sich in der Kapelle, die Platz für bis zu 50 Personen bietet, trauen lassen. "Jedes Jahr geben sich hier rund 25 Paare das Jawort", sagt Turja und erinnert sich an ein schottisches Pärchen. "Der Bräutigam ließ sich von der Kälte nicht einschüchtern und trug den traditionellen Schottenrock." Ob er jedoch etwas unterm Rock trug, weiß natürlich nur die Braut.

Doch der Eis- und Schneezauber hält nicht ewig. Nach wenigen Monaten findet das SnowCastle ein natürliches Ende: "Im April steigen die Temperaturen in Kemi, und das Schneeschloss beginnt zu schmelzen. Es fließt dann zurück ins baltische Meer, von wo es gekommen ist", sagte Turja.

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