Tyler Brûlé schmiert das Drehkreuz Hoffnung für Heathrow

Neue Landebahnen, neue Flughäfen? Darauf möchte Vielflieger Tyler Brûlé in London nicht warten - er will jetzt durchstarten. Damit das gelingt, hat der Kolumnist einen straffen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt. Auch die Schotten und Waliser spielen darin eine wichtige Rolle.

REUTERS

Achtung, liebe Vielflieger auf dem Weg von oder nach London! Dies ist eine spezielle Pre-Boarding-Durchsage, damit Sie in der nahen Zukunft zügiger in der britischen Hauptstadt landen und starten können und nicht mehr von dem politischen Hickhack über eine dritte Startbahn in Heathrow oder neue Flughäfen aufgehalten werden. Falls letzteres Thema Ihnen noch nichts sagt: Es handelt sich dabei um ein architektonisches Duett phantastischen Ausmaßes von Bory (Londons Bürgermeister Boris Johnson) und Normy (Architekt Sir Norman Foster), das nach einem Flughafen in der Themse-Mündung ruft.

Die Passagiere würden einen glänzenden neuen Flughafen mit vier Startbahnen begrüßen, da bin ich mir sicher. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass er innerhalb der nächsten 15 Jahre Wirklichkeit wird. Deshalb haben wir uns wirksame Sofortmaßnahmen ausgedacht. Wenn jeder diesem einfachen Fünf-Punkte-Plan folgt, könnte London noch einmal an alte Zeiten als funktionstüchtiger Dreh- und Angelpunkt anknüpfen. Firmen würden ihr Personal wieder vor Ort stationieren, Passagiere ihre Anschlussflüge bewältigen und Anwohner könnten stolz auf eine intakte Infrastruktur blicken.

  • Ein gutes Drehkreuz braucht eine gute (hervorragende) Fluggesellschaft
    Es ergibt nur Sinn in einen neuen Flughafen zu investieren, wenn er eine internationale Fluglinie von Rang beheimatet, mit der die Leute auch fliegen wollen. Im Moment gehören jedoch weder British Airways noch Virgin Atlantic zu dieser Kategorie. British Airways muss seinen Kundenservice und das Streckennetz verbessern - und endlich außergewöhnliche Reiseerfahrungen anbieten.

    Virgin muss sich entscheiden, was es eigentlich sein will und sich endlich von den neunziger Jahren verabschieden. Geld in Flughäfen zu stecken wird so lange pure Verschwendung sein, bis Großbritannien ein Luftfahrtunternehmen sein Eigen nennt, das es mit Lufthansa, den Airlines im Nahen Osten oder den besten Fluggesellschaften Asiens aufnehmen kann.
  • 24-Stunden-Städte brauchen 24-Stunden-Flughäfen
    London sieht sich gern als pulsierende Hauptstadt, in der die Nacht zum Tag gemacht wird - und ist doch weit davon entfernt. Von der Altlast der lächerlichen Sperrstunde in den Pubs, die die Stadt nach 23 Uhr immer noch ins Bett schickt, mal ganz abgesehen, beeinträchtigt auch das Nachtflugverbot die Konkurrenzfähigkeit des größten Airports Londons.

    Heathrow sollte für Starts und Landungen mindestens von fünf Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet sein - ohne Auflagen. Dies wäre nicht nur attraktiver für Fluggesellschaften, die nach Asien und Nordamerika fliegen, es würde den Passagieren auch die Chance eröffnen, ihre Reiserouten mit optimalen Anschlussflügen zu gestalten.
  • Sie müssen nicht alle auf einem Haufen sitzen
    Es gibt keinen Grund, warum alle großen Alliances im selben Flughafen präsent sein müssen. Star Alliance oder das Sky Team sollten ihre Geschäfte woanders hin verlagern (zusammen mit den Zubringern) - zum Beispiel nach Gatwick. Die Attraktivität von Londons Flughafen im Süden könnte steigen, wenn man von dort eine Zugverbindung nach Vorbild des Olympic Javelin Shuttle einrichtet, mit der Passagiere innerhalb von 15 Minuten im Zentrum wären.

    Das Geld, das für zusätzliche Startbahnen ausgegeben werden soll, könnte wiederum dazu genutzt werden, das nahe gelegene Croydon zu einem angenehmen, attraktiven Geschäftszentrum auszubauen; genau richtig, um internationale Konzerne anzuwerben, die sich einen leichten Zugang zu den Abflug-Gates sowie schnelle Verbindungen nach London wünschen.
  • Besserer Transport für alle
    Die Regierung liegt falsch, wenn sie glaubt, es würde ausreichen, in Flughäfen zu investieren, um Großbritannien einen wirtschaftlichen Aufschwung zu bescheren, Jobs zu kreieren und positive Signale nach innen und außen zu senden. Im Gegenteil. Bald werden wir hier in Großbritannien die gleichen Diskussionen führen wie bereits beim restlichen Transportwesen.

