Von Kurt F. de Swaaf
Man folgt von Banyalbufar kommend dem ausgeschilderten Wanderweg GR 221 gen Südwesten. Der Aufstieg an den Hängen des Puig de sa Parra führt durch dichten Steineichen- und Kiefernwald. Trockenmauern aus Kalksteinen säumen den uralten Pfad. Und plötzlich ist da ein gitterversperrtes Tor. Rechts davon ein Zaun, links eine massive Mauer, darauf ebenfalls einen Zaun, zum Teil bewehrt mit Stacheldraht. Hier geht es nicht weiter.
Es ist nicht so, dass der Wanderer nicht gewarnt wurde. Am Anfang der Strecke in Banyalbufar hängt ein nagelneues Schild mit einem Hinweis auf die Blockade. In vier Sprachen. Trotzdem ist die Sperrung eine frustrierende Angelegenheit. Man muss umkehren, der eigentliche Zugang zum Gebirge bleibt dem Naturfreund versagt. Ein umgestürzter Baum hat den mit Verbotsschildern behängten Holzpfahl neben dem verriegelten Tor zermalmt. Es wirkt wie ein wütender Fingerzeig des Waldes.
Wer weiter nach Estellencs möchte, muss sich wieder ins Auto setzen oder den Bus nehmen. Alles nur, weil eine Fincabesitzerin die Welt aussperren will. Sie ist allerdings nicht die Einzige. Fast überall auf Mallorca haben in den vergangen Jahren einheimische und ausländische Grundeigentümer Fußwege gesperrt, die seit Menschengedenken frei zugänglich waren. Der GR 221, die Hauptroute der Insel, ist an gleich mehreren Stellen eine Sackgasse. Zum Ärgernis vieler Naturfreunde.
"Blockieren ist illegal!"
Für Bernardino Morejy sind die Zäune ein rotes Tuch. "Das Blockieren der Wege ist illegal", schimpft er und nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Bierglas. Die Serra de Tramuntana ist Morejys Leidenschaft. Schon seit seinem 16. Lebensjahr erkundet er diese wild zerklüftete Landschaft, die selbst ihm immer noch Überraschungen bietet. Vor 22 Jahren entdeckte der gelernte Automechaniker und ehrenamtliche Bergführer den inzwischen berühmten "Torrente de Gorg Blau S'Entreforc", einen unterirdischen Bachlauf in der Nähe des Dorfes Lluc. Heute ist Morejy 65. Sein wettergegerbtes Gesicht lässt ihn eher wie einen Fischer aussehen als wie den Betreiber einer KfZ-Werkstatt.
Angefangen habe der ganze Ärger mit der Familie March, erzählt Morejy. Das alteingesessene Großgrundbesitzergeschlecht ist Eigentümer eines Landguts unweit von Pollenca - ehemals mit öffentlichem Fußweg. Als vor ein paar Jahrzehnten Wandern auf Mallorca immer populärer wurde, zogen die Marchs als Erste einen Zaun. Schon bald gab es immer mehr Nachahmer. Es gibt kein geschriebenes Gesetz für die öffentliche Benutzung der Fußwege, sagt Bernardino Morejy, doch man könne sich auf jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht berufen. "Die Inselregierung hat einige Grundbesitzer verklagt, aber bislang ohne Resultat."
Die Beweislage ist oft unklar. Häufig müssen Belege für die historische Existenz eines Weges in Archiven gesucht werden. Liegt allerdings ein Urteil vor, dann kann es gut passieren, dass der Besitzer dies schlichtweg ignoriert. Die Behörden greifen einfach nicht durch, und manche Beamte erteilen sogar Genehmigungen für den Bau von Absperrungen, klagt Bergführer Morejy. Warum? "Weil es auf Mallorca so viel Korruption gibt."
Der Widerstand gegen die wuchernden Zäune wächst. Bernardino Morejy ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied im Wanderverein von Esporles, seinem Heimatort. Der Club wurde erst vor einem Jahr gegründet, er hat jedoch schon über 400 Mitglieder, Tendenz steigend. Schließlich ist das Wandern auf Mallorca nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch bei den Einheimischen. Sie nennen sich "Excursionistas". Die Bewegung gibt es schon seit etwa 60 Jahren, sagt Morejy. Heutzutage treten immer mehr Menschen den Vereinen bei, weil sie frei zugänglichge Wege wollen. So können die Excursionistas politischen Druck ausüben und finanzielle Mittel bündeln, um Gerichts- und Anwaltskosten zu zahlen.
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