Fotoreise an die Außengrenzen der EU 31.000 Kilometer Europa

Flüchtling, Sozialarbeiter, Student oder Direktor: Der Fotograf Stefan Enders fuhr mit seinem Wohnmobil die Grenzen der EU ab und porträtierte Menschen fernab des politischen Zentrums. Wie denken sie über Europa?

Stefan Enders / Edition Lammerhuber

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Im März 2015 setzte sich Stefan Enders, Fotograf und Professor für Fotografie an der Hochschule Mainz, ans Steuer seines Wohnmobils. Sieben Monate lang fuhr er mit seinem Wagen die Außengrenzen von 15 europäischen Staaten ab: von Schottland über Portugal, Rumänien bis nach Skandinavien.

Sein Wunsch war es, Menschen zu treffen, die fernab von der politischen Schaltzentrale in der Hauptstadt Belgiens leben, nicht in den Zentren, sondern in den Randregionen der Europäischen Union. Für seinen Bildband "Weit weg von Brüssel" porträtierte Enders mehr als 200 Männer, Frauen und Kinder.

Allen - egal ob Flüchtling, Sozialarbeiter, Student oder Direktor - wollte er dabei den gleichen Respekt erweisen. Der Fotograf traf Menschen wie den Schriftsteller Rafat Dominik aus dem polnischen Cisna, die Bretonisch-Lehrerin Martine Kervestin aus der Nähe von Brest oder den Notarzt Agostino Cuppari aus Sizilien. Sie alle gemeinsam zeichnen ein ganz persönliches Bild von Europa.

Fotostrecke

11  Bilder
Von Schottland bis Finnland: Menschen der Europäischen Union

Der Bildband zeigt sowohl Farbaufnahmen als auch schwarz-weiße Bilder. Die farbigen Fotos sind spontan und aus der Situation heraus entstanden. Die Porträts der Menschen hingegen erstellte Enders meist mit gesetztem Licht und mit einer analogen 6x9-Kamera in Schwarz-Weiß. Sie zeigen die Fotografierten in ihrer gewohnten Umgebung, lösen sie durch die Inszenierung aber gleichzeitig auch aus der Situation heraus.

Ergänzt werden die Fotos durch kurze Texte über die Lebenswirklichkeiten der verschiedenen Personen sowie die einzelnen Stationen von Enders Reise. Jedes der nach Ländern eingeteilten Kapitel gibt einen kurzen Einblick in eine andere Welt, zusammen lassen sie ein Bild voller Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten entstehen.

Als Enders losfuhr, war ihm nicht klar, welche Brisanz und Aktualität das Thema Europa noch im selben Jahr bekommen sollte. Als er am Hafen von Catania in Italien stand, brachte ein Schiff aus Seenot gerettete Flüchtlinge an Land; während des griechischen Volksentscheid zum Verbleib in der EU porträtierte Enders gerade in Athen Obdachlose.

Dennoch zieht der Fotograf ein positives Fazit: "Doch trotz aller Problemen, trotz aller Konflikte erlebe ich ein weit fortgeschrittenes Europa. Ein Europa mit großem Zusammengehörigkeitsgefühl."

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Stefan Enders:
Weit weg von Brüssel

Edition Lammerhuber; 336 Seiten; 78 Euro



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