Wahrzeichen der Costa Blanca: Kraxeln zu den Gipfelkatzen

Der markante Fels ziert fast jede Postkarte der Region, und sein Gipfel ist schnell erreicht. Der Aufstieg zum Ifach an der Costa Blanca jedoch hat es in sich - die Kletterei führt durch einen Tunnel, an Halteseilen entlang und auch mal auf allen Vieren über Kalksteine.

Klettertour auf den Ifach: Aufs Dach der weißen Küste Fotos
Fabian von Poser

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Die Geschichte hat ein unerwartetes Ende: Wir stehen auf dem Gipfel, 332 Meter über dem Meer, blicken über die Küste - und füttern Katzen. Sie essen alles: Gurkenschnitze, Müsliriegel, Tortilla. Selbst als es nur um Wasser geht, streichen sie uns charmant um die Beine. Doch da hört der Spaß auf, denn das Wasser gehört dem, der es hochgeschleppt hat auf das Wahrzeichen der Costa Blanca: den Peñón de Ifach.

Eine kurze, aber heftige Schinderei ist die Tour, eineinhalb Stunden geht es teilweise steil bergauf. Doch der Ausblick gehört zu den imposantesten der spanischen Mittelmeerküste: Wie eine Festung erhebt sich der Ifach über dem Wasser. Von drei Seiten wird er vom Meer umspült. Gibraltar in klein sozusagen, doch die Aussicht ist viel spektakulärer. Hinter uns schimmert tiefblau das Mittelmeer, vorne liegen uns die Hochhausriesen von Calpe zu Füßen. Wie Spielzeug sehen sie von hier oben aus.

Wir waren am frühen Morgen mitten in den Häuserschluchten von Calpe gestartet. Vom Parkplatz führte ein unscheinbarer Weg in weit geschwungenen Kurven bergauf. Links und rechts blühte die Macchia, dufteten Rosmarin, Thymian und Salbei. Immer winziger wurden die Menschen am Strand, immer kleiner die gelben Ausflugsboote im Hafen, immer schmächtiger die Hochhäuser.

Und dann standen wir plötzlich vor einer senkrechten Felswand. Noch bis 1918 war hier Schluss. Damals baute ein reicher Spanier einen 50 Meter langen Tunnel durch den Fels, mit dem der Aufstieg auch Ungeübten möglich gemacht wurde. Seitdem bahnen sich täglich mehrere hundert Wanderer den Weg auf den Fels.

Naturpark vor Hochhausschluchten

Seit jeher ist der Ifach das Wahrzeichen der Costa Blanca. Bereits in der Antike diente er als Orientierungsmarke für Seefahrer. An seinem Fuß siedelten Iberer, Phönizier, Römer und Byzantiner. Im 20. Jahrhundert war der Fels in Privatbesitz. Noch in den siebziger Jahren wollte ein wohlhabender Geschäftsmann an seinen Flanken ein Hotel errichten. Doch die Stadt untersagte den Bau.

1986 erwarb die Regierung der autonomen Region Valencia den oberen Teil des Felsens, 1987 erklärte sie ihn zum Naturpark. 1994 wurde die Nordflanke hinzugekauft und in den Naturpark eingegliedert. Seitdem stehen insgesamt 45 Hektar unter Schutz. Damit ist der Parque Natural del Peñón de Ifach einer der kleinsten Europas.

Heute schmückt der markante Fels fast jede Postkarte. Und davon verkaufen sich viele, denn alljährlich besuchen Zehntausende Deutsche, Engländer und Holländer die 25.000-Einwohner-Stadt an der Costa Blanca, viele haben sich sogar häuslich niedergelassen. Das milde Klima mit bis zu 300 Sonnentagen zieht sie an. Sie genießen das türkisfarbene Wasser und den feinen Sand der Strände. Im Hafen essen sie Schwertfisch, Garnelen und Hummer - und nippen dazu an ihrem Weißwein.

Auf uns muss der Wein noch warten. Durch den 50 Meter langen Tunnel gelangen wir auf die andere Seite des Felsens. Dahinter wird es anstrengend. Über blank polierten Kalkstein geht es immer weiter bergauf. Begleitet wird die Wanderung vom Geschrei der Weißkopfmöwen. Ein Pärchen füttert direkt am Wegesrand seine Brut. Noch etwas holprig stolpern die beiden Kleinen auf den Klippen herum. Im Frühjahr brüten die Tiere dort zu Tausenden.

Blick bis Ibiza

Die Fauna am Ifach ist einzigartig: 300 verschiedene Tierarten, darunter 60 Vogelarten, wurden hier beobachtet. Häufig sieht man Perleidechsen auf den Steinen beim Sonnenbad, dann wieder stiebt ein Kaninchen zwischen den Büschen davon. Endemisch ist die seltene Ifach-Nelke (Silene hifacensis). Nur noch 20 bis 30 Exemplare soll es davon geben.

Je höher man aufsteigt, desto atemberaubender werden die Ausblicke. Noch einmal klammern wir uns an ein Halteseil, noch einmal krabbeln wir auf den Knien über die blankpolierten Kalksteine. Dann ist es geschafft. Wir sind auf einer Höhe, die für gewöhnlich den Möwen vorbehalten bleibt. Und den Gipfelkatzen. Mittags, wenn es voll wird auf dem Ifach, betteln sie die Wanderer um ein Stück Käse oder Salami aus ihren Brotbeuteln an. Meist mit Erfolg.

