Wandern in Piemont Barolo oder Barbaresco

Piemont, Italiens zweitgrößte Region, stellt seine Gäste vor schwierige Entscheidungen: Weintrinken oder Wandern, Trüffel oder edle Tropfen, Alba oder La Morra? Für aktive Genusstouristen passt alles zusammen.


Blick auf Barbaresco: Die "Enoteca Regionale" ist in der umgebauten Kirche San Donato untergebracht
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Blick auf Barbaresco: Die "Enoteca Regionale" ist in der umgebauten Kirche San Donato untergebracht

Barolo - Weintrinken und Wandern, wie passt das zusammen? "Ganz hervorragend", sagen diejenigen, die in Piemont die unverwechselbaren Hügelketten rund um Asti und Alba per pedes erobert haben: Weinberge, so weit das Auge reicht, eingerahmt von Haselnuss- und Kastanienwäldern, dazwischen, auf den Erhebungen ebenso wie im Schutz der Täler, mittelalterliche Dörfer, Burgen und Paläste.

Und wo macht man am besten Station, im tiefer gelegenen Alba mit seinen imposanten Türmen oder im kleinen La Morra mit dem atemberaubenden Blick von der hohen Piazza? Schwer zu sagen, denn überall laden hinter historischen Mauern Weinkeller und Bars zum Verweilen ein bei einem guten Glas Barolo oder Barbaresco.

Piemont, Italiens zweitgrößte Region, sonnt sich seit langem im Ruhm der kulinarischen Köstlichkeiten: Edle Tropfen, Trüffel, die Piemont-Kirsche und der Risotto-Reis sind typisch für die Landschaften "am Fuße der Berge", wie die Übersetzung des Namens lautet.

Tourpakete von Ort zu Ort sind wenig verbreitet

Doch die klassischen Genusstouristen, die im Oktober zur traditionellen Trüffelmesse einen Kurztrip nach Alba unternehmen, bleiben schon lange nicht mehr unter sich. Immer mehr Wander- und Fahrradfans haben die Bezirke Monferrato, Langhe und Roero für sich entdeckt. Die Tourismusbehörden vor Ort wiederum forcieren den neuen Aktivurlaub. Sie weisen markierte Wander- und Zweiradstrecken aus und bieten "Trekking" an, wie Fußmärsche in Italien genannt werden.

Klein, aber berühmt: Das Dorf Barolo gab dem gehaltvollen Rotwein der Nebbiolo-Traube den Namen
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Klein, aber berühmt: Das Dorf Barolo gab dem gehaltvollen Rotwein der Nebbiolo-Traube den Namen

Am einfachsten dürfte es derzeit noch sein, von einem festen Quartier aus Tagestouren zu unternehmen. Denn anders als in Deutschland sind die Angebote von Tourpaketen von Ort zu Ort - auch mit Gepäcktransport - noch wenig verbreitet. Bei etwas mehr Organisationsaufwand sind aber auch Rundkurse machbar. Manche Kommunen, wie etwa Barbaresco, haben zudem Kochkurse und Ausflüge auf Weingüter im Angebot.

Wer nicht nur die faszinierende Kulturlandschaft des Piemont, sondern auch die Menschen kennen lernen will, der sollte zumindest zeitweise bei Weinbauern wohnen. So wie bei Anna Gallina. Die kräftig gebaute Italienerin führt mit ihrem Mann und ihrer ebenso stämmigen Tochter ein Weingut mit drei Zimmern und Restaurant in einem Vorort von Santo Stefano Belbo.

Zweimal die Woche fertigt Anna Gallina frische Pasta. Dann trocknen tagsüber auf den Restaurant-Tischen Bandnudeln neben edel gefüllten Teigtäschchen. Abends serviert die Inhaberin und Köchin stolz ihre appetitlich duftenden Nudelkreationen. Dazu schenkt sie den eigenen Dolcetto d'Alba aus. Als Beigabe verteilt sie Tipps, welchen Weg ihre Gäste am nächsten Tag am besten nehmen sollten. "Da haben Sie den schönsten Blick über die Hügel" oder "Dort habe ich Freunde, die zeigen Ihnen ihre Weinkeller", sagt sie. Da die Piemonteser als begnadete Organisatoren gelten, ist auf solche Ratschläge stets Verlass.

Barolo und Barbaresco sind das teuerste Weinbauland Italiens

Auch die Städte und kleinen Dörfer der Region sind geeignete Ausgangspunkte für jede Art von Partien zu Fuß. Zum Beispiel Alba, die Hauptstadt der Langhe mit 30.000 Einwohnern und einem mittelalterlichen Stadtkern. Ein Spaziergang durch das ebene Zentrum mit seinen Türmen, Kastellen und den Ziegelbauten in warmen Farben macht Lust auf eine nette Bar: großartige Weine und weiße Trüffel haben ihren Platz auf zahlreichen Menü-Karten - und ihren Preis.

Piemonter Impression: Weinberge, so weit das Auge reicht, und unverwechselbare Hügelketten
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Piemonter Impression: Weinberge, so weit das Auge reicht, und unverwechselbare Hügelketten

Ganz anders La Morra: Auf einem Vorgebirge in gut 500 Meter Höhe gelegen, ist der 2600-Einwohner-Ort schon aus der Ferne zu bewundern. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad aus dem Tal ankommt, ist bei warmen Wetter schnell durchgeschwitzt. Doch der Weitblick über das Rebland entschädigt für alle körperliche Anstrengung. Und in der "Cantina Communale di La Morra", dem Ausstellungsort der umliegenden Weingüter, lässt sich vorzüglich Barolo, Barbera und Langhe Nebbiolo testen.

Noch kleiner, dafür aber umso berühmter ist der Ort Barolo mit rund 700 Einwohnern. Das Kastell-bewachte Dorf gab dem edlen, gehaltvollen Rotwein der Nebbiolo-Traube den Namen. In der Befestigungsanlage, deren Bau auf das 10. Jahrhundert zurückgeht, steigen die meisten Besucher zuerst in den Keller: In den wohltemperierten alten Gewölben befindet sich die "Enoteca Regionale del Barolo". In langen Regalen liegen und stehen historische und aktuelle Flaschen, ein Tropfen feiner als der nächste. Für ein paar Euro kann der Besucher drei regelmäßig wechselnde Barolo-Weine verkosten.

In Barbaresco wiederum ist die "Enoteca Regionale" in der umgebauten Kirche San Donato untergebracht. Auch hier wird dem Weingott bei ähnlichen Proben gehuldigt. Dank des Rufes von Barolo und Barbaresco sind die Parzellen an den dortigen Berghängen das teuerste Weinbauland Italiens. Die Spitzenweine werden selbst am Ort ihrer Erzeugung nicht wirklich günstig verkauft. Dennoch lässt sich der flüssige Luxus ohne besondere, sonst in Italien geltende Kleiderregeln genießen: Selbst in Wanderstiefeln oder Radlerhose ist der Gast in der Enoteca willkommen.

Von Petra Kaminsky, gms

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