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Vals in Graubünden: Schweizer planen höchstes Hotel der Welt

Dubai-Feeling in Graubünden: In Vals soll mit 381 Metern das höchste Hotelgebäude der Welt entstehen. Wie eine transparente Nadel würde es die berühmte Therme von Peter Zumthor überragen.

Superlativ-Hotel in der Schweiz: 381 Meter hoch im Valsertal Fotos
7132 Hotel

Das Graubündener Bergdorf Vals ist 1996 zum Pilgerort von Architekturfans avanciert: Peter Zumthor, der berühmte Schweizer Architekt, hatte in eher zurückhaltender Anmutung die Therme Vals erbaut. Für das im Inneren spektakuläre Thermalbad wird inzwischen ein Eintritt von bis zu 80 Franken (76 Euro) verlangt.

Ganz und gar nicht zurückhaltend sind die Entwürfe, die der Immobilienunternehmer Remo Stoffel und das Büro Morphosis des US-Architekten Thom Mayne für ein neues Hotel am Platz vorgestellt haben. 381 Meter hoch soll es werden, nur 18 Meter breit und 31 Meter lang - und sich wie eine transparente Nadel hoch in den Himmel recken. Mit seiner geplanten Eröffnung 2019 würde es das höchste Hotelgebäude der Welt werden - 26 Meter höher als der jetzige Rekordhalter, das JW Marriott Marquis Hotel in Dubai.

Im vergangenen Jahr haben Maynes Entwürfe die Ausschreibung gewonnen, an der acht weltweit führende Büros teilnahmen. Initiiert hatte sie das Unternehmen 7132 Ltd., das Stoffel und dem örtlichen Steinbruchbesitzer Pius Truffer gehört und das in Vals die Therme und das Hotel 7132 betreibt. 7132 lautet die Postleitzahl von Vals.

Der neue Hotelkomplex soll aus drei Komponenten bestehen: dem 82-stöckigen Turm mit 107 Suiten, einer Skybar und einem Restaurant, verblendet mit einer spiegelnden Oberfläche. Dazu kommen eine Auskragung, die Café, Spa und Bar enthält, und ein Podium, das die Gebäude verbindet. "Die spiegelnde Fassade und das schlanke Profil verschmelzen mit der Landschaft", schreibt Morphosis auf der Webseite. Das minimalistische Objekt soll die Gäste mit der Natur verbinden.

Als Hommage an die Skulptur "Femme de Venise" von Alberto Giacometti - die, typisch für den Schweizer, sehr dünn und lang ist - soll das Hotel Femme de Vals heißen. In unmittelbarer Nähe des Mayne-Baus befindet sich die Therme Vals von Zumthor und ab 2017 auch eine 35.000 Quadratmeter große Parkanlage, die unter dem Namen Valser Path von dem japanischen Architekten Tadao Ando konzipiert wurde. Damit sind die Bauwerke von drei mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichneten Architekten in einem Tal versammelt.

Inspiration durch Dubaier Scheich

Remo Stoffel, der mit einer Firma Immobiliendienste in Dubai anbietet, hat sich vom Superlativwahn des Emirats anstecken lassen. Zu Beginn der Entwicklung hätten viele daran gezweifelt, dass die Visionen von Scheich Mohammed jemals umgesetzt werden könnten, sagt Stoffel laut der Webseite "eturbonews.com". Jetzt empfange Dubai rund zwölf Millionen Besucher im Jahr. "Dies hat mich zu meiner eigenen Vision inspiriert, 7123 Ltd. zu gründen und dieses atemberaubende Design zu beauftragen, welches in den nächsten vier Jahren in meinem Heimatort Vals gebaut wird", sagt Stoffel.

Als Zielgruppe hat 7132 Ltd. die Superreichen im Blick: Eine Nacht wird wohl mehrere tausend Franken kosten. Vals solle Ausgangspunkt und Zwischenhalt für Geschäftsreisende werden, die andere Orte in Europa aufsuchten, sagte Stoffel bei der Vorstellung des Projekts in Zürich laut der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Das Hotel solle ihnen Erholung mit der Familie bieten. Das Reisemittel der Wahl dieser Klientel: der Helikopter. Dafür soll ein Heliport in einer nahen Schlucht gebaut werden.

Ein derartiger Megabau ruft auch Kritiker auf den Plan. Zweifel bestehen laut "NZZ" an der Finanzierung. 300 Millionen will Stoffel mit seiner Immobilienfirma Priora aus eigenen Mitteln ohne Bankenfinanzierung aufbringen - Experten schätzen, dass mindestens 400 Millionen Franken für den Bau von Turm und Park nötig sein werden.

Auch der Gigantismus stört laut "NZZ" manchen: Der geplante Wolkenkratzer verstelle das Valser V-Tal, heißt es demnach. Er sei eine "Vergewaltigung" des Dorfes. Mit Alpentourismus und Nachhaltigkeit habe das nichts zu tun, der Turm trage zur Verstädterung der Alpen bei. Verglichen mit den Valser Bergen sei die Höhe des Gebäudes eigentlich gar nichts, sagte Stoffel, der in Vals aufgewachsen ist und heute in Chur lebt.

