Wegestreit auf Mallorca: Wanderer müssen draußen bleiben

Von Kurt F. de Swaaf

2. Teil: Abfälle und Ruhestörung

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Gerald Hau, Auslandspressesprecher der regionalen Umweltschutzorganisation Grup Balear d'Ornitologia i Defensa de la Naturalesa (GOB), kann ein gewisses Verständnis für die Landbesitzer aufbringen. Die Eigentümer seien oft genervt von Wanderern, die Abfälle liegen lassen und in große Gruppen durchmarschieren, erklärt der deutsche Diplomgeograf. "Die verhalten sich zum Teil wie Vandalen."

Dennoch kämpft auch die GOB regelmäßig gegen Zäune. Mit Erfolg. So hat zum Beispiel der deutsche Besitzer der Finca "Es Fangar" bei Felanitx, die größte auf ganz Mallorca, nach heftigen Protesten eingelenkt und sich mit den Umweltschützern und Bürgerinitiativen auf eine Wiedereröffnung der Wege geeinigt. "Es wäre eigentlich Aufgabe der Regierung, diese Konflikte entsprechend zu lösen", so Hau. Das werde aber vernachlässigt.

Abgesehen davon könnte in einigen Fällen auch Neid eine Rolle spielen. Manche Leuten verdienen mit organisierten Wandertouren viel Geld, sagt der GOB-Sprecher. "Psychologische Faktoren dürfen deshalb nicht außer Acht gelassen werden." Zumindest ökologisch gesehen jedoch verursache die Einzäunung von Grundstücken "überhaupt keine Probleme", sagt Hau.

Jagd nur auf Privatgrund

Es gibt indes noch einen weiteren Grund für den Zaunstreit: die "Großwildjagd". Zwar leben auf Mallorca weder Rehe noch Hirsche oder gar Bären, aber dafür jede Menge verwilderte - wenn auch kaum scheue - Ziegen. Die werden von einigen Grünröcken als jagdbares Wild betrachtet und geschossen. Mit weitreichenden Folgen. Eine Jagdpacht kann nämlich nur für Grundstücke vergeben werden, über die kein öffentlich zugänglicher Weg führt. Viele Landbesitzer verpachten ihre Parzellen gerne an Jäger, weil dies gutes Geld einbringt, und sperren die Wege. Deshalb stehen sich Jagdvereine und "Excursionistas" vielerorts verfeindet gegenüber.

Angesichts der ungelösten Debatte erscheinen weitere Investitionen für den Ausbau der Wanderrouten vorerst wenig sinnvoll. Der "Consell de Mallorca" tut es trotzdem. Dessen Abteilung für Umwelt ist für die Arbeiten an der GR 221 und anderen Strecken verantwortlich. Die Inselverwaltung hat große Pläne. Man möchte die Serra de Tramuntana als Weltnaturerbe auszeichnen lassen. Da wäre ein gutes Wanderwegenetz natürlich von Vorteil. "Vielleicht werden sich die Dinge durch die Verhandlungen mit der Unesco ändern", sagt Joana Massanet vom Departement für Wirtschaft und Tourismus.

Vom Umweltressort ist zurzeit keine Stellungnahme zu bekommen. Die dort zuständige Dame und deren Vorgesetzte gehörten der Partei Unío Mallorquina (UM) an und mussten bei der kürzlichen Umbildung der Regionalregierung der Balearen ihre Posten räumen, erklärt Massanet. Die UM wurde nach einem heftigen Krach Anfang Februar aus der Regierungskoalition geworfen. Wegen Korruption.

