Umwelttechnologie für Kreuzfahrtschiffe: Der Traum vom grünen Schiff

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Nur wer neue Schiffe baut, kann umweltfreundlicher werden. Deutsche Kreuzfahrtreedereien wollen nun mit modernen Technologien bei der Kundschaft punkten. Während Aida auf Flüssiggas setzt, will TUI Cruises mit einem Hybridsystem Abgase sauberer machen.

Kreuzfahrtschiffe: Kampf den Emissionen Fotos
obs/TUI Cruises GmbH

Ob Aida Cruises, TUI Cruises oder Hapag-Lloyd - die deutschen Reeder lassen zurzeit bauen, was das Zeug hält. Brauereien und Birkenwälder, Klanghäuser und Kletterwände auf den neuen Schiffen lassen sich werbewirksam anpreisen und sollen immer neue Zielgruppen an Bord holen. Doch der Wettbewerb findet nicht nur im Gästebereich statt, sondern auch in den Maschinenräumen. Wer kann das sauberere Schiff bauen? Denn das ist gut fürs Image. Und wer spart damit mehr Treibstoffkosten? Denn das ist gut für die Bilanz.

Während die modernen Abfall- und Abwassermanagementsysteme an Bord schon so manchen Kleinstadtbürgermeister neidisch machen, treibt das, was aus dem Schornstein quillt, Umweltschützer auf die Palme. Stickoxide, Schwefeldioxid und Rußpartikel in der Rauchwolke sind gefährlich für Gesundheit und Umwelt und haben einen Schuldigen: das giftige Schweröl. Der Treibstoff, ein Abfallprodukt aus der Benzinherstellung, wird nicht nur von den rund 450 Kreuzfahrtschiffen weltweit verfeuert, sondern auch - und dadurch hochgradig schädlich für das Weltklima - von insgesamt rund 100.000 Frachtschiffen auf den Ozeanen.

Schwefelwaschanlage und Stickoxidfilter

"Einen Königsweg für das saubere Kreuzfahrtschiff gibt es ebenso wenig wie im Autobau", sagt Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte vom Naturschutzbund (Nabu). Doch an zwei Optionen für alternativen Treibstoff glaubt er: zunächst an den saubereren Marinediesel kombiniert mit Filtersystemen. Und als Zukunftsziel an Flüssiggas (LNG). Reeder und Zulieferer wie Wärtsilä und MAN sehen dies genauso - denn auch internationale Vorschriften drohen: Die Grenzwerte der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO für den Schwefelanteil im Treibstoff werden 2015 und 2020, die für Stickoxide 2016 verschärft. In sensiblen Gebieten wie Häfen, Ost- und Nordsee muss schon jetzt Marinediesel verwendet werden. Doch die Konzepte der Unternehmen sind verschieden.

Die Reederei TUI Cruises, die 2014 ihre "Mein Schiff 3" von der STX-Werft im finnischen Turku übernimmt, will durchaus dort Schweröl weiterverwenden, wo sie darf. Sie setzt aber auf ein neuartiges kombiniertes Abgasnachbehandlungssystem, wie das Unternehmen am Freitag bekanntgab. Eine Entschwefelungsanlage - ein sogenannter Scrubber - soll die Schwefelemission um 99 Prozent und den Rußpartikelausstoß um 60 Prozent senken: Bei der sogenannten Advanced Exhausted Gas Purification (AEP) wird das Waschwasser, mit dem die Schadstoffe herausgefiltert werden, erneut behandelt und die Rückstände an Land entsorgt. Ein SCR-Katalysator soll zudem Stickoxide zu 75 Prozent herausfiltern.

"Mit dieser Technologie sind wir sogar sauberer als mit Marinediesel", sagt TUI-Cruises-Chef Richard Vogel. Außerdem könnte der Diesel knapp werden, da durch die schärferen Grenzwerte der Bedarf in den kommenden Jahren stark steigen werde. Hapag-Lloyd, das Schwesterunternehmen von TUI Cruises, hat auf der frischgetauften "Europa 2" ebenfalls einen SCR-Katalysator in Betrieb genommen - als erstes Kreuzfahrtschiff überhaupt. "Ein graues Schaf unter den schwarzen", sagt Nabu-Mann Oeliger dazu. Auf weitergehende Reinigung der Abgase wurde auf dem Luxusschiff allerdings verzichtet. Schiffsdiesel wird nur dort eingesetzt, wo es vorgeschrieben ist.

Zwei-Treibstoff-Prinzip bei Aida

Aida Cruises, die ihre beiden Neubauten 2015 und 2016 bei Mitsubishi in Japan in Empfang nehmen will, versucht es dagegen gleich mit LNG, bei dessen Verbrennung keine Rußpartikel, Schwefel- oder Stickoxide ausgestoßen werden. Sie planen ein Dual-Fuel-System, bei dem wahlweise Flüssiggas und Diesel verwendet werden sollen.

