Zerstörter Fels "Trollpenis" Er steht wieder

Vor zwei Wochen hatten Unbekannte einen ungewöhnlich geformten Felsvorsprung in Norwegen zerstört, den "Trollpenis". Aus einer geplanten Touristenattraktion war Geröll geworden. Dann schritten Bauleute zur Tat.

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Die guten Menschen von Egersund, einem Städtchen im Südwesten Norwegens, hatten lange nachgedacht. Dann hatten sie einen Plan gemacht. Sie wollten mit einem Fels ihren Fremdenverkehr, nun ja, auf Touren bringen. Diese Formulierung ist deswegen nicht ganz unproblematisch, weil der Fels nun mal aussah, wie er aussah - und weil er einen eindeutigen Namen hatte: Der Trollpikken, zu deutsch "Trollpenis", war ein Felsvorsprung, der zumindest von manchen Stellen genauso aussieht, wie er heißt: wie ein großes, steinernes Geschlechtsorgan.

Dieser besondere Fels sollte nun also Gäste nach Egersund bringen. Selfie-Touristen und so. Und die sollten es nett haben. Einen Wanderpfad wollte man für sie anlegen, einen Parkplatz. Und Infoschilder wollte man auch aufstellen.

Doch dann kamen böse Menschen. Ende Juni zerstörten Unbekannte den Trollpikken mit schwerem Werkzeug. Die drei Meter lange Felsspitze wurde abgetrennt und stürzte ein Stückchen nach unten ab. Die Nachricht ging um die Welt. Bis heute ist nicht klar, wer den bis zu zwölf Tonnen schweren Fels verschandelt hat und warum. Religiöse Eiferer? Einheimische, die keine Lust auf nervige Touristen hatten und um ihre Ruhe fürchteten?

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Fels im Norwegen: Trubel um den "Trollpenis"

Wer es nun wirklich war, das war Kjetil Bentsen eigentlich ziemlich egal. "Das überlassen wir der Polizei. Die haben auch einen Verdächtigen", sagt er, wenn man ihn darauf anspricht. Der Fotograf aus Egersund hatte eine andere Vision: Er wollte - ja, es ist wirklich nicht einfach, diese ganze Sache ohne Zoten zu erzählen - er wollte also den "Trollpenis" wieder stehen sehen.

"Zu 99 Prozent so aussehen wie vorher"

Bentsen startete eine Crowdfunding-Kampagne. Und sammelte damit mal eben 23.330 Euro ein. Nun, nur zwei Wochen nach der Attacke auf den Fels, kann er schon Erfolg vermelden: Der Trollpikken steht wieder. Ein lokaler Baubetrieb hat ihn befestigt, mit Stahlstreben, Spezialkleber und Zement und Stahlverstärkungen.

Nun muss die ganze Sache - sorry auch hier für die Wortwahl - noch ein paar Tage aushärten. Und wenn diese Zeit rum ist, glaubt Aktivist Bentsen, ist wieder alles gut: "Es sollte zu 99 Prozent so aussehen wie vorher", gibt er sich am Telefon optimistisch. "Es gibt einen Spalt, der ein paar Millimeter breit ist. Aber in einem Jahr wird auch der unsichtbar sein."

Das Geld aus der Crowdfunding-Kampagne habe zwar nicht ganz ausgereicht, sagt Bentsen. Der Baubetrieb habe aber den Rest dazugegeben. Also alles wieder gut? Ja, sagt Bentsen: "Diese Sache hat uns eine Menge Aufmerksamkeit gebracht. Der Trollpikken ist jetzt deutlich bekannter als vorher." Die Touristen können also - und das ist jetzt wirklich die letzte zweideutige Formulierung dieses Textes - kommen.

chs

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