Kunstparks der Toskana: Magie aus Mosaiksteinen

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Kunstparks der Toskana: Quietschbunte Nanas und tiefblaue Brücken Fotos
Corbis

2. Teil: Am Ende des zerbrochenen Regenbogens

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Eine ziemlich detaillierte Chianti-Karte braucht der Fremde schon, wenn er auf der Strada Statale 222 von Florenz in Richtung Siena fährt und unterwegs Pievasciata finden will. Besser noch ist ein gutes Navi. Zur Sicherheit hat Piero Giadrossi auf den Flyer für Besucher auch gleich die GPS-Koordinaten eintragen lassen (Länge E.11° 22' 53" - Breite N. 43° 23' 36"), auf denen sein "Parco Sculture del Chianti" liegt. Früher wurden in dem lichten Eichenwald Wildschweine gezüchtet. Dann kam Piero mit seiner Frau Rosalba und machte im Jahr 2004 einen Kunstpark daraus.

"Integration von Kunst und Natur", so die Idee dahinter, mit Künstlern von allen Kontinenten und einer breiten Palette von Materialien und Stilformen. Jeder Künstler wurde eingeladen, sich einen Platz im Wald zu suchen und speziell für dieses Fleckchen Natur eine Skulptur zu schaffen, die sich dort mit der Umwelt zu einem neuen Gesamtkunstwerk fügt. Nun steht hier ein "zerbrochener Regenbogen", dort ein Irrgarten aus Glasbausteinen, massige Monumente aus Stahl oder aus Plastik, zerbrechliche Säulen, manches hängt im Baum, anderes ist nur eine Kreation aus Geräuschen - allesamt sehr unterschiedlich und in ihrer Gesamtheit mitten im Eichenwald eindrucksvoll und immer wieder für eine Überraschung gut.

Die Künstler kommen aus Argentinien und Zimbabwe, aus Griechenland, der Türkei, den USA, zwei Deutsche sind dabei (Johannes Pfeiffer und Christoph Spath) und natürlich auch Italiener. Schließlich ist man im Herzen des Chianti, Castellina, Greve und Radda sind nicht weit. Und die Luft duftet nach Toskana. Einen Kilometer lang ist der Parcours, von der irritierend perfekt nachgebildeten kleinen Warteschlange vor dem Kartenhäuschen und zurück.

Wer dann noch Fragen hat, der kann sie dem Gründer und Direktor des Parks gleich selber stellen. Denn Piero Giadrossi spricht deutsch, und er sitzt häufig an der Kasse. Das Ganze ist kein Profit-Center eines Unterhaltungskonzerns, es basiert auf der Initiative eines kunstverliebten Ehepaares, deren Freunden und einigen Sponsoren. Alles auf Non-Profit-Basis, die Eintrittsgelder fließen in den Park und so gibt es immer wieder ein zusätzliches Kunstwerk.

Von Mai bis September finden hier auch Konzerte statt. Im Amphitheater, mit einer Bühnenkulisse aus weißem Carrara-Marmor und schwarzem afrikanischen Granit. Wenn gerade kein Konzert ist, sitzen Nachbildungen berühmter Figuren aus dem Showbusiness im Parkett - unter anderem lädt ein lebensgroßer Scherenschnitt von Alfred Hitchcock am Bühnenrand dazu ein, sich daneben zu setzen.

Niki de Saint Phalles Tarotgarten

Noch weiter südlich reicht die Toskana nicht - ein paar Kilometer weiter beginnt das Lazio, die Region rund um Rom. Knapp davor liegt das malerische mittelalterliche Örtchen Capalbio, und nicht weit davon, an einem sanften bewaldeten Hügel, lockt der bekannteste Kunstpark Italiens: Der Tarotgarten der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle, die 1929 als Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle geboren wurde.

Die knallbunten, teilweise riesigen Phantasiewesen, mit Millionen von Mosaiksteinchen beklebt, sieht man schon von weitem. Es sind Figuren aus dem Kartenspiel Tarot. Der Magier zum Beispiel: "Für mich", sagte die Künstlerin, "ist das Gott, der Schöpfer des Universums". Und der Hohepriester - "einer der Schlüssel der Weisheit" -, das Glücksrad, der Mond und der Tod. Insgesamt 22 Statuen, die Kinder ob ihrer Farbfülle vor Spaß jauchzen lassen - die für Erwachsene freilich nur auf den ersten Blick lustig sind. Dahinter steht mehr, viel mehr. Auch Tragik und Traurigkeit.

Die Monster sind begehbar, haben Treppen auf dem Rücken oder Türen im Mund. Und dazwischen stehen sich drehende, rasselnde, wasserspeiende Phantasiemaschinen des Schweizers Jean Tinguely, der langjähriger Lebensgefährte von Niki de Saint Phalle war.

In den späten siebziger Jahren begann der Aufstieg des früheren Topmodels zur weltweit gerühmten Künstlerin - gleichzeitig machte sie die ersten Pläne für den Garten und die Monumentalbauten. 1980 begann sie mit der Umsetzung. 1981 mietete sie ein kleines Haus in der Nähe und arbeitete mit Tinguely und ein paar Freunden wie besessen an ihrem "Giardino del Tarocchi".

Um die aufwendigen Bauten zu finanzieren, malte sie im Auftrag eines Zigarettenherstellers ein Flugzeug knallbunt an, entwarf für einen US-Konzern ein Parfum. 1983 zog die Künstlerin um: Die nächsten Jahre lebte sie nun im Inneren der gerade fertig gestellten Kaiserin-Figur. ("Für mich die Herrin und Schöpferin des Himmels") Eine Wohnung, so bizarr und kalt, dass sie manchen Besucher grausen lässt, wenn er länger als zehn Minuten darin verweilt.

1998 wurde der Park eröffnet. Vier Jahre später starb Niki de Saint Phalle im Alter von 71 Jahren an einem Lungenleiden - vielleicht als Folge ihrer jahrelangen Arbeit mit Polyester und giftigen Farben im Tarotgarten.

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