Süßigkeiten-Tour in den Niederlanden: Schmacht auf Snoep

Bossche Bollen, Stroopwaffeln und Haagse Hopjes: Niederländer haben einen süßen Zahn. Lakritz, Schokokugeln und Pfannkuchen gehören zu ihrem Land wie Wasser und Windmühlen - ein Paradies für Schleckermäuler.

Niederländische Verführungen: Auf die süße Tour Fotos
TMN

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Amsterdam - Der kleine Jan kann sich nicht entscheiden. Da steht er im "Snoepwinkeltje" von Mariska Schaefer und sieht vor sich Unmengen von Süßigkeiten - mehr als 500 verschiedene Sorten werden es wohl sein. "So genau habe ich sie noch nicht gezählt", sagt Schaefer, die den Eckladen im Amsterdamer Jordaan-Viertel seit zehn Jahren führt.

Naschzeug, Zuckerwaren, Bonbons und süße Schleckereien - auf Niederländisch heißen die süßen Verführungen ganz einfach Snoep. Und so heißt auch Mariska Schaefers kleines Geschäft Het Oud-Hollandsch Snoepwinkeltje. Der Nachwuchs aus dem Jordaan kommt Tag für Tag in ihr Winkeltje, den Eckladen nahe der Prinsengracht.

Allein hundert verschiedene Lakritzsorten hat Schaefer im Angebot. "Da habe ich dann auch viel Geduld mit den Kindern, wenn sie sich so schwer entscheiden können. Dabei höre ich mir auch so manche Familiengeschichte an. Ich bin die Tante Emma vom Joordan", sagt sie und lacht.

Haagse Hopjes gehen bei Schaefer ebenfalls über die Ladentheke. Die sahnigen Bonbons mit Karamell- oder Kaffeegeschmack aus Zucker, Sahne, Kaffee und Butter verdanken ihren Namen dem Baron Hendrik Hop. Der Adlige lebte von 1792 bis 1801 in Den Haag am Nobelboulevard Lange Voorhout über einer Konditorei.

Der Überlieferung nach erfand Kaffeeliebhaber Hop die leckeren Sahnebonbons durch einen Zufall. Über Nacht ließ er einen Restschluck Kaffee mit Zucker und Sahne auf dem Herd stehen. "Am anderen Morgen war das Gemisch kristallisiert", erklärt Gästeführerin Anneke Bruning-Renaud. "Der Baron gab seine Entdeckung an die Konditorei weiter, und so entstanden unsere Hopjes-Bonbons."

Schokoladenkugel mit Sahnefüllung

Seit 1880 sind die Bonbons unter dem Namen Haagse Hopjes als süße Spezialität aus Den Haag bekannt. Heute werden sie in die ganze Welt exportiert. "Hin und wieder soll unsere Königin auf ihren Reisen als Gastgeschenk auch Hopjes im Gepäck haben", sagt Bruning-Renaud.

Jede Region unseres Nachbarlandes hat eigene süße Spezialitäten. In 's Hertogenbosch, Hauptstadt der Provinz Nordbrabant, sind Bossche Bollen der Liebling der Schleckermäuler. Die etwa zwölf Zentimeter dicken Teigbällchen werden mit Sahne gefüllt und mit Schokolade überzogen.

Die süße Versuchung erinnert ein wenig an Windbeutel, entfaltet aber durch den Schokoladenguss einen ganz besonderen Geschmack. Einheimische und Besucher genießen die Bollen unter anderem in der "Banketbakkerij Jan de Groot", wo die dicken Schokokugeln von zehn Bäckern von Hand hergestellt werden.

Noch bekannter als Bossche Bollen sind die Pfannkuchen. Es gibt wohl keinen Badeort an der niederländischen Nordseeküste, der nicht mindestens ein Pfannkuchenhaus hat.

In der Hauptstadt Amsterdam stehen die Hungrigen vor dem Bistro "Pancakes!" manchmal Schlange, um einen der begehrten 28 Plätze zu ergattern. "Vormittags kommen viele Touristen zu uns, die ihr Frühstück bei uns statt im Hotel einnehmen", berichtet Ingrid Petiet, die zusammen mit Nicolette Bosschieter das Bistro in der Berenstraat führt. Sie servieren das Pfannkuchen-Frühstück "Drie in de Pan". Hinter der Bezeichnung verbergen sich drei Pfannküchlein, gefüllt mit Äpfeln und Rosinen.

Speck, Banane und Pfeffer

Mal süß und mal herzhaft können Pfannkuchen sein. Allein 36 Variationen stehen auf der Speisekarte von "Pancakes!". Ganz nach Lust, Laune und Geschmack dürfen die Gäste sie erweitern. "Extra keuzes", die Extravarianten der Pfannkuchen, werden mit ungewöhnlichen Kombinationen wie Speck, Bananen und rotem Pfeffer gebacken. Ebenso außergewöhnlich erscheint die Variation mit Camembert, Chicorée, Schinken und - Himbeersauce. Ingrid Petiet meint: "Pfannkuchen gehören zu den Niederlanden wie Wasser und Windmühlen. Sie werden in den Familien zum Abendessen aufgetischt und natürlich bei Kindergeburtstagen."

Ebenfalls aufgetischt wird im "Pancakes!" die vielleicht bekannteste Süßspeise Hollands: Poffertjes. Die kleinen Pfannkuchen werden in gusseisernen Formen gebacken und zumeist mit einem Stück Butter, Puderzucker und Stroop (Sirup) serviert - sehr süß, und sehr lecker.

Stroop zwischen zwei dünnen runden Waffelscheiben, das sind Stroopwaffeln. Im 18. Jahrhundert wurden sie der Überlieferung nach erstmals in Gouda gebacken. "Bäcker verwerteten dazu die Krümelreste von Brot und Kuchen", berichtet Cees van den Berg von der traditionsreichen "Siroopwafelbakkerij van Vliet" in Gouda. Anfangs galten Stroopwaffeln als Arme-Leute-Essen. Erst seit den fünfziger Jahren ist die Spezialität aus der Käsestadt in aller Munde.

Snoep als erstes Wort

Die Geschichte der süßen Köstlichkeiten unseres Nachbarlandes erleben Besucher beim Rundgang durch das Niederländische Bäckereimuseum in Hattem an der Ijssel in der Nähe von Zwolle: Alte Backstuben und Geräte sind dort ebenso zu sehen wie ein Süßwarenladen.

"Im 18. und 19. Jahrhundert gab es bei uns die ersten Süßwaren für jedermann", erzählt Museumsleiter Fred Voskuil. "Bis dahin war Zucker sehr teuer und diente Apothekern zum Versüßen bitterer Medizin." Der erste Süßwarenladen öffnete seine Türen in Den Haag zur Freude der Adligen und der Königsfamilie, so Voskuil. Im 19. Jahrhundert wurden dann auch auf den Jahrmärkten allerlei Süßwaren angeboten. Fred Voskuil vermutet: "Snoep ist wohl eines der ersten Wörter, das niederländische Kinder kennen."

Bernd F. Meier/dpa/abl

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1.
mathias-rust 16.04.2013
Ich finde das der Niederländische Lakritz immer noch der Beste ist. Das was man in Deutschland im Supermarkt so bekommt, hat mich echtem Lakritz nichts zu tun. Meine Favoriten sind die Slungels. http://www.naschig.de/index.php?page=onlineshop&shop=k&k=4
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