"Wir glauben nicht daran, dass wir Systeme einsetzen sollten, die letztendlich den Einsatz von Schweröl noch verlängern", sagte dazu im vergangenen Jahr der damalige Chef Michael Thamm. "Wir gehen unseren Weg hin zu einer vollständigen Verwendung von Dieselöl konsequent weiter." "Dual-Fuel-Motoren können nicht hundertprozentig effizient mit beiden Kraftstoffen sein", kritisiert Nabu-Mann Oeliger das Konzept. Aida werde auf hoher See wahrscheinlich weiter mit Schiffsdiesel fahren, wobei wiederum Filtersysteme wie ein Stickoxid-Katalysator nötig wären. Auch bei TUI hat die Effizienz mit zu einer Entscheidung dagegen geführt.

LNG sieht die Branche insgesamt als die Lösung der Zukunft an. Pläne für Kreuzfahrtschiffe mit reinem Flüssiggasantrieb liegen bereits bei Werften in der Schublade, Analysen und Studien werden auf Konferenzen diskutiert. Erst im Januar wurde mit der "Viking Grace" eine Fähre zwischen Stockholm und Turku in Betrieb genommen, die sowohl Benzin, Diesel als auch LNG verwenden kann.

Versorgung und Logistik bereiten bisher jedoch noch Probleme. Auch "muss man das Problem in den Griff bekommen, dass beim Tanken oder Verladen das Treibhausgas Methan entweichen kann", sagt der Umweltschützer - und dies ist rund 35-mal gefährlicher als CO2. "Wir sehen die neuen Anlagen auf der 'Mein Schiff 3' als Brückentechnologie an", sagt auch TUI-Chef Vogel. "LNG ist die Zukunft."

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Es geht viel einfacher ...
Tom Joad 17.05.2013
Statt immer größere Luxuskreuzer mit Tennisplätzen, Schwimmbecken und Kletteranlagen an Bord zu bauen, könnte man sich doch noch einmal Gedanken über ein älteres, aber recht erfolgreiches Konzept machen, denn umweltfreundliche Schiffe gab es schon einmal: die mit den großen Segeln. Die würden dann auch für ein sinnvolles Animationsprogramm sorgen.
2. Korrekt !
Jonny_C 17.05.2013
Zitat von Tom JoadStatt immer größere Luxuskreuzer mit Tennisplätzen, Schwimmbecken und Kletteranlagen an Bord zu bauen, könnte man sich doch noch einmal Gedanken über ein älteres, aber recht erfolgreiches Konzept machen, denn umweltfreundliche Schiffe gab es schon einmal: die mit den großen Segeln. Die würden dann auch für ein sinnvolles Animationsprogramm sorgen.
Das wollte ich auch gerade schreiben. Ich habe vor 3 jahren eine Minikreuzfahrt auf der Ostsee auf einem Segelschiff mit 21 Passagierkabinen gemacht. Fantastisch. Romantisch. Genial. Da kann man jede "Aida-Kreuzfahrt" in diesen schwimmenden Großhotels vergessen. ....und bezahlbar war es auch noch !
3. Segeln!
denkmal! 17.05.2013
Logisch, die ersten Posts sagen es schon: SEGELN, meine Herren und Damen und Kinder, SEGELN! Warum ziehts euch wieder raus...? Dem Abenteuer wegen...? Na bitte: SEGELN Sie doch! Ist ja absolut lachhaft, wenns nicht fast krank wäre, sich auf dem MEER in einem Kraftwerk fortzubewegen! Dazu hat der liebe Gott (Spass!) den WIND erfunden!
4. optional
bilgordi 17.05.2013
Bin vor 20 Jahren mal auf dem Eisselmeer in Holland mit einem umgebauten Frachtkahn rumgesegelt. 2Mann Stammbesatzung (waren in unserem Fall zwei nette Damen), kurze Einfuhrung und dann Leinen los! Holzbänke, 60cm-Stockbetten, 1 Klo, keine Dusche. "christliche Seefahrt" vom feinsten, wie von den Vorrednern angedeutet: kein vorgekaspertes Animationsprogramm, sonder Segel setzen, wenden, Schwert hochkurbeln usw. Ausserdem selbstversorgerschiff, also die Maultaschen selbst anbraten... Ein unvergessliches Erlebnis! Hab echt keine Lust, in so einen Stahlpalast zu gehen. Mal ne Frage: und was wird dann mit diesem Schweröl, das ein "Abfallprodukt" aus der Benzinherstellung sei, gemacht, wenns in der Seefahrt verboten wird? Auf die Mülldeponie?
5. Warum nicht?
herd1958 17.05.2013
Am Markt bereits für Containerschiffe zum Beispiel verfügbar gibt es Drachen in Form von Parafoils, die vor das Schiff gespannt werden. Sie ersparen eine Menge Kraftstoff und entsprechende Abgase
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