    Schauen Sie sich nur mal einen großen Umsteigebahnhof wie Clapham Junction an - ein angestaubtes, bröckelndes, wackliges Fiasko. Unser gesamtes Gleisnetzwerk benötigt dringend ein ernsthaftes Upgrade. Das bedeutet aber auch, sich von vielen hübschen, aber auch hoffnungslos veralteten Bahnhöfen zu trennen, neue Gleise zu verlegen, das Netz zu elektrifizieren und neue Waggons anzuschaffen. Vergangenes Wochenende stieg ich in einen "Eilzug" von Brockenhurst nach Waterloo und hatte das Gefühl, durch ein Entwicklungsland zu zuckeln: vollgestopfte Bahnsteige, keine Sitzgelegenheiten, antiquierte Wagen.

    Eine verbesserte Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft sollte an der Spitze der To-do-Liste der Regierung stehen. So wie sie ein Flugzeug mit veralteten Navigationsgeräten meiden würden, sollten auch Passagiere nicht Straßen und Zügen ausgesetzt werden, die keinen Platz im 21. Jahrhundert verdient haben.
  • Nicht alles auf eine Karte setzen
    Es sollten größere Anstrengungen unternommen werden, um für internationale Geschäftsreisende wie Einheimische eine ernsthafte Alternative zu London zu schaffen. Wenn Wales sich die Aufmerksamkeit der Welt und auf lange Sicht deren Investitionen sichern möchte, dann sollte man Cardiff in das Barcelona Großbritanniens verwandeln. Das gilt auch für Schottland und Edinburgh. Warum baut man statt eines riesigen Flughafenkomplexes in der Themse-Mündung nicht einen zweiten Flughafen vor der Küste Edinburghs, der vom Typus her Helsinki ähnelt?

    Und warum nicht einfach British Caledonian wiederbeleben und eine Fluglinie gründen, die schwerpunktmäßig die nördliche Hälfte Europas mit Nordamerika und dem oberen Teil Asiens verbindet? Verbesserte regionale Direktverbindungen würden London massiv entlasten, neue Perspektiven erschließen und eine Renaissance dieser Regionen in Gang setzen.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Hugh 11.09.2012
1. Egoist
Zitat von sysopREUTERSNeue Landebahnen, neue Flughäfen? Darauf möchte Vielflieger Tyler Brûlé in London nicht warten - er will jetzt durchstarten. Damit das gelingt, hat der Kolumnist einen straffen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt. Auch die Schotten und Waliser spielen darin eine wichtige Rolle. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,855112,00.html
Die Bilder 1 und 2 demonstrieren sehr schön, warum es Nachtflugverbote gibt. Herr Brûlé sollte doch vielleicht einmal nicht nur an sich denken, sondern auch anderen Menschen eine gesunde Nachtruhe gönnen.
chiefclancywiggum 11.09.2012
2. Aha!
Zitat von sysopREUTERSNeue Landebahnen, neue Flughäfen? Darauf möchte Vielflieger Tyler Brûlé in London nicht warten - er will jetzt durchstarten. Damit das gelingt, hat der Kolumnist einen straffen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt. Auch die Schotten und Waliser spielen darin eine wichtige Rolle. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,855112,00.html
Herr Brûlé hat festgestellt, dass die Dinge in einer Diktatur einfach besser funktionieren. Eine ganz neue Erkenntnis! Natürlich lassen sich in der Theorie und auf dem Reissbrett Probleme einfach vermeiden oder notfalls lösen. Leider sind in der Realität auch andere Faktoren zu berücksichtigen. Beim Thema Öffnungszeiten des Flughafens gibt es leider halt diese dummen Anwohner, die da etwas andere Ansichten als die Passagiere diesbzüglich haben. An Standorten wir Dubai oder Abu Dhabi ist das natürlich kein Problem, weil der Scheich entscheidet und gut ist es. Und die Airlines bzw. Aillianzen werden sich auch nicht einfach vorschreiben lassen an welchem Airport in London sie nun operieren dürfen. Auch das wäre in China, Nordkorea, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Kuba wahrscheinlich anders, aber in Großbritannien gibt es sowas wie eine unabhängige Justiz, etc. Also, ausser heißer Luft und geistigem Dünnschiss hat dieser Beitrag von Herrn Brûlé leider nicht viel zu bieten!
atheris 11.09.2012
3. optional
Die Lufthansa mit den Airlines im Nahen Osten oder den besten Fluggesellschaften Asiens zu vergleichen ist wohl nur ironisch gemeint, oder?!
Blackb3ard 11.09.2012
4. Ach nee..
Herr Brûlé hat ja schon zu vielen Themen, von denen er offensichtlich nichts versteht, seinen Salmon gegeben. Interessant, das man seine anderen Artikel bishe rnicht kommentieren konnte. Zu ihm gibt es wohl nur soviel zu sagen: "Jeder blamiert sich so gut, wie er kann". Ach hätte er doch geschwiegen, der Lothar Matthäus der Schreiberlinge...
m++ 11.09.2012
5. Schön,...
schon wieder so einer der denkt er kann Verkehrsplanung aus dem Stehgreif machen, einfach herrlich.
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