Wasserski auf dem Walchsee: Lektion eins - Haltung!

Von Martin Cyris

Zwei Bretter, ein Seil, ein blauer See und Heimatfilmkulisse: Wasserski in den Alpen ist ein echter Klassiker, schon in den fünfziger Jahren ließen sich Filmstars ins Schlepptau nehmen. Der Walchsee ist der einzige See Tirols, in dem man übers Wasser brettern kann.

Wasserski auf dem Walchsee: Nicht ziehen, ziehen lassen! Fotos
Martin Cyris

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"Bist deppert?" Dem draufgängerischen Touristen wird unmissverständlich klargemacht, dass er kürzer treten sollte. Beziehungsweise kürzer fahren. "30 Minuten? Das hält kein Mensch aus", erklärt Renée Palm mit kernigem Tiroler Unterton. Eine halbe Stunde Wasserskifahren ist definitiv des Guten zu viel. Erst recht für einen Neuling. "Selbst Könner schaffen höchstens sieben, acht Minuten am Stück, danach sind sie platt", sagt die resolute Frau von der Wasserskischule in Walchsee am Walchsee.

Der See liegt zu Füßen des Kaisergebirges. Er bietet einen königlichen Ausblick auf die Gebirgskette des Zahmen Kaisers. Dahinter türmt sich der Wilde Kaiser auf. Kaiserwinkl nennt sich die Region rund um den Walchsee - einleuchtenderweise.

Der See ist mit knapp 100 Hektar Fläche vergleichsweise klein. Etwas abschätzig könnte man ihn auch eine Pfütze nennen. Doch der Walchsee ist der einzige See Tirols, in dem Wasserskilaufen möglich ist. Und das auch noch verkehrstechnisch gut und günstig erreichbar: mautfrei und direkt hinter der deutschen Grenze. Seit 2008 gibt es sogar eine echte Strandpromenade, immerhin einige hundert Meter lang. Unter Wassersportlern ist der kleine Walchsee mit seinen warmen Temperaturen deshalb eine feste Größe.

Und das schon seit Beginn des Touristenansturms auf die Alpen. Die Familie von Renée Palm leistete regelrecht Pionierarbeit. Mit einem Holzboot und einem Außenbordmotor experimentierte ihr Stiefvater herum, um Wasserskifahrer vom Fleck zu bekommen. So erhielt die Familie schon früh eine Lizenz für gewerbliche Schifffahrt mit Motorboot. Auf anderen Seen sind sie aus Naturschutzgründen verboten.

Palms Großvater eröffnete gar eines der allerersten Strandbäder Österreichs ohne Geschlechtertrennung. Männlein und Weiblein durften hier schon zu (Ur-)Großvaters Zeiten gemeinsam ins Wasser gehen und planschen. Freilich züchtig verhüllt.

"Beine anwinkeln, Seil zwischen die Bretter"

Lange Klamotten tragen hier heute nur noch die Anfänger im Wasserskikurs. Neoprenanzüge federn Stürze ab. Damit die möglichst selten vorkommen, geht's zur Trockenübung auf den Holzsteg. Lektion eins: Haltung einnehmen. Renée Palm erklärt, wie man sich beim Start aufrichtet und anschließend auf den Brettern stehen bleibt: "Zurücklehnen, mit dem Oarsch auf die Bretter setzen, Griff fest umklammern, Arme durchstrecken, Kopf nach oben und aufstehen." Am Seil hochziehen oder gar dagegenstemmen? Verboten. Sonst macht der Skifahrer plumps.

Vor allem nassforsche Alpinsportler, so Palm, überschätzen sich gerne. Und unterschätzen gleichzeitig die Kräfte beim Brettern auf dem Wasser. Dabei hat Wasserski so viel mit Alpinskifahren gemeinsam wie Curling mit Straßenfegen: Sieht ähnlich aus, ist aber völlig anders.

Vom Steg gleitet einer nach dem anderen ins 25 Grad warme Wasser. Für einen Alpensee sind die Temperaturen ganz beachtlich. "Beine anwinkeln, Seil zwischen die Bretter", befiehlt Renée Palm, frühere mehrfache österreichische Wasserskimeisterin. Regungslos beobachtet von neugierigen Urlaubern, die auf Holzbänken am Ufer sitzen. Wasserskischulenschau ist eben mal was anderes als Entenfüttern. Von eigener Bewegung scheinen die Herrschaften nichts zu halten, nach dem Motto: Aufs Wasser bringen mich keine zehn Pferde.

