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Sprachenstreit: Katalanen ärgern sich über Air-Berlin-Chef Hunold

Es gibt Krach zwischen der Fluggesellschaft Air Berlin und den Behörden auf den Balearen: Politiker und Medien rügen Airline-Chef Hunold öffentlich wegen seiner Aussagen zur katalanischen Sprache. Ein Politiker stellte das Air-Berlin-Logo mit einem Hakenkreuz ins Netz.

Hamburg - Ein Streit um den Einsatz der katalanischen Sprache zwischen der Balearen-Regierung und Air Berlin entwickelt sich zum handfesten Eklat: Katalanische Politiker fordern eine Entschuldigung des Air-Berlin-Chefs Joachim Hunold für einen Artikel im Bordmagazin des Unternehmens. Dort lehnte er in deutlichen Worten die Bitte ab, auf Strecken nach Mallorca, Menorca und Ibiza die Fluggäste auf Katalanisch zu begrüßen. Die Balearen gehören mit Katalonien und Valencia zu den Regionen, in denen Katalanisch und Spanisch offizielle Sprache ist.

In der Kritik: Air-Berlin-Chef Joachim Hunold
DDP

In der Kritik: Air-Berlin-Chef Joachim Hunold

Der katalanische Ex-Abgeordnete Joán Puig Cordón verlangte in seinem Blog, Hunold solle nach seinem "ungeheuerlichen Angriff" für seine Äußerungen "um Vergebung bitten". Das Logo von Air Berlin stellte er mit einem Hakenkreuz auf seine Internet-Seite.

"Das überspannt den Bogen. Wir sind ohnehin erstaunt über den Fanatismus, mit dem da reagiert wird. Das geht weit über das Ziel hinaus", sagte Air Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel SPIEGEL ONLINE. Das Unternehmen werde unverzüglich rechtliche Schritte einleiten.

Kritik an "mittelalterlicher Kleinstaaterei"

Auslöser für den Streit war ein Leitartikel in dem Magazin. Unter dem Titel "Das kommt mir spanisch vor" reagierte Hunold dort auf eine Aufforderung der Balearen-Regierung, "einen adäquaten Gebrauch der offiziellen Sprache der Insel" zu gewährleisten. Flüge nach Galicien oder ins Baskenland würden schließlich auch nicht in der regionalen Sprache betreut, konterte Hunold und fragte: "Spricht denn dort niemand Spanisch?"

Zudem sei es ziemlich gewöhnungsbedürftig, dass die einst wohlklingende Playa de Plama jetzt Platja de Palma heiße - was wie "Platscha de Palma" ausgesprochen werde. Als "Rückfall in die mittelalterliche Kleinstaaterei" bezeichnete Hunold zudem die angestrebte Autonomie von Nationalisten.

Boykottaufrufe und öffentliche Air-Berlin-Schelte

Die Aussagen Hunolds ging einigen Katalanen dann doch zu weit. Die Zeitung "El Diari d'Balears" erklärte Hunold zur "persona non grata" (unerwünschten Person). Mit seinen Äußerungen über die Sprachpolitik habe der Air-Berlin-Chef sich "wie ein Elefant im Porzellanladen" benommen, schrieb das auf Mallorca erscheinende Blatt.

Eine andere Zeitung fordert ihre Leser in einem Forum zu Stellungnahmen auf - an einem Tag gab es 500 Reaktionen. Die Initiative "Plataforma per la Llengua", die sich für die Verbreitung der katalanischen Sprache einsetzt, empfahl einen Boykott der Fluggesellschaft.

Air Berlin weist die Vorwürfe zurück. "Wir haben nur erklären wollen, dass eine weltweit agierende Airline überfordert ist, wenn sie alle Regionalsprachen bedienen will. Das Ganze hat schließlich auch einen gewissen ironisch-humorigen Unterton", sagt Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel und verweist auf einen Cartoon auf Seite 102 des Bordmagazins. Dort fliegen die Weißwürste und spritzt das Bier, weil ein Bayer wütend auf den Tisch haut. Die Sprechblase zeigt, warum: "Jo mei, wenn die hier noch Bayern kimma, die saupreißischen Katalanen die, da müssens fei boarisch redn! Kruzitürkn!!!"

Dass der Streit derartig eskalierte, hat nach Ansicht Hauptvogels auch mit der aktuellen Landespolitik zu tun: Die spanische Regierung habe vor kurzem angeordnet, eine dritte Spanischstunde an Schulen einzuführen, was die Gemüter erhitze. "Und wir sind genau in diesen Hexenkessel geraten", vermutet Hauptvogel.

reh/dpa/AFP

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