Städtereisetipp Padua Ciao piccola!

Rom, Mailand, Neapel, Florenz - schon alles gesehen? In Italien eine Nummer kleiner zu buchen, ist auch toll: Probieren Sie mal Padua.

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Schon klar. Es ist nicht leicht, sich gegen all die klingenden Namen zu behaupten: Rom, Mailand, Neapel oder Florenz. Und mit dem nahe gelegenen Venedig zu konkurrieren, ist schier aussichtslos. Padua hat nun mal keinen Vatikan oder Vesuv, keine Scala oder Uffizien und auch keinen Markusplatz vorzuzeigen. Trotzdem belohnt die Stadt jeden Italienurlauber, der es gerne auch mal eine Nummer kleiner mag.

Hier sind sechs Tipps für den Besuch:

1. In aller Stille: Berühmtes Heiligtum

Es kann nicht immer nur die Sixtinische Kapelle sein: Auch in Padua lässt es sich andächtig staunen: in der zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Scrovegni-Kapelle an der Piazza Eremitani. Der mächtige Geldverleiher Enrico Scrovegni ließ sie Anfang des 14. Jahrhunderts für seine Familie erbauen. Namhafte Künstler seiner Zeit, allen voran Giotto, verpflichtete er für sein Mammutvorhaben. Wer heute die Kapelle betritt, kann sich auf die Darstellung der Tugenden und Todsünden und eine der ersten Abbildungen des Halleyschen Kometen freuen.

Außerdem gehört zu jedem Stadtbesuch der Besuch eines der berühmtesten Heiligtümer Italiens: der Basilika des Heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Stadt.

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Auf nach Padua: Ein Stadtspaziergang in Bildern

2. Wissenswert: Wo Galileo Galilei lehrte

An der Aula magna, der Großen Halle von Paduas ehrwürdiger Universität im Palazzo Bo, kommt niemand vorbei. Ab 1592 unterrichtete Galileo Galilei insgesamt 18 Jahre lang an einer der ältesten Universitäten Europas - und durfte die Aula, die eigentlich den Juristen vorbehalten war, für seine Lehre nutzen. In Padua fand Galileo Galilei wissenschaftlichen Freigeist, hatte aber auch einiges zu beklagen: notorischen Geldmangel und die Dummheit seiner Privatschüler. Ebenfalls beeindruckend ist auch eine Besichtigung des anatomischen Seziersaals der Universität.

3. Kaffeepause: Besuch einer Institution

Das nahe gelegene und legendäre Café Pedrocchi ist nicht nur für Studenten perfekt, um eine kleine Pause zu machen. Das Café, das größtenteils im klassizistischen Stil gehalten ist, war Treffpunkt von Intellektuellen und Schriftstellern. Stendhal hat sogar seine eigene Bronzetafel über dem Tisch, an dem er am liebsten gesessen hat.

Auch wenn das Café heute nicht mehr 24 Stunden geöffnet ist wie einst, seine unverwechselbare Atmosphäre hat es behalten. Und den ganz besonderen Caffè Petrocchi, bestehend aus Espresso und einer Schicht kaltem Minzlikör darüber. Auch nett: Seit 1831 gibt es hier zum normalen Kaffeehausbetrieb die Sala Verde, in der jeder ohne Konsumzwang Platz nehmen kann.

4. Spaziergang: Durch den ältesten Botanischen Garten der Welt

22000 Quadratmeter, 6000 Pflanzenarten:In Padua blüht der älteste botanische Garten der Welt. Schon Goethe betrat Ende des 18. Jahrhunderts diesen historischen Garten, als er während seiner italienischen Reise die anschließend nach ihm benannte Palme in seinen Studien erwähnte. Heute droht besagte Zwergpalme ihren Glaspavillon zu sprengen, da sie auch nach über 400 Jahren Lebenszeit munter weiterwächst.

Ein Nachmittag im Garten, auf einer der zahlreichen Bänke, vielleicht sogar unter einer der alten Magnolien, bietet viel Muße, um all die Eindrücke der Stadt nachwirken zu lassen. Oder eine kleine Siesta zu halten.

Auch schön: der Prato della Valle, Paduas großer Innenstadtplatz. Hier tummeln sich zwischen Wasserläufen und Grünflächen Jogger, Inlineskater und Hundebesitzer. Die vier Brücken sind ein beliebter Treffpunkt, und wenn dort zu viel los ist, ist die sonnenwarme Brüstung des säulengeschmückten Wasserlaufs wunderbar gemütlich.

Das authentische Italien

5. Imposanter Palast: Wo einst Recht gesprochen wurde

Ein Wahrzeichen der Stadt ist der zwischen Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta befindliche Palazzo della Ragione. Dessen Ratssaal ist riesig und sehr sehenswert: In der Freskenstadt Padua wurden die Wände des ehemaligen Gerichtssaals mit den zwölf Sternzeichen und den ihnen zugeschriebenen Eigenschaften geschmückt. Die hölzerne Decke erinnert an einen Schiffsrumpf.

6. Die Märkte der Stadt: Große Bühne

Da sage noch einer, in Italien ginge es drunter und drüber. Von wegen. Paduas Märkte sind getrennt nach Obst und Gemüse, Kleidung sowie Fleisch- und Wurstwaren. Ganze drei wochentags stattfindende Märkte leistet sich die Stadt und am Samstag sogar noch einen weiteren auf dem Prato della Valle.

Auf der Piazza della Frutta, der Piazza delle Erbe und der Piazza dei Signori startet der Verkauf ab acht Uhr. Ein Bummel durch die Standreihen zeigt die ganze Vielfalt der heimischen Obst- und Gemüseproduktion. Und in der Marktgasse Sotto il Salone werden Liebhaber von Wurst- und Schinkenspezialitäten fündig. Übrigens sind alle drei Plätze von Cafés und Restaurants eingerahmt. Bei Spritz und Tramezzino, die hier ihren Ursprung haben, wird der Markt ringsum zur italienischen Bühne.

Sandra Ehegartner, srt /ele

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bucketfor99 15.06.2017
1. Ganz nett
aber Verona ist viel schöner.
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