Vänern und Vättern Das Herz Schwedens
Im Zorn riss einst ein Riese zwei Schollen aus dem Acker und schleuderte sie weit weg in die Ostsee: Vänern und Vättern entstanden, so erzählt es die Saga der größten Seen Schwedens. Als Herz des Landes gilt die Region, hier findet der Urlauber alles, was Schweden ausmacht.
Alles, was Schweden ausmacht: Der Vättern im Süden des Landes
Vänersborg - Schweden-Besucher haben es nirgendwo weit bis zum Wasser. Die Küstenlinie misst gut 7600 Kilometer, und das Landesinnere wird von rund 100.000 Seen gesprenkelt. Die zwei größten - Vänern und Vättern - liegen nahe beieinander im Süden und gelten als Herz des Landes. Die Region um sie herum bietet alles, was Schweden ausmacht: bunte Wiesen, in kräftigen Farben leuchtende Höfe, von Birkenhainen gesäumte Bäche und im Hinterland tiefe Nadelwälder.
Der Vänern streckt sich auf eine Länge von 140 Kilometern, misst an der breitesten Stelle 75 Kilometer und geht fast 100 Meter in die Tiefe. Mit knapp 6000 Quadratkilometern ist er Europas drittgrößter See - am Ufer haben Besucher oft den Eindruck, sie stehen an einem Binnenmeer. Der Vättern ist mit knapp 2000 Quadratkilometern Fläche kleiner, an einigen Stellen aber umso tiefer. Lang und schmal schneidet er ins Land und besonders vom südöstlichen Steilufer aus bietet seine Oberfläche abends ein geheimnisvolles Farbenspiel.
Im Auftrag des Schwedenkönigs Gustav Wasa erbaut: Das Schloss Vadstena
Auch Per ist ein Riese von Kerl, aber gottlob nicht jähzornig. Geschichten erzählen kann er trotzdem: von fetten Bibern und Elchen, die im Norden des Vänern in den Wäldern leben. Per muss es wissen, denn er vermietet Kanus und begleitet Besucher auf dem Floß den Klarälv-Fluss hinunter, der sich bei Karlstad in den Vänern ergießt.
So viel Ruhe, das Land zu bestaunen, bietet neben dem Kanufahren wohl keine andere Form des Reisens im Seengebiet. Und das will etwas heißen, denn hektisch geht es auch bei einem anderen Klassiker nicht zu: Vänern und Vättern bilden Etappen des Götakanals, der Göteborg mit Stockholm verbindet. Wer hier ein Stück des Weges mitreisen will, sollte auf jeden Fall ein paar Schleusen mitnehmen - entweder bei Trollhättan am Südende des Vänern oder beim Verlassen des Vättern kurz hinter Motala, wo auch das Kanalmuseum zu besichtigen ist.
Keine Hektik: Der Götakanal verbindet Göteborg am Skagerrak mit Stockholm an der Ostsee
Eine knappe Autostunde weiter nördlich liegt Vadstena, im 15. Jahrhundert ein beliebtes Wallfahrtsziel. Die Klosterkirche der Heiligen Birgitta aus dem Jahr 1430 steht noch. In diesem Jahr dürfte sie besonders viele Besucher anlocken, denn die Schweden feiern den 700. Geburtstag Birgittas. Wer will, übernachtet im alten Kloster.
An der Südspitze des Vättern stoßen Besucher dagegen auf den Ursprung einer zündenden Idee: In Jönköping, der größten Stadt am See, erzählt das Streichholz-Museum in den alten Produktionshallen noch von den Anfängen des fabrikgefertigten Zündelns. Kann es da Zufall sein, dass Jönköping im Lauf seiner Geschichte mehrfach niederbrannte und entsprechend wenige Bauten mit historischem Anspruch zu bieten hat? Dafür ist die Stadt jedoch idealer Ausgangspunkt für den Abstecher ins idyllische Småland mit seinen Wäldern und Seen, die Heimat von Astrid Lindgren und ihrer literarischen Tochter Pippi Langstrumpf.
Sagenumwobenes Wasser: Ein wütender Riese soll die Seen Vänern und Vättern erschaffen haben
Kulturfreunde dagegen folgen am besten dem Ufer des Vänern. Von Vänersborg an der Südspitze des großen Wassers aus geht es im Uhrzeigersinn zunächst am Westufer entlang nach Åmål, bekannt geworden durch den mehrfach preisgekrönten Kinohit "Fucking Åmål". Nächste Station ist für viele dann Säffle, der Ausgangspunkt des Vikingaleden, einer fast 80 Kilometer langen Wasserstraße der Wikinger nach Arvika, sowie Liegeplatz eines Wikingerschiffs.
Ganz im Norden des Vänern liegt Karlstad, mit rund 80 000 Einwohnern die Metropole Värmlands mit Museen, einem Zoo und einem Vergnügungspark. Etwas weiter östlich liegt Kristinehamn mit seinem schönen Marktplatz - vom Hafen aus werden hier Fahrten in den Schärengürtel angeboten. Am Ostufer folgt dann Mariestad, wo ein Runenstein aus dem 6. Jahrhundert und der Herrenhof Säby aus dem 18. Jahrhundert als besonders sehenswert gelten. Die letzte Etappe der Rundreise ist schließlich Lidköping. Nach einem Besuch im dortigen Vänern-Museum, das viele Informationen rund um den See bietet, lohnt der Ausflug auf die Halbinsel Kållandsö zum barocken Schloss Läckö - der Adel des 17. Jahrhunderts wusste, wo man am schönsten wohnt.
Wandern immer in Nähe von Wasser: Die Region Värmland liegt im Norden des Vänern
Von Matthias Huthmacher, gms




