St. Peter-Ording Wireless Lan im Strandkorb

Von Großmutters Kurort zum angesagten Jugendreiseziel: Das einst beschauliche Seebad St. Peter-Ording zieht Promis und Popstars, Kids und Kitesurfer an. Jetzt muss nur noch das altmodische Flair verschwinden – der Ort ist voller Baustellen.


St. Peter-Ording - An den Stränden von St. Peter-Ording ist alles ein bisschen anders: Am Strand ist Parken genauso erlaubt wie Reiten, der Hund darf mit ins Wasser, und die Toilettenhäuschen stehen auf Pfählen. Wie auch die Hütte der Badeaufsicht und das Strandrestaurant - und in der Nebensaison selbst die Strandkörbe.

Urlaub in dem Nordseebad auf der Eiderstedter Halbinsel war in den sechziger und siebziger Jahren schon einmal etwas Besonderes, seit einigen Jahren erlebt der Ort nun eine Renaissance. Die große Freiheit am größten Festlandstrand von Deutschland zieht vor allem junge Leute mit Kindern und Sportler wie Kitesurfer und Strandsegler an. Auch ein hippes inoffizielles Kürzel hat der Kurort nun: "SPO".

Die meisten Einheimischen sehen es mit Wohlgefallen, denn vor 30 Jahren war der Ort in eine Art Dornröschenschlaf gefallen. Die Urlauber wurden immer älter, in dem einst mondänen Ortsteil Bad wirkte das Stadtbild mit Kastenhotels und Kurstätten aus den Sechzigern immer altmodischer, und so recht investiert wurde in die Infrastruktur auch nicht. In so mancher Gaststätte fanden sich bis vor kurzem noch orange Plastikaccessoires aus den Siebzigern, wie in den Bädern der Hotels türkisgrüne Kacheln aus dem Jahrzehnt davor. Nun wird allerorten renoviert - gerade rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum als Nordseeheil- und Schwefelbad, das 2008 gefeiert wird.

Zufluchtsort für Stadtmenschen

Die Geschichte von St. Peter-Ording als Kurbad ist noch älter. Der gewonnene Krieg gegen Frankreich 1871 hatte damals auch in dem armen Küstenort für Aufschwung gesorgt, erste Hotels öffneten. Die große Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg ließ viele Hanseaten Zuflucht in den Dünen von St. Peter und Ording suchen. "Das schöne Sein an der See sprach sich herum", sagt Tourismusdirektor Bernd Paulsen. Auch heute noch kommen besonders die Hamburger gerne in das 1,5 Stunden entfernte St. Peter-Ording. Die 4200-Seelen-Gemeinde hat stolze 3100 Zweitwohnungssitze, viele gehören Hanseaten.

An Spitzentagen im Sommer tummeln sich bis zu 40.000 Badegäste an den Stränden von St. Peter-Ording. 2,2 Millionen Übernachtungen im Jahr werden gezählt. "Damit gehört der Ort zu den Top Ten in Deutschland", sagt Paulsen. Und es fühlen sich hier wie auf Sylt auch Promis zu Hause wie die Sängerin Nena, die Haus und Pferde in St. Peter-Ording hat. Moderator Gerhard Delling ist oft da, ebenso der Schauspieler Michael Degen.

Auch Uwe Seeler ist oft dort zu sehen. Er wohnt in der Nähe und isst gerne in der "Seekiste". Das frisch renovierte Restaurant auf Pfählen am Strand von Böhl ist ein Geheimtipp für Schlemmermäuler. Hier werden die Krabben noch von Hand gepult, aber auch die Lammgerichte ziehen Gäste an, ebenso wie die locker 15 Zentimeter hohe Erdbeer-Sahnetorte. Überhaupt kann man in St. Peter-Ording gut essen: Auf Fischgerichte hat sich das Pfahlbaurestaurant "Strandburg" am Südstrand von Dorf spezialisiert, die "Trattoria del Paese" in Dorf ist bekannt für ihre Nudel- und Shrimpsgerichte, und wer es gehoben gutbürgerlich mag, der besucht den "Ordinger Hof" in Ording.

Kur in Bad, Abendessen in Dorf

St. Peter-Ording erstreckt sich zwölf Kilometer entlang der Nordsee. Einen einzigen Dorfkern gibt es nicht, auch das ist besonders. SPO hat gleich vier Ortsteile: Böhl, Dorf, Bad und Ording - wobei sich die Kureinrichtungen überwiegend in Bad befinden. Das Dorf dagegen hat eher gemütliche Restaurants, schöne Geschäfte und elegante Einfamilienhäuser. In Böhl wohnten lange vor allem Einheimische. Auf dem dortigen Nordseegymnasium gingen unter anderem Iris Berben sowie die Politiker Gerhard Stoltenberg und Wolfgang Mischnick zur Schule. Heute stehen auf den großen Grundstücken von Böhl viele Reetdachhäuser. Auch ein 9-Loch-Golfplatz wurde vor einigen Jahren gebaut, dem bald ein 18-Loch-Platz folgen soll. Ording hat bescheidenere Häuser und ist von Wiesen umgeben.

Die ebenfalls zwölf Kilometer langen und bis zu 1000 Meter breiten Strände von St. Peter-Ording sind der eigentliche Anziehungspunkt. Der Strand von Ording ist der größte und belebteste. Hier haben die Strandsegler, Kitesurfer und Nudisten ihr Terrain. Am Böhler Strand tummeln sich Reiter, Surfer und Spaziergänger, am Südstrand von Dorf liegen eher die Sonnenanbeter. Auf den Böhler und Ordinger Strand kann man mit dem Wagen fahren, der Strand von Bad dagegen ist nur fußläufig über die Seebrücke zu erreichen. Sie führt über malerische Salzwiesen und Priele, was Naturliebhaber besonders schätzen.

Und warum sind die Bauten an den Stränden von St. Peter-Ording quasi aufgebockt? Das ist schon seit mehr als 100 Jahren so - das Wasser überschwemmt den weitläufigen Strand zu oft. Der erste Pfahlbau wurde 1911 errichtet und "Giftbude" genannt, weil es dort "wat gift", also etwas zu kaufen gab. Angeblich war das damals Cognac. "Heute hat jeder Strand drei Gebäude auf Pfählen", sagt Paulsen. "Ein Restaurant, eine Strandaufsicht und eine Toiletteneinheit." Winterfest sind sie alle nicht, im November gehen dort die Schotten runter. Aber auch das soll sich bald ändern.

Am Wasser herrscht immer ein frischer Wind, auch dafür ist St. Peter-Ording bekannt. Die steife Brise machte den Ort nicht nur jahrelang zum Schauplatz der Fernsehserie "Gegen den Wind", sondern auch zum beliebten Ziel für Kitesurfer. Im vergangenen Jahr wurde hier erstmals der Kitesurf-Weltcup ausgerichtet, der im August wieder stattfindet. Und vom 3. bis 5. August gibt es in SPO auch die Deutsche Meisterschaft im Kitesurfen.



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