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insgesamt 8 Beiträge
systemfeind 24.03.2010
.. ich möchte vor meiner Hochsicherheitsranch ( Minen , Elektrozaun , Kampfhunde ) auch keine Unterschichtgaffer sehen . In Drittweltstaaten hat man als Herrscher und Grundbesitzer noch Rechte ; da darf man [...]
Zitat von sysopSie schlängeln sich durch Berge, zum Meer, durch phantastische Landschaften. Seit Menschengedanken waren Fußwege auf Mallorca frei zugänglich. Nun treffen Wanderer immer öfter auf Barrieren: Viele Fincabesitzer wünschen keinen Besuch - oder nur solchen, der bezahlt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,685274,00.html
.. ich möchte vor meiner Hochsicherheitsranch ( Minen , Elektrozaun , Kampfhunde ) auch keine Unterschichtgaffer sehen . In Drittweltstaaten hat man als Herrscher und Grundbesitzer noch Rechte ; da darf man Sachbearbeitergesichter mit weißen Socken und Softeis in der Hand verprügeln lassen wenn die dumm im Naturschutzgebiet herumlungern .
reflexxion 24.03.2010
Wahrscheinlich wurden da Grundstücke mit irgendwelchen Trampelpfaden an private Investoren verkauft. Da darf man sich jetzt auch nicht wundern, wenn die einen zaun um ihren Besitz ziehen. Für Nostalgie und Romatik ist da eben [...]
Wahrscheinlich wurden da Grundstücke mit irgendwelchen Trampelpfaden an private Investoren verkauft. Da darf man sich jetzt auch nicht wundern, wenn die einen zaun um ihren Besitz ziehen. Für Nostalgie und Romatik ist da eben kein Platz mehr, aber am Ballermann ist ja noch genug Platz...
Peter Sonntag 24.03.2010
Wenn man so naiv ist, in südlichen Ländern nur mal so loswandern und ohne Hindernisse ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen, kann man interessante Erfahrungen machen. Die harmloseste ist, auf einem Acker oder vor einem Zaun zu [...]
Wenn man so naiv ist, in südlichen Ländern nur mal so loswandern und ohne Hindernisse ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen, kann man interessante Erfahrungen machen. Die harmloseste ist, auf einem Acker oder vor einem Zaun zu landen. Man kann sich aber auch plötzlich einem lieben Hundchen gegenübersehen, das einem kläffend und zähnefletschend den Wanderspaß verderben will. Da bekommt man dann begreiflicherweise Sehnsucht nach dem Balneario 6.
wll 24.03.2010
Es gibt eine ganz einfache Lösung: Mallorca solange boykottieren, bis die Regionalregierung das Problem beseitigt hat - sprich, ein vernünftiges allgemein zugängliches Wanderwegnetz eingerichtet ist. Es gibt ja auch genügend [...]
Zitat von sysopSie schlängeln sich durch Berge, zum Meer, durch phantastische Landschaften. Seit Menschengedanken waren Fußwege auf Mallorca frei zugänglich. Nun treffen Wanderer immer öfter auf Barrieren: Viele Fincabesitzer wünschen keinen Besuch - oder nur solchen, der bezahlt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,685274,00.html
Es gibt eine ganz einfache Lösung: Mallorca solange boykottieren, bis die Regionalregierung das Problem beseitigt hat - sprich, ein vernünftiges allgemein zugängliches Wanderwegnetz eingerichtet ist. Es gibt ja auch genügend andere schöne Inseln zum Wandern. Wenn die mallorquinischen Hoteliers erst einmal ein, zwei Jahre lang halbleere Häuser haben, ist genügend Druck da, das Thema schnell und energisch zu bewältigen. Denn dann hängen die jeden Widerspenstigen am nächsten Baum auf...
Berlinger 24.03.2010
Absolut richtig. Wanderer und Radler sind kultivierter und zahlungskräftiger als Ballermänner, und wer das nicht kapiert, dem ist nicht zu helfen. Dass es geht, zeigen auch andere Inseln. Notfalls bleibt man eben in [...]
Zitat von wllEs gibt eine ganz einfache Lösung: Mallorca solange boykottieren, bis die Regionalregierung das Problem beseitigt hat - sprich, ein vernünftiges allgemein zugängliches Wanderwegnetz eingerichtet ist. Es gibt ja auch genügend andere schöne Inseln zum Wandern. Wenn die mallorquinischen Hoteliers erst einmal ein, zwei Jahre lang halbleere Häuser haben, ist genügend Druck da, das Thema schnell und energisch zu bewältigen. Denn dann hängen die jeden Widerspenstigen am nächsten Baum auf...
Absolut richtig. Wanderer und Radler sind kultivierter und zahlungskräftiger als Ballermänner, und wer das nicht kapiert, dem ist nicht zu helfen. Dass es geht, zeigen auch andere Inseln. Notfalls bleibt man eben in Deutschland: Hier hat jedermann Betretungsrecht im Wald, ganz gleich, wem der Grund gehört. Außerdem gibt es im Pfälzerwald die schöneren Hütten und im bayerischen Wald die interessantere Wildnis. Und das Gejammere wegen Abfalls, das Wanderer und Radler zurücklassen würden, ist Unsinn.
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  • Datum: Mittwoch 24.03.2010 | 06:26 Uhr
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Mallorca liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ). Es gibt somit keinen Zeitunterschied zu Deutschland.
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