Trump-Golfkurs in Schottland: Der amerikanische Platzhirsch

Aus Aberdeen berichtet Denis Krick

Einen Mega-Golfplatz zu bauen, der Politikerkarrieren zerstört, Anwohner entzweit und Horrorsummen kostet? Das bringt nur einer fertig: US-Milliardär Donald Trump. In Schottlands Küstenlandschaft hat er den schönsten Kurs der Welt aus dem Boden gestampft - und sich jede Menge Feinde gemacht.

Schottland: Trumps Luxus-Golftraum Fotos
Brian Morgan

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

"Der Kampf ist vorbei", sagt Mickey Foote. "Wir warten jetzt einfach darauf, dass Trump das Ding an die Wand fährt." Der 60-Jährige blickt von seinem Vorgarten aus über eine weitläufige Schafweide in Richtung Nordsee. Vor der Küste erheben sich riesige Sanddünen, in denen genau in diesem Moment eine künstliche Bewässerungsanlage ihren Dienst aufnimmt. "Dort unten ist dieser verdammte Platz", sagt Foote und verzieht angewidert das Gesicht. "Siehst du da unten irgendeinen Golfer? Ich sehe keinen. Das ist ein Millionengrab."

Foote hat in seinem Leben viel erlebt. In den siebziger Jahren war er Teil der Londoner Musikszene. Er produzierte unter anderem das erste Album von The Clash, kümmerte sich um die Belange von The Specials und Dexy's Midnight Runners. Nach der Musik kam Anfang der achtziger Jahre das Heroin. "Ich war ganz unten", sagt Foote. "Irgendwann schaffte ich den Absprung und wurde clean." In dem alten Haus seiner Mutter an der schottischen Küste nahe Aberdeen fand er seinen Frieden. Damit war es 2006 vorbei: Donald Trump kam in diesem Jahr aus den USA nach Schottland - und wurde Footes neuer Nachbar.

Der Milliardär hatte große Pläne im Gepäck: Den besten Golfplatz der Welt wollte Trump hier bauen, dazu ein Luxushotel, Timeshare-Appartements und jede Menge Villen. 800 Hektar Land hatte der Tycoon hierfür in bester Küstenlage zusammengekauft. Eine Milliarde Pfund sollten investiert werden. Doch die Schotten übten sich im Widerstand, Trump hatte sich für sein monumentales Resort ausgerechnet ein Naturschutzgebiet ausgesucht. "Ich habe nichts gegen Golf", sagt Foote. "Aber der Platz ist das falsche Projekt am falschen Ort."

Ein Kampf mit harten Bandagen

Während die schottische Regierung alles unternahm, um Trump den Weg zu ebnen, kämpfte der US-Milliardär öffentlich mit harten Bandagen gegen seine Nachbarn: Deren Häuser würden ihm nach eigener Aussage die Aussicht verschandeln. Trump ließ Erdwälle um die Grundstücke einiger Anwohner errichten und pflanzte hohe Bäume als Sichtschutz. Wiederholt verunglimpfte er seinen ärgsten Widersacher, den Lachsfischer Michael Forbes, im Fernsehen. "Er lebt wie ein Schwein", entfuhr es dem von den Protesten genervten Geschäftsmann. Sogar die Möglichkeit von Zwangsenteignungen wurde von Trumps Managern zeitweise in Betracht gezogen. Erst als dies öffentlich wurde, nahm man davon Abstand.

Der Streit um Trump International Scotland, so der Name des Projekts, dauerte Jahre, beendete die Karrieren von Lokalpolitikern, verschlang Unsummen, entzweite die Bürger rund um Aberdeen und lieferte Stoff für zwei Dokumentarfilme. Am 15. Juli wurde der Golfplatz nun feierlich eröffnet. Foote und die Nachbarn waren eingeladen. Für den Ex-Punk eine klare Provokation. "Nur eine von uns Anwohnern ist hingegangen, sie hat versucht, Trump zur Rede zu stellen", sagt er, "ohne Erfolg."

