James Bonds Heimatclub: Im Golfdienst Ihrer Majestät

Von Denis Krick

Goldfinger gegen James Bond: Das legendärste Golfmatch der Kinogeschichte fand in Stoke Park statt. Der älteste Country Club Großbritanniens verfügt über einen der besten Plätze der Welt - und darf sich auch mit dem blutigen Filmtod von Daniel Craig rühmen.

Stoke Park in London: Golfspielen wie James Bond Fotos
Getty Images

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Sich einmal wie James Bond fühlen? Dafür braucht es nicht viel. Man muss keinen kugelsicheren Aston Martin samt Schleudersitz fahren oder mit dem Raketenrucksack abheben. Es reicht, wenn man sich ein paar Golfbälle der Marke Penfold Hearts besorgt (nach den Bond-Girls das bevorzugte Spielzeug von 007) und eine kleine Landpartie vor die Tore Londons unternimmt.

Nur knapp zehn Kilometer vom Flughafen Heathrow entfernt liegt Stoke Park, ein 1,4 Quadratkilometer großes Anwesen mit historischen Gärten, herrschaftlichen Häusern, Seen, Monumenten - und einem 27-Loch-Golfplatz. Hier wurde einst die berühmteste Golfszene der Filmgeschichte gedreht: das legendäre Match zwischen James Bond und dem Schmugglerkönig Auric Goldfinger.

In "Goldfinger" aus dem Jahr 1964 schummeln sowohl der britische Geheimagent (gespielt von Sean Connery) als auch sein krimineller Gegenspieler (Gert Fröbe), was das Zeug hält, um das Duell auf dem Golfkurs zu gewinnen. Natürlich erweist sich Bond als cleverer - und geht siegreich vom Platz. Goldfinger ist deshalb so erzürnt, dass er seinen Caddie und Leibwächter Oddjob anweist, ein wenig die Muskeln spielen zu lassen. Oddjob enthauptet kurzerhand eine Statue mit seinem fliegenden Hut. "Bemerkenswert, aber was wird der Clubsekretär dazu sagen?", fragt Bond. "Nichts, Mr. Bond. Mir gehört der Club", entgegnet Goldfinger.

"Dass der Film damals bei uns gedreht wurde, haben wir nur der Nähe zu den Pinewood Studios zu verdanken", sagt Nick Downie, der als Hotelmanager in Stoke Park arbeitet. Der Club in der Romanvorlage Ian Flemings hieß eigentlich Royal St. Marks - eine Anspielung auf Royal St. Georges, den Heimatplatz des Schriftstellers. Die Produktionsgesellschaft blieb jedoch in der Nähe der Studiohallen und verlagerte den Dreh einfach in den Golfclub der Nachbarschaft. Hauptdarsteller Connery nahm für die Szene in Stoke Park extra Golfstunden. "Es sollte wenigsten so aussehen, als könnte ich es mit Fröbe aufnehmen", schrieb der Schotte in seiner Biografie. Seitdem ist Connery mit dem Golfvirus infiziert.

Daniel Craig vorm Clubhaus erschossen

In Stoke Park ist man sichtlich stolz auf die Bond-Vergangenheit. Im Keller des Clubhauses finden sich nicht nur die Umkleidekabinen, die mit allerhand Silberware gefüllten Trophäenschränke und ein Steward, der sich liebevoll um dreckige Schuhe und Schläger der Mitglieder kümmert, sondern auch reichlich Filmdevotionalien. In einem Seitengang sind die Wände voller Andenken an 007. Die Autogramme der Hauptdarsteller dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Connery war nicht der einzige Bond, der in Stoke Park drehte. Auch Pierce Brosnan musste hier für "Der Morgen stirbt nie" als 007 ran. Allerdings ist dieses im Film kaum zu erkennen. Das Wiedersehen des Agenten mit Bond-Girl Teri Hatcher soll eigentlich in einem Hotel in Hamburg spielen. Tatsächlich nutzte man den Ballsaal von Stoke Park als Location. Vor den Fenstern hatte man einfach eine Fototapete mit der Skyline der Hansestadt aufgestellt.