Die Valser selbst scheinen abwartend zu reagieren. Die Gemeinde hat lange nach einem Investor für das bestehende Hotel und die Therme gesucht und 2012 mit Stoffel einen Einheimischen gefunden. Auf eine Modernisierung waren die Dorfbewohner vorbereitet - die Höhe des Turms war ihnen bis zur Vorstellung der Pläne neu.

Das (vor)letzte Wort werden - wie in der Schweiz üblich - sowieso die Valser haben: Ende des Jahres werden sie über den Bau des nadelförmigen Hotels entscheiden, wenn sie eine sogenannte Zonenplanrevision absegnen. Diese müsste dann noch der Kanton Graubünden bewilligen.

abl

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insgesamt 43 Beiträge
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    Seite 1    
1. Everest View Hotel
stanislaus01 30.03.2015
Das höchste Hotel der Welt ist das Everest View Hotel in Nepal mit 5.483 m.
2. Zukunft
outsider-realist 30.03.2015
Seit Jahren verschandeln Archtiktekten nicht nur die deutschen Innenstädte mit ihren Bauklötzchenhäusern und hässlichen Giganten aus Stahl und Glas. Aussen Pfui, innen Hui. Als ob ihnen das nicht genug wäre, gehts nun in die Alpen. Ich bin alles andere als Fortschrittsverweigerer aber das ist Dreck. Ich hoffe auf die Vernunft bei der Abstimmung. Was geht in den Köpfen von einigen Architekten blos vor?
3. Wohl falsch verstanden Herr Outsider
FRS 30.03.2015
Mein lieber Herr Outsider Architekten sind Dienstleister. Es sind die Bauherren, die einen Entwurf in Auftrag geben, auswählen und letztlich bezahlen. Sie wissen doch sicher selbst, daß letztlich der bestimmt, der bezahlt. Das ist bei Ihnen selbst doch auch so, oder ? Im übrigen leben wir zum Glück in einer pluralistischen Welt, von der bestimmt auch Sie profitieren. Wenn Sie die Geschichte um die Therme in Wals kennen würden, kämen Sie wahrscheinlich auch zu der Erkenntnis, daß es hier weniger ein Architekt (Thom Mayne) ist, der hier der Größe seines Ego's Form verleihen möchte, sondern wohl eher der Bauherr selbst...
4. Schnapsidee
cobaea 30.03.2015
Über diese Fehlplanung lohnt es sich nicht, sich besondere Sorgen zu machen. Das Ding wird schon die Abstimmung in der Gemeinde nicht überstehen. Falls doch, wird das Kantonsparlament wohl die Zonenplanänderung ablehnen - und falls auch dieser Strick reissen sollte, werden wohl Natur-/Umwelt-/Heimatschützer entweder eine kantonale Abstimmung erzwingen oder Klage gegen dieses Bauvorhaben einreichen. Diese Organisationen sind in solchen Fällen klageberechtigt. Bis das dann vor Bundesgericht entschieden wird, sind die Bauherren alt und grau und/oder das Geld ist ihnen ausgegangen. Ganz davon abgesehen: Wer will denn mitten in den Bergen, aber ohne grosse touristische Infrastruktur - ausser der Therme, gibt es in Vals nichts Touristisches - in solch einer (luxuriösen) Massenunterkunft wohnen?
5.
outsider-realist 30.03.2015
Zitat von FRSMein lieber Herr Outsider Architekten sind Dienstleister. Es sind die Bauherren, die einen Entwurf in Auftrag geben, auswählen und letztlich bezahlen. Sie wissen doch sicher selbst, daß letztlich der bestimmt, der bezahlt. Das ist bei Ihnen selbst doch auch so, oder ? Im übrigen leben wir zum Glück in einer pluralistischen Welt, von der bestimmt auch Sie profitieren. Wenn Sie die Geschichte um die Therme in Wals kennen würden, kämen Sie wahrscheinlich auch zu der Erkenntnis, daß es hier weniger ein Architekt (Thom Mayne) ist, der hier der Größe seines Ego's Form verleihen möchte, sondern wohl eher der Bauherr selbst...
Mein lieber Herr FRS, Das hinter jedem Archtiktekten je nach Empfinden Menschen mit gutem und schlechten Geschmack stehen, dürfte jedem klar sein und ist kein Grund für ein Missverständnis. Ich hätte in der Tat die Bauherren auch explizit erwähnen müssen. Die Mitschuld bzw. Verantwortung der Archtitekten wird dadurch keineswegs gemindert. Sie sind ja schliesslich völlig von ihrem Konzept überzeugt und wollen dieses durchsetzen, oder etwa nicht? Ihr Hinweis auf die pluralistische Gesellschaft macht das Bauwerk auch nicht besser......wer heute noch verspiegeltes Glas verbaut, nimmt den Tod unzähliger Vögel in Kauf. Allein schon aus dem Grund gehört der Bau untersagt.....
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