Stoneman-Trail in Südtirol Per Mountainbike in die Steinzeit

GPS? Nein, danke! Der ehemalige Radprofi Roland Stauder lotst Mountainbiker mit traditionellen Steinmännern durch die Dolomiten. Wer die 120 Kilometer an einem Tag schafft, bekommt eine goldene Trophäe.

Norbert Eisele-Hein / SRT

Der Trail ist neu, aber die Wegmarkierungen sind traditionell: In regelmäßigen Abständen entlang der Mountainbike-Route hat Roland Stauder in geduldiger Handarbeit Steine pyramidenartig übereinandergeschichtet - Steinmänner oder Stoanamandl nennen sie die Einheimischen.

Das kann im Zeitalter von GPS-Geräten und Routenfinder-Apps vielleicht ein wenig altmodisch wirken, lenkt aber die Aufmerksamkeit der Biker weg von ihrer Unterhaltungselektronik hin zu den großartigen Bergpanoramen.

In seiner Zeit als Mountainbike-Profi hat Stauder so gut wie alles gewonnen: 2003 den Gesamt-Worldcup, im gleichen Jahr die knüppelharte Crocodile Trophy in Australien. Daneben Siege beim Dolomiten-Mann und der Trans Alp Challenge.

Nach dem Ende seiner Karriere reifte die Idee des Stoneman-Trail im Hochpustertal - eine besonders attraktive Runde durch das frisch gekürte Weltnaturerbe der Unesco. Damit Biker ihren Ausflug dauerhaft in Erinnerung behalten, hat er sich einiges ausgedacht: Aspiranten, die die mächtige 120-Kilometer-Runde mit satten 4560 Höhenmetern in Angriff nehmen, können sich in den Startorten Sexten, Toblach, Sillian oder Padola sogar ein Stoneman-Armband besorgen.

Auf den fünf höchsten Punkten - dem Markinkele (2545 Meter), der Sillianer Hütte (2447 Meter), dem Passo Silvella (2329 Meter), dem Valgrande (1362 Meter) und der Rotwandwiesenhütte (1900 Meter) - hat Bergfex Stauder Kontrollstellen installiert. Dort stanzen die Biker mit einer Zange Kontrollmarken in ihre Armbänder.

Wer die Runde an einem Tag packt, bekommt zur Belohnung einen Stoneman in Gold. Wer zwei Tage dafür benötigt, erhält Silber. Wer mit gut 1500 Höhenmetern täglich bedient ist - und dieses Pensum sorgt bei Otto-Normal-Bikern durchaus schon für angesäuerte Waden - bekommt Bronze. So individuell wie das Projekt sind auch die Trophäen: handgefertigte Miniatursteinmänner aus Dolomitgestein, für die allerdings ein kleiner Aufpreis fällig ist.

Das Projekt Stoneman ist so konzipiert, dass technische Geräte überflüssig sind. Die Biker können sich voll und ganz auf den Trail und die großartige Landschaft konzentrieren. Kein Kartenwälzen, kein GPS-Gerät, kein Gegner, der im Auge behalten werden muss. Herausgekommen ist eine Erlebnistour, die die damit verbundenen Strapazen verblassen lässt. Hinterher sind die Beine zwar schlapp, dafür ist der Kopf voll mit grandiosen Eindrücken.


Der Praxistest: Wir starten in aller Herrgottsfrühe in Sexten. Satte 1425 Höhenmeter schrauben sich die Serpentinen hoch zur ersten Kontrollstelle auf dem Markinkele. Hier oben spiegelt sich die gesamte Garde der Hochpustertaler Dolomiten in winzigen Bergseen. An der Kontrollstation stanzen wir unser Armband und legen einen ersten Energieriegel nach.

Wie auch an den weiteren Kontrollpunkten ragen hier rostige Eisenplatten in den Himmel, oben eingefräst die zackige Skyline der Dolomitengrate - auch eine Kreation von Roland Stauder, die er zusammen mit einem befreundeten Schmied realisiert hat.

Auf das 2550 Meter hohe Hornischegg folgt die Demutpassage: ein stets auf Messers Schneide tänzelnder Singletrail mit überwältigendem Panorama und wohl eine der schönsten Passagen in den Alpen.

In Padola starten wir zur letzten großen Bergaufpassage über den Kreuzbergpass hoch zu den Rotwandwiesen. Es wird schon schattig. Zum Glück lassen sich die letzten 700 Höhenmeter auf einer Forststraße auch mit den letzten Reserven abspulen. Die Rotwand macht ihrem Namen alle Ehre und leuchtet im Sonnenuntergang.

Die finale Abfahrt sorgt für ein anhaltendes Dauergrinsen in meinem Gesicht. Wie hat es Stauder formuliert? "Der Stoneman soll einen spannenden Mix aus intensivem Naturerlebnis und dem Ausloten sportlicher Grenzen liefern. Biker sollen positive Emotionen und eine gute Portion Zufriedenheit mit nach Hause nehmen."

Bei mir hat das funktioniert, physisch allerdings habe ich meine Grenzen ein wenig überschritten: Meine Beine werden von diesem Ausflug in die Steinzeit wohl noch ein paar Tagen schmerzen.

Norbert Eisele-Hein/srt/sto

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