Besucherzentrum Stonehenge präsentiert sich neu zur Sonnenwende

Jedes Jahr feiern Tausende Druiden die Wintersonnenwende in den Steinkreisen von Stonehenge. Diesen Dezember werden sie ein Gelände vorfinden, das endlich von Schutt und Müll befreit und repräsentabel ist. Lange genug hat der Umbau gedauert.

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London - Bis heute weiß niemand so ganz genau, was es ist - doch wie magisch zieht es jährlich eine Million Touristen und gläubige Druiden an: Das prähistorische Steinmonument Stonehenge in Südengland gehört zu den mysteriösesten und berühmtesten Stätten Europas. Mitten in den grünen Hügeln der Grafschaft Wiltshire ragt es auf, bei Sonnenauf- und -untergang erstrahlt es besonders imposant. Zur Winter- und Sommersonnenwende erreicht die Faszination der Besucher jedes Jahr ihren Höhepunkt.

Vollkommen rätselhaft allerdings war bisher noch etwas ganz anderes: die Vermarktung des Top-Touristen-Ziels. Ganz in der Nähe schnitt eine vielbefahrene Schnellstraße durch die grünen Landschaft. Ein Parkplatz und ein paar kleine Besucherhäuschen aus den sechziger Jahren - das war alles, was Touristen willkommen hieß.

Peinlich, unwürdig, eine Katastrophe - schon lange wurde die Lage harsch kritisiert. Auch Vertreter des Druidentums, in Großbritannien eine anerkannte Religion, forderten, die sehr weltlichen Störungen rund um die Stätte zu entfernen. Nach Jahrzehnten der Planung ist nun endlich alles anders.

Ein neues Besucherzentrum informiert umfassend über die Geschichte und Forschung zu Stonehenge. Die Landschaft um die Kreise wurde zurückgebaut, die Schnellstraße geschlossen. Die "Würde des Ortes" sei wiederhergestellt, erklärte die Denkmalschutzbehörde English Heritage.

In der neuen Ausstellung sind mehr als 250 prähistorische Objekte zu sehen. Hinzu kommen Stücke aus späteren Zeiten mit historischem Bezug. Ein Höhepunkt sei die Nachbildung des Gesichtes eines Mannes aus der Jungsteinzeit, heißt es.

Besucher kommen zu Fuß oder per Shuttle-Bus zum Monument

Das Zentrum liegt rund zwei Kilometer entfernt von den eigentlichen Steinkreisen - sie sollten so wenig wie möglich zugebaut werden. Besucher können entweder mit einem Shuttlebus dorthin fahren oder einen alten Prozessionsweg entlanglaufen. Im neuen Jahr werden noch die alten Besucheranlagen von 1968 abgerissen. Gekostet hat das Ganze 27 Millionen Pfund, umgerechnet rund 32 Millionen Euro.

"Dies ist eine radikale Veränderung für die eine Million Menschen, die jedes Jahr nach Stonehenge kommen", sagte English-Heritage-Chef Simon Thurley. "Zum ersten Mal können sie die Steine befreit von dem Wirrwarr und Müll sehen, der sich seit den sechziger Jahren angesammelt hat."

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts war es für Stonehenge bergab gegangen, weil immer mehr Verkehr rund um das Monument aufkam. Schon 1927 sollte die Straße in der Nähe geschlossen werden. In den Achtzigern wurde Stonehenge Unesco-Weltkulturerbe, und die Regierung versprach, die Straße endlich zu entfernen.

Nach derzeitigem Forschungsstand war Stonehenge vor rund 4000 Jahren eine wichtige religiöse Stätte. Die bis zu 25 Tonnen schweren Steinkolosse sollen aus einem mehr als 380 Kilometer entfernten Steinbruch in Pembrokeshire stammen - sie zu transportieren und aufzustellen, muss eine Mammutaufgabe gewesen sein.

Wissenschaftler glauben, dass Stonehenge eine Art Kalender gewesen sein könnte, durch den die Sommer- und die Wintersonnenwende vorausgesagt wurden. In den sanften Hügeln rund um den zentralen Kreis finden sich noch zahlreiche weitere prähistorische Monumente und Spuren.

Für den Architekten des Besucherzentrums, Steve Quinlan, ist Stonehenge vor allem eines: "ein Ort, um im Stillen in sich zu gehen". Genau das sei jetzt wieder möglich.

bon/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
janfred 17.12.2013
1. gibt es zwei Stonehenge ???
ich war mit meiner Familie im November 2009 in Südengland und wir haben auch die Stonehenge besichtigt. Es sah alles ordentlich aus und von Müll war nichts zu sehen. Im Übrigen wundert es mich auch immer, wenn über Stonehenge von einem "imposanten Bauwerk" berichtet wird. Wir waren eher etwas enttäuscht, da es in Wirklichkeit etwas mickrig wirkt. Jedenfalls viel kleiner als auf den meisten Photos. Unter der Schnellstrasse führt eine Fussgängerunterführung hindurch. Die sah mir auch ziemlich neu aus. Die Souvenirshops auf der Nordseite der Schnellstrasse machten auch einen ganz "aufgräumten" Eindruck. Deshalb muss ich mich über den Bericht doch sehr wundern.
paysdoufs 17.12.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesJedes Jahr feiern Tausende Druiden die Wintersonnenwende in den Steinkreisen von Stonehenge. Diesen Dezember werden sie ein Gelände vorfinden, das endlich von Schutt und Müll befreit und repräsentabel ist. Lange genug hat der Umbau gedauert. http://www.spiegel.de/reise/europa/stonehenge-bekommt-ein-besucherzentrum-museum-und-cafe-am-monument-a-939575.html
15 Pfund / 18 EUR Eintritt pro Erwachsenem (Bild 4). Für ein paar "Steine" unter freiem Himmel? Ohne mich. Nur um das einzuordnen: Der reguläre Eintritt in den Louvre lostet 12 EUR, Met in NY = 18 EUR "recommended", Smithsonian alle gratis... Kopfschüttel.
2cv 18.12.2013
3. Abzocke
Auch wir waren dort, haben in der Nähe geparkt und fanden es völlig ok, bis zum Zaun zu kommen, da der Besucher innerhalb des Geländes kaum näher an die Steine kommt als die, die vor dem Absperrzaun standen, und fanden die Eintrittspreise unverschämt. Die X Millionen für den Neubau müssen refinanziert werden. Aber nicht durch uns... Bye bye Kommerz und Abzocke
k70-ingo 18.12.2013
4.
Zitat von paysdoufs15 Pfund / 18 EUR Eintritt pro Erwachsenem (Bild 4). Für ein paar "Steine" unter freiem Himmel? Ohne mich. Nur um das einzuordnen: Der reguläre Eintritt in den Louvre lostet 12 EUR, Met in NY = 18 EUR "recommended", Smithsonian alle gratis... Kopfschüttel.
Mit einem "Historic Scotland Explorer Pass" (38 Pounds für eine Woche Gültigkeit) kann man, wenn man es ein wenig exzessiv betreibt, mehrere Dutzend historische Stätten abklappern. Mit alten Steinen ohne Ende, auch ähnlich alten.
mafald_a 19.12.2013
5.
Ich war 2006 da und das einzige was den Anblick etwas trübte war die Schnellstraße, unter der es damals schon die Unterführung gab, ansonsten: freie Sicht (von den Touristen einmal abgesehen)!
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