Übernachten im Harz Flair des Zauberbergs

Wer das Sanatorium Dr. Barner in Braunlage betritt, fühlt sich unweigerlich in die klassische Heilanstalt aus Thomas Manns "Zauberberg" versetzt. Das Jugendstilhaus öffnet sich jetzt auch für Privatgäste. Ganz andere Erfahrungen machen Harzreisende, die sich als Köhler auf Zeit im Köhlercamp einmieten.


Sanatorium Dr. Barner: Ganz besondere geschichtsträchtige und ästhetische Atmosphäre
Sanatorium Dr. Barner

Sanatorium Dr. Barner: Ganz besondere geschichtsträchtige und ästhetische Atmosphäre

Goslar - Als nördlichstes der deutschen Mittelgebirge zieht der Harz zu jeder Jahreszeit Besucher an. Deren Reisemotive sind sehr verschieden. Für die einen ist der sagenumwobene Brocken das Ziel, andere kommen wegen der vielen Museen des Bergbaus oder wegen der schnaufenden Harzer Schmalspurbahn. Und wieder andere genießen einfach die gute Luft beim Aufenthalt im Freien mit Wandern oder Radfahren. Der Harz bietet neben der Vielfalt der Motive jedoch auch die unterschiedlichsten Möglichkeiten, einmal ungewöhnlich zu übernachten.

"Häuser wie unseres sind in Deutschland leider sehr selten geworden", weiß Johann Barner, Wirtschaftsleiter im Sanatorium Dr. Barner im Kurort Braunlage. "Es ist die ganz besondere geschichtsträchtige und ästhetische Atmosphäre, die gleichermaßen auf Körper, Geist du Seele wirkt", glaubt Barner. Sein Urgroßvater Friedrich Barner eröffnete das in einem 30.000 Quadratmeter großen Park gelegene Haus am 5. Mai 1900 mitten in der Zeit der großen Sanatoriumsgründungen. Er war einer der ersten Ärzte, die sich der Psychotherapie zuwandten.

Damenzimmer im Sanatorium Dr. Barner: Im Sinne eines Gesamtkunstwerks wurde jeder Gegenstand von dem Künstler Albin Müller
Sanatorium Dr. Barner

Damenzimmer im Sanatorium Dr. Barner: Im Sinne eines Gesamtkunstwerks wurde jeder Gegenstand von dem Künstler Albin Müller

Der große Neubau (1912-14) gehört heute zu den bedeutendsten Jugendstilbauten Deutschlands. Im Sinne eines Gesamtkunstwerks wurde jeder Gegenstand - Möbel, Tapeten, Linoleumböden und Lampen bis hin zum Besteck - von dem Künstler Albin Müller entworfen. In der Marmorhalle, im Musiksaal, in dem regelmäßig klassische Konzerte stattfinden, und in den drei Speisesälen taucht man ein in die Zeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Alles ist original erhalten geblieben. Johann Barner zeigt diese Schätze gern interessierten Besuchern. Die meisten Gäste kommen zu einem Kuraufenthalt in das architektonische Kleinod. "Wir wissen jedoch, dass wir auf Dauer damit nicht überleben können", sagt Barner. Deshalb will er ein Konzept "Hotel mit ärztlicher Betreuung" für ältere Gäste anbieten.

Die Köhlerei war hartes Brot

Ganz anders angelegt ist das Angebot von Peter Feldmer in der Harzköhlerei Stemberghaus zwischen Altenbrak und Hasselfelde. "Wer zu uns kommt, muss mit anpacken", erzählt Feldmer, der mit seinen beiden Söhnen ganzjährig Holzkohle nach althergebrachter Art in Erdmeilern produziert. Kleine Gruppen mit vier bis zehn Personen werden im Köhlercamp der Harzköhlerei zum Köhler auf Zeit. Übernachtet wird in einfachen Unterkünften, auch die sanitären Einrichtungen sind spartanisch. "Die Köhlerei war früher ein hartes Brot, und bei uns bekommt man einen Eindruck davon, wie Köhler gelebt und gearbeitet haben", sagt Feldmer.

Harzköhlerei Stemberghaus: Flüssige Holzkohle und Harzer Schiebensuppe
DDP

Harzköhlerei Stemberghaus: Flüssige Holzkohle und Harzer Schiebensuppe

Aus abgelagertem Harzer Buchenholz wird ein kleiner Meiler aufgebaut, der ungefähr zwei Tage brennt. "So können Gruppen, die übers Wochenende zu uns kommen, ihre eigene Kohle noch ernten", sagt Feldmer. Der Meiler wird rund um die Uhr abwechselnd von den Gruppenmitgliedern bewacht, denn wenn er zuviel Luft zieht oder gar einstürzt, war alle Mühe umsonst. Zwischen Meilerbau und "Ernte" liegen tagsüber Ausflüge in die Umgebung und lange Abende am offenen Feuer mit "Harzer Schiebensuppe" aus allerlei Gemüse und Wurst, Bier und etwas Hochprozentigem namens "Flüssige Holzkohle". Im kleinen Museum der Harzköhlerei lernt man alles über die Köhlerei und über den vielfältigen Einsatz von Holzkohle, der weit über den heimischen Grill hinausgeht.

Haus der Stille

"Bildung - Begegnung - Besinnung" ist das Motto im Kloster Drübeck mit dem Evangelischen Zentrum der Kirchenprovinz Sachsen in der Nähe von Wernigerode. Das im Jahr 877 gestiftete, rund um eine romanische Kirche gruppierte Kloster war nach der Reformation ein evangelisches Damenstift und zu DDR-Zeiten ein Ferienheim der Kirche. Nach der "Wende" stand es mehrere Jahre lang leer. "Seit 1996 sind wir wieder ein architektonisches Kleinod mit günstigen Übernachtungseinrichtungen wahlweise im historischen oder im modernen Ambiente", freut sich die Geschäftsführerin Brunhilde Langelüddecke. Wer im "Äbtissinnenhaus" untergebracht wird, der schläft in historischen Möbeln der ehemaligen Stiftsdamen, im neu gebauten Eva-Heßler-Haus ist dagegen eher "Ikea-Charme" vorherrschend.

Regelmäßig gibt es nicht nur kirchliche Veranstaltungen, sondern auch Kunstausstellungen, Sommerfeste und Konzerte für alle. Ein besonderes Angebot ist das des "Hauses der Stille" für Leute, die bewusst Ruhe abseits der Alltagshektik suchen. Für das leibliche Wohl sorgt Vollwertküche. Im Rahmen des landesweiten Projekts "Gartenträume" in Sachsen-Anhalt sollen in den nächsten Jahren auch die Kanonissinengärten wieder zu neuem Leben erwachen.



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