Selbst der derzeitige 007-Darsteller Daniel Craig drehte schon in Stoke Park. Als namenloser Drogendealer kehrte er hier für den Film "Layer Cake" ein und aus. Sein letzter Besuch fand allerdings kein gutes Ende. Er wurde auf den Stufen vor dem Clubhaus erschossen. Zum Glück darf Craig als James Bond in "Skyfall" ab dem 1. November wieder auf deutschen Kinoleinwänden unter den Lebenden weilen.

Das 50-jährige Filmjubiläum des Geheimagenten wird in Stoke Park dieses Jahr groß gefeiert. Für einen Pressetermin ließ man unter anderem ein paar alte Bond-Stars wie den "Beißer" Richard Kiel aufmarschieren, vor die Einfahrt stellte man sich den gelben Rolls-Royce, in dem Goldfinger einst fuhr. Das edle Hotelrestaurant Humphrys bietet derweil noch ein 007-Menü an - serviert werden solch Köstlichkeiten wie Moonraker-Mushrooms, Doctor-No-Bohnen oder Miss Moneypenny's Cosmopolitan.

Augusta National hat nur eine Kopie

"Die meisten Gäste kommen allerdings nicht wegen James Bond", sagt Downie. "Sie kommen wegen des Golfplatzes." Gerade viele Briten würden sich hier ein Wochenende auf dem Land gönnen.

Stoke Park gilt als einer besten Golfkurse der Welt und war der erste Country Club Großbritanniens. Das Platzdesign des Architekten Harry Colt wurde 1908 fertiggestellt. Die Anlage war von Anfang an auf 27 Löcher angelegt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden jedoch die hinteren neun zweckentfremdet - und als Kartoffelacker genutzt. Inzwischen ist der alte Glanz jedoch wiederhergestellt.

Der Platz ist weitläufig, die Fairways sind breit. Probleme beim Abschlagen gibt es dementsprechend selten. Viel schwieriger ist der Schlag ins Grün, denn diese sind häufig von zahlreichen Bunkern geschützt.

Höhepunkt einer Runde in Stoke Park ist das Loch Nummer 7: ein bis zu 160 Meter langes Par-3 mit viel Wasser und einem schmalen Grün. Der legendäre Golfplatz-Architekt Alister MacKenzie war von diesem Entwurf so begeistert, dass er ihn für Loch 12 des Amen-Corner von Augusta National, den Austragungsort des US Masters, einfach kopierte.

Das Golfspielen in Stoke Park ist kein billiges Vergnügen. Im Sommer kann die Runde bis zu 205 britische Pfund (knapp 250 Euro) kosten. Im Winter gibt es den Kurs allerdings schon ab 85 Pfund. Natürlich existieren günstigere Wege, sich einmal ein wenig wie James Bond zu fühlen. Man könnte zum Beispiel einen Wodka-Martini trinken. Geschüttelt und nicht gerührt. Wer dies allerdings schon einmal ausprobiert hat, der weiß, dass eine einmalige Runde Golf solch einer geschmacklichen Grenzerfahrung in jedem Fall vorzuziehen ist.

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insgesamt 30 Beiträge
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    Seite 1    
1. Frechheit
mediaboy 31.10.2012
Was ist denn das für eine Frechheit solch einen riesigen Spoiler schon in den Artikel Titel zu setzen! Es gibt durchaus Leute, die den neuen Bond noch nicht gesehen haben. Danke fürs verderben.
2.
bürgerunkraut 31.10.2012
Danke für den Spoiler !
3. Geschüttelt, nicht gerührt
Stelzi 31.10.2012
"Man könnte zum Beispiel einen Wodka-Martini trinken. Gerührt und nicht geschüttelt." Bond pflegt ihn aber geschüttelt, nicht gerührt zu trinken.
4. Society- und Event-Magazin
Ontologix II 31.10.2012
Verkommt nun nach dem SPIEGEL auch SPIEGEL-online immer mehr zum Society- und Event-Archiv? Es gibt doch zur Zeit bestimmt wesentlichere Nachrichten als diesen müden Abklatsch eines James-Bond-Filmes. Stunts, Explosionen, Schießereien und dazwischen ein paar pseudo-psychoanalytische Gemeinplätze à la Hollywood.
5. o dativ! o genitiv!
granlid 31.10.2012
Wessen dürfen sich der Countryclub zusammen mit dem blutigen Filmtod rühmen? Ich verstehe es nicht ...
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