Doch wegen der Katzen kommt niemand hierher, schon eher wegen des Ausblicks, denn wohl nirgendwo sonst in Europa liegen Natur und Menschgemachtes so eng nebeneinander wie hier. Auf der einen Seite strahlt das Mittelmeer, duften Kräuter, plärren Möwen. Auf der anderen erheben sich wie eine Fata Morgana die gewaltigen Hochhaustürme von Calpe.

Der Blick reicht Dutzende Kilometer die Küste entlang bis nach Moraira und darüber hinaus. Bei klarem Himmel soll man sogar die 90 Kilometer entfernte Baleareninsel Ibiza sehen.

Weitere Informationen
Anreise
Zum Beispiel mit Tuifly von elf deutschen Flughäfen nach Valencia oder mit Air Berlin nach Alicante. Von Valencia sind es zirka 120 Kilometer nach Calpe, von Alicante nur 65 Kilometer. Preise ab wenigen Euro.
Beste Reisezeit
Ganzjährig. Für die Wanderung eignen sich am besten die frühen Morgenstunden, vor allem im Sommer. Im Juli und August kann es tagsüber sehr heiß werden.
Besteigung
Zwar steht ein Drehkreuz am Eingang zum Naturpark, dort muss jedoch keine Gebühr entrichtet werden. Bei großem Andrang wird die Zahl der Besucher beschränkt. Der Weg ist gut beschildert. Der Aufstieg dauert etwa 1,5 Stunden. Bis zum Tunnel auf etwa der Hälfte der Strecke ist der Weg gut ausgebaut, danach geht es teilweise über rutschigen Kalkstein bis auf den Gipfel. Gute Trittsicherheit ist Voraussetzung.
Weitere Auskünfte
Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin, Tel. 030/8826543, www.spain.info.

Fabian von Poser/srt

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Tip
wolfgangwieland 27.06.2013
Zitat von sysopFabian von Poser Der markante Fels ziert fast jede Postkarte der Region, und sein Gipfel ist schnell erreicht. Der Aufstieg zum Ifach an der Costa Blanca jedoch hat es in sich - die Kletterei führt durch einen Tunnel, an Halteseilen entlang und auch mal auf allen Vieren über Kalksteine. http://www.spiegel.de/reise/europa/wahrzeichen-der-costa-blanca-klettertour-auf-den-ifach-a-905508.html
Während der Brutzeit der Möven ist ein stock von ca. 50 cm - direkt über dem Kopf gehalten - hilfreich. Die Möven sind teilweise durchaus angriffslustig und können Wanderern im Vorbeiflug auch stark blutende Kopfverletzungen zufügen, wie wir selbst beobachtet haben.
2. noch ein Tipp: Schuhe
morpheus175 27.06.2013
Es sollte sich eigentlich von selbst verstehen, dass man geeignetes Schuhwerk wählt. Dennoch begegnen mir bei so ziemlich jeder Ifach-Besteigung auch Wanderer mit Flip-Flops (!!!). Und ich rede hier nicht vom gut ausgebauten Weg vor dem Tunnel, sondern von den letzten Metern vor dem Gipfel. Irgendwie ist es also möglich, den Weg auch in Flip-Flops zu meistern, davon ist jedoch entscheiden abzuraten. Der Weg ist teilweise dermaßen schroff dass mit derart leichtem "Schuhwerk" enorme Verletzungsgefahr besteht und wenige Meter zur wahren Tortour werden können. Ich komme meist mit Turnschuhen mit stabiler Sohle sehr gut klar, ideal wären aber zumindest für den 2. Teil des Aufstiegs jenseits des Tunnels, feste Wanderschuhe.
3. Mehrere Hundert am Tage ?
diefreiheitdermeinung 27.06.2013
Zitat von sysopFabian von Poser Der markante Fels ziert fast jede Postkarte der Region, und sein Gipfel ist schnell erreicht. Der Aufstieg zum Ifach an der Costa Blanca jedoch hat es in sich - die Kletterei führt durch einen Tunnel, an Halteseilen entlang und auch mal auf allen Vieren über Kalksteine. http://www.spiegel.de/reise/europa/wahrzeichen-der-costa-blanca-klettertour-auf-den-ifach-a-905508.html
- das hab ich in mehr als 20 Jahren noch nie erlebt. Im Juli und August ist es den meisten dazu zu heiss. Die bleiben dann lieber an den Stränden von Calpe liegen und in den anderen Monaten sind die Besucherzahlen ganz generell zu niedrig. Bei meinem letzten beiden Besuchen - allerdings im Mai und Oktober begegnete mir über die ca. 3 Stunden Bergwanderung hinweg nicht ein einziger anderer Besucher. Nur die Möwen.
4. Die 300 Sonnenstunden stimmen!!!
gsavel 28.06.2013
Meine Frau und ich haben eineinhalb Jahr dort gelebt. Wr haben in dieser zeit weniger Regen gehabt als hier in Deutschland in einem durchschnittlichen Sommermonat. Ganz nebenbei: Besonders Calpe und dessen Umgebung hat ausgewiesenermassen WELTWEIT mit die beste Luft. Ein Grund weshalb Rennradställe aus der ganzen Welt dort im Winter ihre Trainings absolvieren. Und wem Calpe mit seinen hohen Appartementhäusern nicht gefällt, der reist ins nahegelegenen Allicante. Eine wunderschöne Stadt mit vielen kleinen Tapasbars in der verwinkelten Altstadt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Europa
RSS
alles zum Thema Spanien-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare

Bevölkerung: 46,196 Mio.

Fläche: 505.988 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Spanien-Reiseseite


Reiseziele

Welche Weltregion interessiert Sie? Wählen Sie einen Kontinent oder ein Land:

Der benötigte Flash Player 8 wurde nicht gefunden. mehr...