Wetterchaos im Süden Wär' ich nur daheimgeblieben...

Mini-Tornados, Dauerregen, Gewitterstürme: In Italien oder Kroatien fällt der Sommer ins Wasser, viele Urlauber wären lieber in Deutschland geblieben. Wo in Europas Süden ist es wie schlimm? Der Wettercheck.

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Rom/Zagreb - Sonnengarantie ist nicht mehr. Viele Urlauber haben in Teilen des Südens oder in den Alpen schlechteres Wetter als zu Hause. Zum Beispiel in Italien: Europas Gesamtwetterlage bringt immer wieder Regen und Gewitter in die Berge Norditaliens bis hin zur Adria und zur Riviera. Auch in Kroatien und Teilen Frankreichs gibt es Probleme, Mitte Juli zog auch ein Sturm über das spanische San Sebastiàn.

Wo ist es wie schlimm? Welche Urlauber wären besser in Deutschland geblieben? Die Lage im Überblick:

  • Italien: Verdi unter dem Schirm

Während manche in Südtirol schon von einem Sommer sprechen, der keiner sei, lassen sich prominente Liebhaber der italienischen Bergregion nicht von ihrem traditionellen Besuch abhalten. So kam Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Sulden, wie lokale Medien berichteten, etwas später traf Italiens Staatschef Giorgio Napolitano in Sexten ein. Einige Berghütten in Südtirol klagen jedoch. "Die erst Ende Juni begonnene Saison läuft doch sehr langsam", sagt eine Wirtin, manche Hütte bleibe tagelang ohne Gäste.

"Singin' in the Rain" gehe im Kino, aber nicht in der bei Deutschen beliebten Opern-Arena von Verona, hielt diese Woche die Turiner Zeitung "La Stampa" fest. Veronas Bürgermeister plane deshalb, nach dem Sommer einen Wettbewerb auszurufen, um einen "Maxi-Schirm" für die Arena bauen zu lassen. Denn Verdis Tenöre können schlecht im Regen singen. Alle in Italiens Tourismusbranche hoffen darauf, im August und September noch Boden gutzumachen. Das Wetter jedenfalls muss mitmachen, soll die Saison nicht ins Wasser fallen.

  • Kroatien: Sonne und Meer ziehen im Regen nicht

Unwetter verhageln die Tourismussaison in Kroatien. Auf der Halbinsel Istrien in der nördlichen Adria, der wichtigsten Urlaubsregion des Landes, werden weniger ausländische Gäste gemeldet, der Rückgang soll im zweistelligen Prozent-Bereich liegen. Finanzminister Boris Lalovac kündigte einen Nachtragshaushalt an, weil die Saison so schlecht läuft. In dem EU-Land ist der Tourismus mit rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der wichtigste Wirtschaftszweig. Allein im Juli suchten fünf für diese Jahreszeit unüblich schwere Unwetter die Küste heim.

Erst diese Woche hieß es an weiten Abschnitten der mehr als tausend Kilometer langen Küste wieder "Land unter". Schlechtes Wetter macht der Urlaubsbranche in Kroatien besonders zu schaffen, weil es für die Gäste - darunter rund zwei Millionen Deutsche - kaum alternative Unterhaltung gibt. Selbst der stellvertretende Tourismusminister Zelimir Kramaric räumte ein, das Land hänge einseitig am Konzept "Sonne und Meer". Viele Gäste aus Österreich oder Süddeutschland, die mit dem Auto kommen und auf Campingplätzen übernachten, brechen bei schlechtem Wetter vorzeitig ihren Urlaub ab.

  • Frankreich: Mini-Tornado und Katastrophenalarm

Der französische Sommer Jahrgang 2014 ist immer wieder für einen Umschwung gut. Die ersten sechs Monate waren laut Wetterdienst "bemerkenswert warm". Das erste Halbjahr gilt, nach 2007, als das zweitwärmste seit 1900. Den Auftakt der Sommerferien vermiesten dann aber vielerorts kühles Wetter und Regen. Seitdem wechseln in manchen Teilen des Landes Hochsommer und Herbsttemperaturen mit grauen Wolken einander ab.

Im Baskenland im Südwesten Frankreichs gab es nach heftigen Stürmen in einigen Kommunen Katastrophenalarm. In einer Nacht fiel an manchen Orten die Regenmenge eines Monats. Beim Theaterfestival in Avignon in der Provence fielen mehrere Vorstellungen ins Wasser. Im Süden der Region Ardèche starben zwei Menschen bei einem Mini-Tornado. Etwa 30 Wohnmobile auf einem Campingplatz wurden zerstört. Im Umkreis von gut drei Kilometern blieb kaum ein Baum stehen. Ein Polizist sagte: "So etwas habe ich noch nie gesehen."