Uns auch nicht. Aber 300 Pferdestärken schon. So viel hat Motorbootfahrer Rudi unter der Haube. Den ganzen Sommer über - zumindest bei Kaiserwetter - tut er stundenlang nichts anderes, als Wasserskifahrer hinter sich herzuziehen. Nachdem er den 300-PS-Motor gestartet hat, fährt er zunächst im Stocherkahn-Tempo vorwärts, bis das Seil straff gespannt ist. Und los geht's - mit 40 km/h düst die erste Kursteilnehmerin über den blaugrünen Walchsee, Richtung Badestrand am Ostufer. Und zeigt dabei Standfestigkeit. Sie kann ein Lächeln nicht unterdrücken. Wasserskifahren scheint glücklich zu machen.

Happy, aber schlapp

Die Geschwindigkeit, der laue Wind, das Heimatfilm-Panorama - Wasserski in den Alpen ist ein echter Klassiker. Schon Filmstars in den fünfziger und sechziger Jahren, etwa Peter Alexander, ließen sich ins Schlepptau nehmen.

Doch Wasserskifahren macht nicht nur happy, sondern auch schlapp. Und zwar ziemlich schnell. "Drei, vier Minuten sind für Anfänger völlig ausreichend", erklärt Rudi, während er mit Gebärdensprache die Haltung der Fahrerin korrigiert. Sie kommt heil und ohne Sturz ans Ziel. Die Zaungäste sitzen immer noch regungslos da.

Die zweite Teilnehmerin schlägt sich bis zur ersten Wende ebenfalls recht wacker. Dann werden ihre Knie immer weicher und die Arme immer länger: In einer kleinen Welle kann sie sich nicht mehr auf den Brettern halten. Mit einem lauten Platsch geht sie vom Seil und in den See. Die Ski haben sich sofort vom Fuß gelöst. Dank Schwimmweste und der flexiblen Gummibindungen sind die Bretter im Wasser leicht wieder anzulegen.

Stürze im Walchsee sind eher eine Erfrischung denn ein Verletzungsmoment. Die einzige ernsthaftere Blessur in der Wasserskigeschichte am Walchsee kam denn auch durch eine schicksalhafte Begegnung zustande: Ein deutscher Stammgast brauste übers Wasser und näherte sich einer Boje, auf der eine Ente saß. Der Vogel wollte im letzten Moment vor dem herannahenden Skiläufer fliehen, landete aber mitten im Gesicht des Sportlers. Die Ente flog schnatternd davon, der Sportler trug ein blaues Auge davon. "Aber was für eines", lacht Palm, "der ist fortan nur noch mit Eishockeyhelm und Visier gefahren."

Ansonsten verlaufen Unfälle eher glimpflich, Gestürzte landen meist sanft und weich. Was jedoch nicht unbedingt am weichen Wasser liegt. Diese Tatsache taugt eher für Wortspiele. Aber sie ist durchaus ein Argument für ein entspannendes Bad im Walchsee. Denn der pH-Wert von fast sieben lässt erahnen, dass der See ökologisch einigermaßen im Gleichgewicht ist. "Wir haben fast Trinkwasserqualität", sagt Renée Palm.

Vroni, die gestürzte Kursteilnehmerin, kann das bestätigen. Bei ihrem Sturz hatte sie etwas Wasser geschluckt. "Das schmeckt gar nicht schlecht", versichert sie. Walchsee-Wasser ist eben Kaiserwasser.

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1. Völlige Unkenntnis
spon-facebook-10000070870 17.08.2012
Der Vollständigkeit halber 1. Der Walchensee ist mitnichten warm, sondern aufgrund seiner Tiefe (> 190m) und Lage vielmehr auch im Hochsommer ausgesprochen kalt und nur für hartgesottene Schwimmer zu empfehlen. 2. Sollte die Österreicher nicht hiemlich ihre Grenze verrückt haben so befindet sich der Walchensee immer noch in Deutschland (Oberbayern) und nicht in Tirol, gleich hinter der österreichischen Grenze.
2.
bob_hund 17.08.2012
...zwischen dem hier beschriebenen Walchsee in Tirol (in dessen Nähe ich die Sommerurlaube meiner Kindheit verbracht habe) und dem weiter westlich gelegenen, viel größeren Walchensee.
3. Bitte beachten
laufvolki 17.08.2012
Gemeint ist der Walchsee in tirol und nicht der Walchensee in Bayern!
4. zweierlei
spydergyrl 17.08.2012
Zitat von spon-facebook-10000070870Der Vollständigkeit halber 1. Der Walchensee ist mitnichten warm, sondern aufgrund seiner Tiefe (> 190m) und Lage vielmehr auch im Hochsommer ausgesprochen kalt und nur für hartgesottene Schwimmer zu empfehlen. 2. Sollte die Österreicher nicht hiemlich ihre Grenze verrückt haben so befindet sich der Walchensee immer noch in Deutschland (Oberbayern) und nicht in Tirol, gleich hinter der österreichischen Grenze.
Sie verwechseln den Walchsee mit dem WalchENsee. Das sind zwei verschiedene. Der Walchsee ist in der Tat in Tirol, bei Kufstein nach links abbiegen. Traumhaft schöne Gegend.
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