"Trump ist ein Lügner, ein Gierlappen und riesiges Arschloch", sagt Taxifahrer Eddie, auf dessen linken Oberarm ein fulminantes "Schottland"-Tattoo prangt. "Aber er ist gut fürs Geschäft!" Die Nachbarn sind in seinen Augen nur eine Bande von Wichtigtuern. "Der Platz bringt jede Menge Touristen nach Aberdeen", sagt er, da sei er sich sicher. Gesehen hat er jedoch noch keine. "Zwei Typen habe ich bislang dorthin gefahren, aber das waren von Trump eingeladene Golfplatzarchitekten." Selber spielen will er den Platz nicht. Der sei ihm viel zu teuer. 150 britische Pfund, knapp 190 Euro, kostet einmal Trump-Golf, am Wochenende werden 200 Pfund verlangt. Einheimische kriegen 20 Prozent Rabatt.

Einer der besten Plätze Großbritanniens

Bob hat sich und seinem Schwiegersohn eine Runde gegönnt. Der Pensionär ist im Vorstand von Cruden Bay, einem der besseren Golfclubs aus der Aberdeener Nachbarschaft. Sein Geld hat er in der Baubranche verdient. Mit dem Blick eines Experten nimmt er den Kurs eingehend unter die Lupe - und ist begeistert. "Einfach nur wunderschön", sagt er. "Dieser Platz ist schon jetzt einer der besten auf der Insel."

Mit dem Urteil ist der Schotte nicht allein. Die internationale Fachpresse lobt die Anlage in den höchsten Tönen. Trump habe tatsächlich einen der besten Golfkurse der Welt gebaut, heißt es unisono. In Interviews spricht dieser davon, "ein Kunstwerk erschaffen" zu haben. Niemand will ihm da widersprechen. Die Querelen bei der Entstehung sind allerdings den meisten Journalisten nur noch eine Fußnote wert.

Bob entfährt an diesem Tag mehrfach das Wort "phantastisch". Traumhafte Ausblicke, eine einzigartige Landschaft und ein anspruchsvolles Design - dem Golfer geht das Herz auf. Ein wenig meckern muss er dann aber doch. "Die Grüns sind noch sehr langsam", sagt er. Aber in spätesten zwei Jahren wäre wohl auch dieses Problem behoben. "Dann ist dieser Platz unglaublich", prophezeit Bob.

Auf dem Weg zum provisorischen Clubhaus rümpft er noch einmal die Nase, der Bauunternehmer in ihm kommt durch. Er zeigt auf die Terrasse und schüttelt den Kopf. "Billiger chinesischer Marmor", erklärt Bob. "Die Steinplatten stammen nicht aus Schottland." 100 Millionen Pfund soll der Bau des Golfplatzes laut Trump angeblich gekostet haben. "Niemals", sagt der Pensionär und lacht. "Das ist eine Luftnummer für die Presse."

Sarah Malone ist auf der Hut. Natürlich habe der Platz 100 Millionen Pfund gekostet, erklärt die Vizepräsidentin von Trump International Scotland. Schuld seien unter anderem die vielen Prozesse, die teuren Anwälte und Architekten. "Das hat sich über die Jahre summiert", sagt die 38-jährige Schottin. "Wir beschäftigen schließlich nicht irgendwelche Leute, sondern nur die besten der Branche."

Großes Turnier in 2014

Die Rechnung geht bislang auf. Der Parkplatz ist an diesem Tag brechend voll, die Abschlagzeiten für August und September sind ausgebucht. "Japan, USA, Kanada, Südkorea, Deutschland", sagt Malone. "Die Leute kommen aus allen Ecken der Welt, um diesen Platz zu spielen." Und auch die heimischen Golfer hätten den Kurs sofort angenommen. "Es läuft sehr gut", erklärt sie. "Wir werden deshalb die Preise demnächst anheben." Auch der Rabatt für die Kundschaft aus Aberdeenshire werde gestrichen. "Das war nur ein Eröffnungsangebot."

In spätestens zwei Jahren soll auf dem Platz ein großes internationales Turnier stattfinden. "Donald hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er irgendwann das British Open oder den Ryder Cup hier ausrichten möchte", sagt Malone.