  • Spanien und Portugal: Keine Klagen über das Wetter

Auf der Iberischen Halbinsel gab es bislang mit Regen kaum Probleme, stattdessen viel Sonne und Hitze (mancherorts bis zu 40 Grad). Zwar regnete es im Juni und Juli auch ein paar Tage im Baskenland - etwa in San Sebastiàn -, dann später auch in Katalonien, doch Klagen des Tourismussektors gab es zunächst nicht.

  • Griechenland: Ein Sommer, wie er sein sollte

In fast allen Regionen herrscht strahlender Sonnenschein mit leichten Winden. Der Sommer war bislang ein typischer Mittelmeersommer mit viel Sonnenschein und nur wenigen Niederschlägen. Zudem gab es bislang keine schlimme Hitzewelle.

  • Zypern: Schwitzen bei 40 Grad

Die diesjährige Saison verlief bislang ohne Wetterkapriolen. Zurzeit herrschen an den Küsten Temperaturen um die 30 Grad. Im Inselinneren steigen die Temperaturen um die Mittagszeit auf 40 Grad.

  • Österreich: Touristiker freuen sich über Rekordzahlen

In der Alpenrepublik herrscht bislang ein "wechselhafter Sommer", wie es von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien heißt. Gewitter wechselten sich mit trockenen Phasen ab. In Wien und Umgebung sowie in Salzburg war es eher warm und sonnig, in Tirol und Vorarlberg regnete es dagegen im Juli überdurchschnittlich viel. Tourismusverbände und Hoteliers in der Region äußerten sich dennoch zufrieden.

Das Geschäft laufe trotz dieses Wetters sehr gut, sagte eine Sprecherin des Tourismusverbands Ötztal in Tirol. Zumindest im Mai und Juni gab es außerdem so viele Übernachtungen wie nie zuvor in diesen Monaten: 16,72 Millionen.

Hanns-Jochen Kaffsack und Thomas Brey/dpa/abl

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insgesamt 20 Beiträge
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boblinger 01.08.2014
1. Kroatien im Regen
Kann nicht nachvollziehen, was der Offizielle da sagt. Mal abgesehen davon, dass ich NIE im Hochsommer an die Adria fahren würde - dieser Küstenstrich und sein Hinterland ist mit derart vielen kulturhistorischen wie naturlandschaftlichen Schlechtwettervarianten gesegnet, dass es da eigentlich überhaupt kein Problem gibt. Allein Split bietet Badealternativen für eine Woche!
virta 01.08.2014
2. Mini tornado
Liebe Spiegel -Redaktion Das Wort "Mini - Tornado" gibt es nicht. Ein Tornado ist ein Tornado
thold 01.08.2014
3. Hinterland
Leute, fahrt ins Hinterland! Da ist es bei jedem Wetter schön. Schaut Euch Seen und Flüsse an (und nicht nur Plitwitz), schnuppert mal nach Bosnien rein, fahrt in den Nationalpark an den Save-Auen, nehmt die Strecke nach Gospic, guckt Euch die kleinen Dörfer an oder fahrt einfach aufs geratewohl ins Inland. Kroatien hat mehr als genug für viele Urlaube und besteht nicht nur aus Küste und Meer!
konbaum 01.08.2014
4. Banalität
Mein Gott, überall Konflikte und Kriege, und die Leute beklagen sich über das Wetter. Geht's noch? Das Wetter ist wie es ist, die Leute sollen sich gefälligst damit abfinden. Dieses ständige Warten auf wolkenlosen Himmel und Hitze ist Zeitverschwendung. Man sollte sich nicht vom Wetter abhängig machen, sondern auch aus Regen und Sturm das Beste machen können und guter Laune sein.
pechblende82 01.08.2014
5. Im Norden freundlicher und wärmer
Auch in Deutschland war der Sommer im Norden viel besser als im Süden, wie folgender Vergleich der Juliwerte zwischen Kempten/Allgäu und List/Sylt belegt (Quelle wetterkontor): Niederschlag 265,8 mm vs. 60,8 mm, Sonnenscheindauer 175,7 vs. 282,0 Stunden, Temperatur 16,9°C versus 20,1 °C!. Keineswegs immer ist also der Süden unseres Landes bevorzugt.
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