Wangerooge Strandkrabben und die größte Salzstange der Welt

Wie unterscheidet sich eine Krabbe von einem Krebs? Wie funktioniert das mit der Ebbe? Das Wattenmeer ist für Matsch liebende Kinder wie gemacht, und Wattführerin Petra beantwortet jede ihrer Fragen. Auch sonst dürften sich Familien auf der Insel Wangerooge kaum langweilen.


Wattführerin Petra Lösch: Was sich im Matschboden so alles finden lässt
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Wattführerin Petra Lösch: Was sich im Matschboden so alles finden lässt

Wangerooge - Wangerooge ist eine Familieninsel und der Strand im Sommer von Kindern bevölkert. Verloren gehen kann der Nachwuchs kaum - dafür ist die kleine ostfriesische Insel zu überschaubar. Und egal ob Pension in zentraler Lage oder Ferienwohnung am Dorfrand, der Weg an den Strand ist zu Fuß immer locker zu bewältigen.

Spielplätze gibt es auf Wangerooge gleich mehrere, einen davon sogar mit Meerblick direkt vor der Kurverwaltung und der Surfschule. Wer hier turnt oder schaukelt, guckt auf Kutter und Containerschiffe, die in der Fahrrinne vor der Nordküste langsam an der Insel vorbeiziehen. Karussell und Wippen sind im Sommer fast immer besetzt. Die Einradfahrer haben hier ebenfalls ihr Revier. Nur eine Sandkiste gibt es nicht - schließlich ist der ganze Strand eine.

Auch das Wattenmeer ist wie für Kinder gemacht - wo sonst können sie hemmungslos im Matsch spielen - und bei Wattwanderungen noch etwas dazulernen. Auf Wangerooge gibt es sogar spezielle Touren für Kinder bis zum Alter von sieben Jahren. Zum Treffpunkt am Alten Leuchtturm kommen dann Dutzende von Kinderkarren vorgefahren, und selbst die Kleinsten mit Schnuller sind mit von der Partie.

Blick auf die Westspitze der Insel: Hier legen die Fähren an, im Westturm ist die Jugendherberge untergebracht
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Blick auf die Westspitze der Insel: Hier legen die Fähren an, im Westturm ist die Jugendherberge untergebracht

Wattführerin Petra Lösch nimmt entsprechend Rücksicht auf das eingeschränkte Bewegungsvermögen. Die Wanderungen dauern nur eineinhalb Stunden, die Strecke ist kürzer, und das pädagogische Programm so, dass Vierjährige nicht gleich abgeschreckt werden.

Von der Insel zum Festland sind es nur rund zehn Kilometer. Dazwischen liegt das Wattenmeer, im Schnitt 2,90 Meter tief - und bei Ebbe im Prinzip komplett trocken. "Theoretisch kann man rüberlaufen", erzählt Petra, "aber alleine ist das riskant, und Führungen ans Festland bieten wir nicht an." Das hat vor allem damit zu tun, dass die Seehunde auf den Sandbänken zwischen Inselsüden und Küste möglichst ungestört bleiben sollen.

Bei den Wattwanderungen gibt es aber auch so genug zu sehen: den Queller zum Beispiel, "die größte Salzstange der Welt". Die Pflanze wächst in den Salzwiesen vor der Küste und übersteht auch regelmäßige Überflutungen. Das Salz aus dem Meerwasser speichert sie in ihren Zellen - und das kann man schmecken. "Probiert mal!", sagt Petra. Wer sich traut, kann sich von dem salzigen Geschmack überzeugen.

Spielplatz am Strand: Kutter und Containerschiffe ziehen langsam an der Insel vorbei
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Spielplatz am Strand: Kutter und Containerschiffe ziehen langsam an der Insel vorbei

Auch bei Regenwetter müssen Eltern keine Panik vor quengelndem Nachwuchs haben. Bis die nächste frische Brise die Wolken Richtung Festland verjagt hat, lässt sich die Zeit im Nationalpark-Haus vertreiben - und dort noch mehr über den Lebensraum Wattenmeer erfahren. In einem Aquarium können die Besucher sich mit einer Lupe angucken, wie es in der Nordsee unter Wasser aussieht: Seenelken gibt es da zum Beispiel, Miesmuscheln voller Seepocken, Garnelen und Tang.

Beliebt vor allem bei kleinen Kindern ist auch die Seekiste, in der "Schätze aus dem Meer" ausgestellt werden, Bernstein und Austern etwa oder große Exemplare der Pfeffermuschel. Ein Wattbodenmodell veranschaulicht, wo welche Muschel lebt. Eine Vitrine zeigt, wie sich die Eier von Brandschwalben und Seeregenpfeifern unterscheiden.

Wer sich mit der Vogelwelt der Insel vertrauter machen will, ist gut beraten, an einer der Führungen teilzunehmen, die an den beiden Naturpark-Stationen starten, die vom Inseldorf aus problemlos mit dem Fahrrad zu erreichen sind. Die Teilnehmer bekommen ein Fernglas und können dann unterwegs beobachten, wie Herings- und Silbermöwen über den Dünen schweben oder Austernfischer durchs Watt staken.

Ausdrücklich auch für Kinder sind die Spülsaumwanderungen, die von Mitarbeitern des Nationalpark-Hauses angeboten werden: Die kleinen Forscher dürfen dabei am Strand sammeln, was ihnen in die Finger kommt - hinterher werden die Fundstücke verglichen und erklärt, wie sich zum Beispiel eine Strandkrabbe von einem Taschenkrebs unterscheiden lässt.

Fährschiff "Harlingerland": Die Anreise per Boot stimmt schon einmal auf den Inselurlaub ein
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Wangerooge lässt sich ideal mit dem Fahrrad erkunden. Räder, auch solche mit Kindersitz oder Anhänger, können an vielen Stellen ausgeliehen werden. Ambitionierte Familien umkreisen die Insel komplett. Einzelne Ausflüge bieten sich aber zum Beispiel in den Westen an, wo die Fähre anlegt und der Westturm in den Himmel ragt, in dem heute die Jugendherberge untergebracht ist. Das "Café Harle-Hörn" in der Nähe ist der ideale Stopp vor der Rückfahrt.

Wer die entgegengesetzte Seite der Insel erkunden möchte, fährt Richtung Osten am Flughafen vorbei, lässt die Räder dann stehen und nimmt den Dünenüberweg zum Strand. Scharfgarbe wächst hier, Löwenzahn leuchtet, Hagebutten blühen in Weiß und Rosa, und dann ist der Strand zu sehen: breit und ganz ohne Strandkörbe an dieser Stelle.

Bei hartnäckig trübem Wetter - auf den ostfriesischen Inseln im Sommer eher die Ausnahme - bietet sich das Meerwasser-Freizeitbad "Oase" an. Kinder bis vier Jahren haben freien Eintritt. Geld sparen hilft auch die Familien-Tageskarte. Extra-Tarife gelten für Angebote wie Babyschwimmen oder Schwimmkurse. Einen hohen Spaßfaktor hat für Kinder vor allem die 70 Meter lange Riesenwasserrutsche - von oben fällt der Blick auf den Strand, dann geht es in der Röhre durch etliche Kurven bergab.



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