Unterwasser-Museum vor Lanzarote Mahnmal am Boden des Meeres

Vor Lanzarote entsteht ein Unterwasser-Skulpturenpark: Nur per Tauchgang oder Glasbodenboot sind die Ausstellungsstücke zu sehen - ein unheimliches Erlebnis am Meeresboden.

Jason deCaires Taylor

Rund 15 Meter unter der Wasseroberfläche liegt ein Flüchtlingsboot am Meeresgrund. Mit Skulpturen von Menschen darauf, die nachdenklich wirken, übermüdet, verzweifelt. In der Bucht Las Coloradas vor Lanzarote können Touristen ab dem 25. Februar diese Installation und viele weitere Kunstwerke ansehen - bei einem Tauchgang, beim Schnorcheln oder in einem Glasbodenboot.

Er habe eine Denkmal für diejenigen erschaffen wollen, die die Flucht geschafft haben - und für die, "deren Träume und Hoffnungen am Boden des Meeres geendet haben", sagte der britische Künstler Jason DeCaires Taylor über die Skulptur "Balsa de Lampedusa".

"Die Verteidigung des Ozeans" lautet das Oberthema der Ausstellung. Taylor realisierte ähnliche Projekte bereits in Mexiko und Grenada. Ihm geht es dabei nicht nur um Ästhetik, sondern auch um Umweltschutz: Seine Absicht in der Karibik war, Taucher von stark frequentierten Spots wegzulocken, wo die Korallenriffe schon stark gelitten haben.

Nur ein paar Kilometer von Playa Blanca

Vor Lanzarote werden nun in einer Tiefe von 12 bis 15 Metern insgesamt 400 Skulpturen aufgestellt, immer geht es um Themen, die mit dem Meer zu tun haben. Nicht weit von der provokativen Flüchtlingsboot-Skulptur wird beispielsweise ein Paar zu sehen sein, das ein Unterwasser-Selfie aufnimmt. Das Areal befindet sich in der Bucht Las Coloradas im Süden der Insel, in der Nähe des beliebten Touristenstrandorts Playa Blanca, und ist etwa 2500 Quadratmeter groß.

An Metallketten werden die Kunstwerke von einem Boot ins Wasser abgelassen und auf dem Grund verankert. Sämtliche Figuren sind aus pH-neutralem Beton, mit der Zeit soll auf ihnen ein künstliches Riff entstehen. Der Künstler will dabei auch einen Bezug zu Lanzarote herstellen: Viele der gezeigten Menschen sind den Guanchen nachempfunden, den Ureinwohnern der Kanarischen Inseln.

Die Tourismusbranche auf Lanzarote hofft auf zusätzliche Aufmerksamkeit durch den Skulpturenpark, dessen Errichtung im November offiziell genehmigt wurde. Doch schon im Vorfeld gab es auch kritische Stimmen - unter anderem, weil die Kosten von rund 700.000 Euro mit öffentlichen Geldern bezahlt werden, wie die Onlineausgabe der spanischen Zeitung "The Local" berichtet.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand fälschlicherweise, dass es sich um Europas erstes Unterwasser-Museum handle. Das ist nicht korrekt, in Kroatien und vor La Palma existieren bereits ähnliche Projekte, die jedoch erheblich kleiner sind. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Lanzarote

sto

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insgesamt 6 Beiträge
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karton 07.02.2016
1.
Das Museum ist mitnichten das erste in Europa, es gibt mindestens drei: eins in Losinj, Kroatien, eins in Antalya, Türkei und selbst auf den Kanaren, vor La Palma gibt es eins (Parque Submarino de La Palma). Zu den Kosten: hier in den Zeitungen war von 800K€ zu lesen.
juanth 07.02.2016
2. Auf La Palma gibt es sogar 2 Unterwasserparks,
einmal vor der Hauptstadt (die Zwerge) und einmal vor der Südspitze (Märtyrerkreuze). Generell die tollste der Kanaren für Taucher.
mephisto1997 07.02.2016
3. cancún
nicht zu vergessen die 2010 im rahmen der weltklimakonferenz entstandenen faszinierenden unterwasserskulpturen vor der mexikanischen karibikküste, deren hohlräume schon nach kurzer zeit zu lebensraum für viele unterschiedliche lebensformen wurden..
BrunoGlas 07.02.2016
4. Unterwasserpräsentation Vorbild für zukünftige museale Präsentation
Da ich des öfteren Künstler im Rahmen eines "begleitenden Kuratorings" bei Ausstellungen berate, sehe ich solche Art der Kunstpräsentation durchaus als Vorbild für zukünftige museale Präsentationen auch für über der Erde. Warum? Museen sind unter üblichen didaktischen Gesichtspunkten durchgängig statisch konzipiert, Räume sind langweilig gerade und rechteckig, die Beleuchtung besteht immer aus einem einzigen Lichttyp. Zudem, die meisten Künstler denken und arbeiten zweidimensional - auch wenn es sich in ihrer Arbeit um Skulpturen handelt. Letztlich fehlt ein modernes Prinzip der Dreidimensionalität, aber als erweiterter Begriff einer räumlichen und dynamischen Bewegung im Raum unter dem Einfluss wechselnder optischer Verhältnisse und vor allem unter dem Einfluss von gebündeltem / gerichtetem Licht. Die räumliche Präsentation unter Wasser bietet hier genau jenen Wechsel vom rein rationalen Sehen in die Sphäre der Imagination. Wasser zeigt nämlich immer auf allen Materialien eine kinetische Hell-Dunkel-Optik mittels gebündelten Mikrobrennpunkten auf allen Strukturen, sodass dem Sehen immer auch eine stark emotionale Komponente beiwohnt. Diese Bündelung des Lichtes als gerichtete Reflexion, bei gleichzeitiger für das Wasser typischen Vergrößerung von Strukturen aufgrund seiner optischen Ausdehnung – wie in großen Eiskugeln - führt auch zu permanenten optischen Täuschungen und zu einer gesteigerten Lust des Sehens. Nebenbei, letztlich ließe sich bei genauer Kenntnis dieser Reflexionsvorgänge auch moderne Reflexions-optimierte 3-D Farben und Lacke und 3-D Displays konzipieren bis hin zu einem neuen Typus von Kunsthochschulen, inklusive Farb-Licht-Zentrum / Zentrum für Reflexion. Möglicherweise könnte auch ausnahmsweise einmal die Kunst die Wirtschaft fördern, und nicht umgekehrt. Infos unter: toussaint-kunst(at)netcologne.de
birdie 07.02.2016
5. Un das Schöne daran ist, dass ...
wir das Ganze hinsichtlich seiner Geschichte zeitlich relativ genau einordnen können: vor dem Dammbruch bei Gibraltar, als der Pegel des Mittelmeers noch 1oo m unter dem heutigen Wasserstand lag. Der Vorgang ist in der Bibel unter dem Stichwort "Sintflut" ergreifend nachzulesen.
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