Flugausfälle wegen kranker Piloten TUIfly muss keine Entschädigung zahlen

Massenhafte Krankmeldungen haben im Oktober 2016 zu zahlreichen Flugausfällen geführt. TUIfly muss dennoch keine Entschädigung zahlen, urteilte nun ein Gericht. Vorherige Prozesse hatte die Fluggesellschaft verloren.

Der Flug dieser Frau nach Antalya war 2016 gestrichen worden
DPA

Der Flug dieser Frau nach Antalya war 2016 gestrichen worden


Die Fluggesellschaft TUIfly muss Passagiere, die wegen der gehäuften Krankmeldungen von Piloten im Oktober 2016 auf ihren Flieger warten mussten, nicht entschädigen. Ein nicht gewerkschaftlich organisierter "wilder Streik" dieses Ausmaßes stelle einen außergewöhnlichen Umstand dar, der für die Fluggesellschaft nicht beherrschbar gewesen sei, urteilte das Landgericht Hannover und wies damit die Klage betroffener Passagiere ab (Aktenzeichen 8 S 25/17). In vorherigen Prozessen am Amtsgericht Hannover hatten dagegen die Kläger recht bekommen.

Die Kläger wollten am 6. Oktober 2016 mit TUIfly von Kreta nach Stuttgart fliegen. Ihr Flug wurde jedoch gestrichen, weil sich zahlreiche Piloten an dem Tag krank gemeldet hatten. Sie erreichten Stuttgart mit einer rund 30-stündigen Verspätung. Vor Gericht verlangten sie Ausgleichszahlungen in Höhe von 800 Euro von TUIfly gemäß der europäischen Fluggastrechteverordnung.

Kurzfristige Krankmeldungen von Piloten und Kabinenpersonal hatten bei TUIfly damals tagelang zu massiven Verspätungen und Ausfällen geführt. Der Urlaubsflieger musste seinen Betrieb vorübergehend sogar einstellen. Hintergrund der Krankmeldungen waren Sorgen der Mitarbeiter um die Zukunft: Kurz zuvor war bekannt gegeben worden, dass die Touristiksparten des damaligen Partners Air Berlin und TUIfly zusammengelegt werden sollen.

Der Bundesgerichtshof könnte nun entscheiden

Die massenhafte Krankmeldung von Beschäftigten wertete TUIfly als "wilden Streik" und damit als außergewöhnlichen Umstand. Bei außergewöhnlichen Umständen müssen Fluggesellschaften keine Entschädigung zahlen. Dem schloss sich zunächst das Amtsgericht Hannover und nun das Landgericht Hannover an.

Die Krankmeldungen standen laut Gericht im zeitlichen Zusammenhang mit einer Entscheidung der Unternehmensführung über beabsichtigte Umstrukturierungen. Einer Fluggesellschaft müsse es möglich sein, ihre Mitarbeiter über eine mögliche wirtschaftliche Entwicklung zu unterrichten, erklärte das Landgericht. Arbeitsrechtliche Maßnahmen hätten den konkreten Flugausfall nicht verhindern können; Abmahnungen oder Kündigungen wären "nicht zielführend" gewesen.

Die Kläger können in Revision gehen. Dann müsste der Bundesgerichtshof entscheiden.

koe/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
meimei 23.11.2017
1.
Für mich ist das ein Unding. Es kann doch nicht auf dem Rücken der Flug"gäste" ausgetragen werden. Die können nun wirklich überhaupt nichts dafür.
Vanagas 24.11.2017
2. Jawohl
Immer schön wirtschaftsfreundlich urteilen. Wer glaubt denn da noch an den Rechtsstaat? Lächerlich!
genugistgenug 24.11.2017
3. Das berühmte "nicht zielführend"!
Damit erledigt die Bürokratur alles - und wenn es doch "zielführend" gewesen wäre, dann kommt das 'unwisen/nicht grob fahrlässig' dazu und schon sind alle haftunsgbefreit und der Bürger zahlt, wie immer. Bei der Menge Krankmeldungen hätte man als Personaler doch zuerst die Krankmeldungen angezweifelt und dann entsprechend reageirt OHNE die Kunden sitzen zu lassen.
hansearni 24.11.2017
4. Wahlfreiheit
Warum das Geschrei? Die Passagier haben doch die Möglichkeit von Anfang an bei einer anderen Fluggesellschaft zu buchen. Wenn die Fluggesellschaft dann Pleite geht, stehen auch die armen Piloten auf der Strasse.
Hans58 24.11.2017
5.
Zitat von VanagasImmer schön wirtschaftsfreundlich urteilen. Wer glaubt denn da noch an den Rechtsstaat? Lächerlich!
Und da Deutschland ein Rechtsstaat ist, können die Kläger immer noch den BGH anrufen.
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