Wandern in den Pyrenäen Hang zum Drama

Viel Zeit und einen guten Freund: Das nahm "ADAC Reisemagazin"-Autor Sebastian Glubrecht in die Pyrenäen mit. Er sah Bergseen, mondgleiche Landschaften und knorrige Bäume, begegnete Südafrikanerinnen und Barbaren. Und erlebte auf seiner sechstägigen Wanderung ein klassisches Abenteuer.

Enno Kapitza/ADAC reisemagazin

Nach einem knochenharten Anstieg ruft Enno, der sonst eher zurückhaltend ist, ins Tal: "Was fehlt Herrn Meier?" Im Echo schallt die Antwort über die Bergseen, das grüngelbe Gras und die zerklüfteten Felsen der katalonischen Pyrenäen bis zu uns hinauf auf den 2748 Meter hohen Pass. Ich jauchze vor Freude.

Und mit einem Mal ändert sich die Lage. Die Wolken rotten sich wie Wölfe zusammen, eisiger Wind kommt auf, Regen und Hagel prasseln auf uns herab. Die Wegmarkierungen verschwinden in dichtem Nebel, und wir stecken schneller im Schlamassel, als mir aus dramaturgischen Gründen lieb ist.

Vorweg: Ja, ich wollte ein Abenteuer erleben. Eine mehrtägige Bergwanderung durch fremdes Terrain schien mir dessen ursprünglichste Form zu sein: Man zieht mit einem guten Freund hinaus in die Fremde, stellt sich einer Herausforderung, findet neue Gefährten, besiegt den ärgsten Feind und durchläuft eine Katharsis. So will es die klassische Dramentheorie. Aber wie sieht so etwas in der Praxis aus?

Es gibt einen Weg, das herauszufinden: den Carros de Foc. Er verläuft durch den einzigen Nationalpark Kataloniens, den Aigüestortes i Estany de Sant Maurici in den spanischen Pyrenäen, ist 62,7 Kilometer lang und führt über insgesamt 9700 Höhenmeter rauf und runter. Wer ihn absolviert und sich bei jeder der neun Refugis, Schutzhütten, auf dem Weg einen Stempel holt, bekommt ein braunes T-Shirt, auf dem "Carros de Foc Finisher" steht. So eines hätte ich auch gern.

Ich bin aus Norddeutschland nach Bayern gezogen und war in den vergangenen sieben Jahren bloß zweimal in den Bergen. Aber Hannibal hat schließlich auch nicht geübt, bevor er die Alpen überquerte - und der hatte noch Elefanten dabei. Ich dagegen glaube, dass man für so eine Tour drei Dinge braucht: Zeit, gute Kleidung und einen Freund.

Mein Kumpel Enno ist genau der richtige Begleiter für so eine Reise - nicht etwa, weil er als Fotograf eh der beste Freund des Reporters ist, auch nicht, weil er fast jedes freie Wochenende in den Bergen verbringt, sondern weil ich mit ihm sowohl reden als auch schweigen kann. Jetzt, beim Abstieg im Schneesturm, schweigen wir viel. Wer hätte gedacht, dass es Mitte September in den sonnigen Pyrenäen schneit?



insgesamt 4 Beiträge
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Rainer Helmbrecht 22.06.2010
1. Titel verweigert!
Zitat von sysopViel Zeit und einen guten Freund: Das nahm Autor Sebastian Glubrecht in die Pyrenäen mit. Er sah Bergseen, mondgleiche Landschaften und knorrige Bäume, begegnete Südafrikanerinnen und Barbaren. Und erlebte auf seiner sechstägigen Wanderung ein klassisches Abenteuer. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,695840,00.html
Ich habe da im Baskenland gelebt und in der Region Aquitaine wunderbare Landschaften und nette Menschen kennen gelern. http://www.file-upload.net/download-2618865/IratyPaysBasque-BP-.pps.html Viel Spaß beim Anschauen dieser *.PPS MfG. Rainer
2funky 22.06.2010
2.
Es erschreckt mich manchmal was man im Spiegel findet. Aber noch mehr, die Peinlichkeit vieler Leute ihre Erlebnisse, die erstens banal und zweitens von einer extremen Egozentrik zeugen, als die Grenzerfahrung schlechthin verkaufen. Auch wen man nach Bayern gezogen ist so bedeutet das nicht Automatisch den Erwerb von „skills“. Karten lesen, informieren und nicht zuletzt langsam an die Sache angehen zb. Erstmal mit Tagestouren beginnen wäre hilfreich. Um es auf den Punkt zubringen: Die Selbstüberschätzung vieler Leute erstaunt mich immer wieder
Rainer Helmbrecht 23.06.2010
3. Für einen titelfreies SpOn-Forum.
Zitat von 2funkyEs erschreckt mich manchmal was man im Spiegel findet. Aber noch mehr, die Peinlichkeit vieler Leute ihre Erlebnisse, die erstens banal und zweitens von einer extremen Egozentrik zeugen, als die Grenzerfahrung schlechthin verkaufen. Auch wen man nach Bayern gezogen ist so bedeutet das nicht Automatisch den Erwerb von „skills“. Karten lesen, informieren und nicht zuletzt langsam an die Sache angehen zb. Erstmal mit Tagestouren beginnen wäre hilfreich. Um es auf den Punkt zubringen: Die Selbstüberschätzung vieler Leute erstaunt mich immer wieder
Was will uns der Dichter damit sagen? MfG. Rainer
2funky 24.06.2010
4. hum
Dichter ist lieb. Habe ich mich so unklar ausgedrückt? Die gegend ist sicher Schön kein zweifel. Aber mir gefällt der Artikel nicht besonders der Schreibstil. mfg 2funky
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