Das Projekt Trump International Scotland ist für Malone noch lange nicht beendet, ein Fünf-Sterne-Hotel soll auf dem Grundstück errichtet werden. Einen Termin für den Baubeginn gibt es bislang nicht, denn Trump liegt jetzt mit der schottischen Regierung im Streit. Knapp drei Kilometer von seinem Clubhaus entfernt ist ein Offshore-Windpark in der Nordsee geplant. Der US-Milliardär droht aus diesem Grund, nicht weiter in Aberdeenshire zu investieren. Die Turbinen verschandeln ihm die Aussicht, schimpft er öffentlichkeitswirksam, und auch Malone hat kein gutes Wort für die Windräder übrig. "Es ist das falsche Projekt am falschen Ort", sagt sie.

"Schicken Sie mir bitte einen Link zu Ihrem Artikel?", fragt die Vizepräsidentin zum Abschied. "Dann können wir sehen, ob Sie Freund oder Feind sind." Für Mickey Foote ist der Kampf längst beendet, Donald Trump scheint sich jedoch noch immer im Krieg zu befinden.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
wolltsnursagen 10.08.2012
Ungefähr so glaubwürdig wie der Trump-Tower in Stuttgart... Im übrigen, Trump ist nicht Milliardär. Sehr wohlwollende Berechnungen von Forbes & Co schätzen sein Vermögen auf zwischen 500 und 750 Mio $. Know your facts.
2. Who knows the Facts?
chagall1985 10.08.2012
Zitat von wolltsnursagenUngefähr so glaubwürdig wie der Trump-Tower in Stuttgart... Im übrigen, Trump ist nicht Milliardär. Sehr wohlwollende Berechnungen von Forbes & Co schätzen sein Vermögen auf zwischen 500 und 750 Mio $. Know your facts.
Wie reich jemand ist kann man nur schätzen und bei Trump reichen die halbwegs seriösen Schätzenungen von 700 Millionen $ (Deutsche Bank) bis 2,7 (Forbes 2011) Milliarden. Schätzungen von Ihm selbst sind wohl kaum seriös und irgendwelche Journalisten die für ein kritisches Buch eine vermögensthese aufstellen wohl auch nicht. Was man wohl sagen kann, ist das dieser Mann mit Goldenen Löffeln geboren wurde und immer da war wenn es einer region oder Stadt dreckig ging um Investitionen mit Steuervorteilen zu finanzieren. Das ist nunmal der Vorteil wenn man Kohle hat. Und seriöse Geschäftsleute melden auch nicht alle 10 Jahre Insolvenz an.
3.
franko_potente 10.08.2012
Zitat von sysopEinen Mega-Golfplatz zu bauen, der Politikerkarrieren zerstört, Anwohner entzweit und Horrorsummen kostet? Das ist wohl nur einem gelungen: dem US-Milliardär Donald Trump. In Schottlands Küstenlandschaft soll nun der schönste Kurs der Welt liegen - doch der Ärger geht weiter. Trump in Schottland: Einer der schönsten Golfplätze der Welt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,849051,00.html)
unabhängig mal vom wie und warum und wer nun Kohle hat und wer da mogelt.. Hergott ist dieser Platz schön!
4.
detrius 10.08.2012
Zitat von franko_potenteunabhängig mal vom wie und warum und wer nun Kohle hat und wer da mogelt.. Hergott ist dieser Platz schön!
...aber bei den Windverhältnissen doch kaum für Wettkämpfe geeignet. Da dürfte Schottland bei weitem genug bessere Plätze haben. Überhaupt ist doch die Idee, eine Golfanlage ausgerechnet in dem Land, in dem der Sport erfunden wurde, doch in etwa so als würde man versuchen, Kühlschränke an Eskimos zu verkaufen.
5. Es geht in Schottland auch anders: Machrihanish Dunes ...
RoRo Global 10.08.2012
Wer erleben will, wie ein neuer Links Golfkurs A) in Harmonie mit der Natur (unter strengsten Auflagen der SSSI) errichtet werden kann und B) mit dem Einverstaendnis, in Zusammenarbeit und dem Wohlwollen der ansaessigen Bevoelkerung sollte sich mal den¨'greenest golf course in Great Britain' ansehen, naemlich den Machrihanish Dunes im Suedwesten Schottlands (http://machrihanishdunes.com/golf/the-course/).
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Europa
RSS
alles zum Thema Golfplätze
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare
  • Zur Startseite