Urlaub mit Hausboot Einmal Kapitän spielen

Um mit dem Hausboot gemütlich in den Urlaub schippern zu können, braucht man nicht mal einen Bootsführerschein. Drei Stunden Einweisung genügen – und schon darf man auf deutschen Binnengewässern in See stechen.


Frühstück an Bord: Gemütlicher Ferientörn auf der Seenplatte
Crown Blue Line

Frühstück an Bord: Gemütlicher Ferientörn auf der Seenplatte

80 Kilometer nördlich von Berlin, auf der Mecklenburgischen Seenplatte, lässt sich der Traum vom Kapitän auf Zeit perfekt umsetzen: tagelang kann man dort über stille Kanäle und Seen schippern, Vögel im Schilf beobachten, in geschützten Buchten vor Anker gehen und den Sternenhimmel von See aus betrachten. Und das alles ganz ohne amtlichen Sportboot-Führerschein. "Seit die Führerscheinpflicht für Binnengewässer vor vier Jahren wegfiel, ist der Hausbooturlaub stark im Aufwind", sagt Katharina Platzikowski von Crown Blue Line, einer der größten Charterflotten Europas. Auch Irina Mühleck, Sprecherin der Charterfirma Kuhnle Tours, freut sich über deutlich steigende Buchungszahlen und eine aufgestockte hauseigene Flotte.

Wer noch nie ein Motorschiff gesteuert hat, bekommt beim Anblick der meterhohen Crown-Blue-Kreuzer doch ein wenig Nervenflattern. Die meisten sind zwischen 10 und 13 Meter lang, die größeren gut vier Meter breit, mit Platz für vier bis zehn Personen. Die Bezeichnung Hausboot ist ohnehin oft irreführend. Viele der Boote erinnern eher an Mittelmeer-Yachten mit ihrem komfortablen Salon, geräumigen Schlafkojen, Warmwasserduschen und Toiletten an Bord sowie komplett eingerichteter Kombüse. Die meisten Touristen chartern ihr Boot für eine Woche, Stauraum für jede Menge Proviant ist genug da.

 Hausboot im Kanal: Schweißausbrüche bei der Probefahrt
Crown Blue Line

Hausboot im Kanal: Schweißausbrüche bei der Probefahrt

Gesteuert wird das Schiff von Deck aus. Doch bevor die Hausboot-Crew in See stechen kann, müssen alle Freizeitkapitäne eine etwa dreistündige Intensiv-Einweisung mitmachen. Das ist bei allen Charterfirmen Pflicht, sozusagen als Ersatz für den fehlenden Binnenführerschein. Da werden gebetsmühlenartig Tempolimits und Vorfahrtsregeln erklärt, Zeichen und Schilder gepaukt, das richtige Verhalten beim Schleusen gepredigt, Knoten geknüpft.

An Bord geht es dann mit dem praktischen Teil weiter. An die schwerfälligen Manöver eines Neun-Tonnen-Kreuzers muss man sich erst gewöhnen. Nach Schweißausbrüchen bei der Probefahrt und Herzklopfen beim Rückwärtseinparken am Steg bekommen die Süßwasser-Kapitäne dann ihre Charterbescheinigung.

Schon wenige Kilometer nach dem Kommando "Leinen los" ist die Nervosität am Steuer bei den meisten überwunden. Entspannung macht sich an Bord breit. Betriebsamkeit kommt erst wieder an den Schleusen auf. Dort müssen frisch gebackene Kapitäne und Skipper zeigen, was sie können: Das zielgenaue Einfahren in die 40 Meter lange und gut fünf Meter breite Betonschlucht, das treffsichere Tauwerfen, Anlegen und unfallfreie Wiederablegen ist manchmal Zentimeterarbeit. Speziell in der Hochsaison, wenn sich Boot an Boot, Kanu an Kanu auf engstem Raum drängeln. "Von einigen Touristen ist das Schleusen sehr gefürchtet", sagt Blue-Crown-Einweiser Frank. Seine Erfahrung ist jedoch beruhigend: "Unfälle oder Havarien passieren nur selten."

Binnenschiff vor Schloss Rheinsberg: Nach drei Stunden heißt es "Leinen los"
Crown Blue Line

Binnenschiff vor Schloss Rheinsberg: Nach drei Stunden heißt es "Leinen los"

Seit Mai dieses Jahres sind die Touren auf der Seenplatte nochmals "um hunderte von Kilometern" erweitert worden, sagt Platzikowski. Jetzt darf man ohne Führerschein auch über die Müritz, Deutschlands größten Binnensee, fahren. Bedingung: Die Crew muss sich bei der Charterfirma telefonisch an- und abmelden. Außerdem ist das Tragen von Schwimmwesten Pflicht.

Die ideale Zeit für einen Hausboot-Törn in "Meck-Pomm" ist der Spätsommer, wie sämtliche Experten sagen. Dann sind die Schiffsmieten häufig niedriger, auf Gewässern, an Schleusen und bei Landgängen herrscht nicht mehr Hochbetrieb - und die Nächte in der Koje sind angenehm kühl.

Von Berrit Gräber, AP

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