Umstrittene Kathedrale Russen klotzen Zwiebelturm-Kirche neben Eiffelturm

Der Eiffelturm gilt als Wahrzeichen von Paris - bald bekommt er Konkurrenz: Präsident Sarkozy hat laut einem "Times"-Bericht der russischen Regierung erlaubt, in unmittelbarer Nähe des Turms eine große russisch-orthodoxe Kathedrale zu bauen. Der französische Geheimdienst ist alarmiert.

AFP

Paris - Die Skyline von Paris dürfte sich bald drastisch verändern: Wie die britische "Times" berichtet, wird in der französischen Hauptstadt eine russisch-orthodoxe Kathedrale gebaut - in direkter Nachbarschaft des Eiffelturms. Der Zeitung zufolge hat Präsident Nicolas Sarkozy dem Bau nach massivem Drängen aus Russland zugestimmt.

Ein rund 8000 Quadratmeter großes Grundstück am Seine-Ufer war vergangenes Jahr zum Verkauf angeboten worden. Die russische Regierung unter Präsident Dmitrij Medwedew hatte sich mit enormem Lobbying-Aufwand als Käufer angeboten und soll nun für rund 60 Millionen Pfund (rund 72 Millionen Euro) den Zuschlag bekommen haben. Saudi-Arabien und Kanada sollen weitere Interessenten gewesen sein, heißt es in einem Bericht der britischen Zeitung "Daily Telegraph".

Jetzt, da der Bau von höchster Stelle sanktioniert ist, gehen die Pläne in die nächste Phase. Bis 2013 soll die goldfarbene Kirche stehen, die ähnlich der Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau mehrere Zwiebeltürme haben wird, schreibt die "Times". Das letzte Bauwerk dieser Art war vor über hundert Jahren in Paris errichtet worden.

Das Projekt ist umstritten: Französische Sicherheitsbehörden etwa befürchten von dem Gebäude aus russische Spionage gegen Frankreich, berichtet der "Telegraph". Denn der Standort sei von diplomatischer Bedeutung - in der Nähe befindet sich der Palais de l'Alma, in dem hochrangige Mitarbeiter des Präsidenten wohnen und von wo aus unter anderem die Post für den Elysée-Palast organisiert wird.

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Stefanie Bach, 06.06.2010
1. Wahrzeichen
Zitat von sysopDer Eiffelturm gilt als Wahrzeichen von Paris - bald bekommt er Konkurrenz: Präsident Sarkozy hat laut einem "Times"-Bericht der russischen Regierung erlaubt, in unmittelbarer Nähe des Turms eine große russisch-orthodoxe Kathedrale zu bauen. Der französische Geheimdienst ist alarmiert. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,699012,00.html
Eine Stadt und ihre Wahrzeichen, das muss zueinander passen und das muss gewachsen sein. Wenn jetzt die Skyline von Paris durch einen Baukörper drastisch verändert wird, der keine Ergänzung oder Erweiterung der kulturellen oder baulichen Traditionen von Paris ist, dann halte ich das für mehr als problematisch. Große Neubauten, die das Zeug zum Wahrzeichen haben, sind zwar anfänglich und in ihrer Bauphase zumeist hoch umstritten, doch Hamburg scheint mir diesbezüglich mit der Elbphilharmonie den richtigen Weg zu gehen - umstritten aber richtig und passend: Hamburg baut mit der Elbphilharmonie ein neues Wahrzeichen (http://www.plantor.de/2010/hamburg-baut-mit-der-elbphilharmonie-ein-neues-wahrzeichen/).
hacebe 06.06.2010
2. Ein prächtiges Kirchlein wird das werden...
... wenn das Grundstück von 8000 qm voll ausgereizt wird und nicht noch was dazu kommt. Vielleicht sollten sich die Bauherren dann mal beim Guinness Buch der Rekorde anmelden, für die kleinste Kathedrale der Welt. Für mich klingt das hier eher so, als solle aus einer Mücke ein Elefant gemacht werden.
Ivan Durak 06.06.2010
3. Symbolpolitik
Zitat von sysopDer Eiffelturm gilt als Wahrzeichen von Paris - bald bekommt er Konkurrenz: Präsident Sarkozy hat laut einem "Times"-Bericht der russischen Regierung erlaubt, in unmittelbarer Nähe des Turms eine große russisch-orthodoxe Kathedrale zu bauen. Der französische Geheimdienst ist alarmiert. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,699012,00.html
Als Geldanlage wuerde ich die Investition ja verstehen. Soviel Geld auszugeben, um im Zentrum von Paris eine Kirche zu bauen, begreife ich als Symbolpolitik. Die russische Politik will damit vermutlich zeigen, dass Russland zu Europa gehoert. Der Hinweis (wenn er denn der Wahrheit entspricht), dass der franzoesische Geheimdienst alarmiert ist, zeigt, dass die Damen und Herren vermutlich unter Verfolgungswahn leiden. Willkommen im Club (-> http://locopedia.wikia.com/wiki/Verfolgungswahn), Mesdames et Messieurs.
Rawls 06.06.2010
4. Die Warnung ist absolut angemessen
Wieso will die russische Regierung eine Riesen-Kirche im Zentrum von Paris errichten? Ganz klar, weil die russisch-orthodoxe Kirche ein verlängerter Arm der russischen Politik ist. Schon zu Sowjetzeiten war der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche gleichzeitig KGB-Agent. Das ist heute nicht anders. Es handelt sich um eine Staatskirche, die nebenbei die ideologische Unterfütterung des Putinismus liefert. Völlig zurecht warnt der französische Geheimdienst vor dem Bau der Kirche. Es handelt sich um nichts weiter als ein dummes Eigentor von Sarkozy, wenn er den Russen den Bau erlaubt.
franzdenker 06.06.2010
5. Gute Idee.
Zitat von sysopDer Eiffelturm gilt als Wahrzeichen von Paris - bald bekommt er Konkurrenz: Präsident Sarkozy hat laut einem "Times"-Bericht der russischen Regierung erlaubt, in unmittelbarer Nähe des Turms eine große russisch-orthodoxe Kathedrale zu bauen. Der französische Geheimdienst ist alarmiert. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,699012,00.html
Der französische Geheimdienst wird sich schon zu sichern wissen. Die Idee ist ausgefallen aber auch gut. Extravakante Bauobjekte mit schönen Formen sind für jede Stadt eine Bereicherung. In Dresden steht bspw. ein moscheeartiges Gebäude mitten in der Innenstadt, und dass seit vielen Jahrzehnten. Nur dass es sich dabei um eine "getarnte" Fabrikanlage handelt.
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