Wegestreit auf Mallorca: Wanderer müssen draußen bleiben

Von Kurt F. de Swaaf

Sie schlängeln sich durch Berge, zum Meer, durch phantastische Landschaften. Seit Menschengedanken waren Fußwege auf Mallorca frei zugänglich. Nun treffen Wanderer immer öfter auf Barrieren: Viele Fincabesitzer wünschen keinen Besuch - oder nur solchen, der bezahlt.

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Mallorca: Getrübte Wanderfreuden auf der Insel
Der Regen hat zwar aufgehört, doch von den Bäumen tropft es weiter. Auf dem Waldboden sprießt saftiges Grün - Farne, Sauergräser und seltsame Aronsstabgewächse. Es duftet feucht. Die Wolkendecke scheint etwas dünner zu werden. Hinter dem Wanderer, ein paar hundert Meter tiefer, liegt bleigrau das Meer, geheimnisvoll glänzend und ruhig wie ein schlummerndes Raubtier. Oh ja, Mallorca ist auch bei trübem Wetter schön. Vor allem hier, in den Bergen der "Serra de Tramuntana".

Man folgt von Banyalbufar kommend dem ausgeschilderten Wanderweg GR 221 gen Südwesten. Der Aufstieg an den Hängen des Puig de sa Parra führt durch dichten Steineichen- und Kiefernwald. Trockenmauern aus Kalksteinen säumen den uralten Pfad. Und plötzlich ist da ein gitterversperrtes Tor. Rechts davon ein Zaun, links eine massive Mauer, darauf ebenfalls einen Zaun, zum Teil bewehrt mit Stacheldraht. Hier geht es nicht weiter.

Es ist nicht so, dass der Wanderer nicht gewarnt wurde. Am Anfang der Strecke in Banyalbufar hängt ein nagelneues Schild mit einem Hinweis auf die Blockade. In vier Sprachen. Trotzdem ist die Sperrung eine frustrierende Angelegenheit. Man muss umkehren, der eigentliche Zugang zum Gebirge bleibt dem Naturfreund versagt. Ein umgestürzter Baum hat den mit Verbotsschildern behängten Holzpfahl neben dem verriegelten Tor zermalmt. Es wirkt wie ein wütender Fingerzeig des Waldes.

Wer weiter nach Estellencs möchte, muss sich wieder ins Auto setzen oder den Bus nehmen. Alles nur, weil eine Fincabesitzerin die Welt aussperren will. Sie ist allerdings nicht die Einzige. Fast überall auf Mallorca haben in den vergangen Jahren einheimische und ausländische Grundeigentümer Fußwege gesperrt, die seit Menschengedenken frei zugänglich waren. Der GR 221, die Hauptroute der Insel, ist an gleich mehreren Stellen eine Sackgasse. Zum Ärgernis vieler Naturfreunde.

"Blockieren ist illegal!"

Für Bernardino Morejy sind die Zäune ein rotes Tuch. "Das Blockieren der Wege ist illegal", schimpft er und nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Bierglas. Die Serra de Tramuntana ist Morejys Leidenschaft. Schon seit seinem 16. Lebensjahr erkundet er diese wild zerklüftete Landschaft, die selbst ihm immer noch Überraschungen bietet. Vor 22 Jahren entdeckte der gelernte Automechaniker und ehrenamtliche Bergführer den inzwischen berühmten "Torrente de Gorg Blau S'Entreforc", einen unterirdischen Bachlauf in der Nähe des Dorfes Lluc. Heute ist Morejy 65. Sein wettergegerbtes Gesicht lässt ihn eher wie einen Fischer aussehen als wie den Betreiber einer KfZ-Werkstatt.

Angefangen habe der ganze Ärger mit der Familie March, erzählt Morejy. Das alteingesessene Großgrundbesitzergeschlecht ist Eigentümer eines Landguts unweit von Pollenca - ehemals mit öffentlichem Fußweg. Als vor ein paar Jahrzehnten Wandern auf Mallorca immer populärer wurde, zogen die Marchs als Erste einen Zaun. Schon bald gab es immer mehr Nachahmer. Es gibt kein geschriebenes Gesetz für die öffentliche Benutzung der Fußwege, sagt Bernardino Morejy, doch man könne sich auf jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht berufen. "Die Inselregierung hat einige Grundbesitzer verklagt, aber bislang ohne Resultat."

Die Beweislage ist oft unklar. Häufig müssen Belege für die historische Existenz eines Weges in Archiven gesucht werden. Liegt allerdings ein Urteil vor, dann kann es gut passieren, dass der Besitzer dies schlichtweg ignoriert. Die Behörden greifen einfach nicht durch, und manche Beamte erteilen sogar Genehmigungen für den Bau von Absperrungen, klagt Bergführer Morejy. Warum? "Weil es auf Mallorca so viel Korruption gibt."

Der Widerstand gegen die wuchernden Zäune wächst. Bernardino Morejy ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied im Wanderverein von Esporles, seinem Heimatort. Der Club wurde erst vor einem Jahr gegründet, er hat jedoch schon über 400 Mitglieder, Tendenz steigend. Schließlich ist das Wandern auf Mallorca nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch bei den Einheimischen. Sie nennen sich "Excursionistas". Die Bewegung gibt es schon seit etwa 60 Jahren, sagt Morejy. Heutzutage treten immer mehr Menschen den Vereinen bei, weil sie frei zugänglichge Wege wollen. So können die Excursionistas politischen Druck ausüben und finanzielle Mittel bündeln, um Gerichts- und Anwaltskosten zu zahlen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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1. kann ich verstehen
systemfeind 24.03.2010
Zitat von sysopSie schlängeln sich durch Berge, zum Meer, durch phantastische Landschaften. Seit Menschengedanken waren Fußwege auf Mallorca frei zugänglich. Nun treffen Wanderer immer öfter auf Barrieren: Viele Fincabesitzer wünschen keinen Besuch - oder nur solchen, der bezahlt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,685274,00.html
.. ich möchte vor meiner Hochsicherheitsranch ( Minen , Elektrozaun , Kampfhunde ) auch keine Unterschichtgaffer sehen . In Drittweltstaaten hat man als Herrscher und Grundbesitzer noch Rechte ; da darf man Sachbearbeitergesichter mit weißen Socken und Softeis in der Hand verprügeln lassen wenn die dumm im Naturschutzgebiet herumlungern .
2. So ist das Leben, willkommen im 21ten Jahrhundert
reflexxion 24.03.2010
Wahrscheinlich wurden da Grundstücke mit irgendwelchen Trampelpfaden an private Investoren verkauft. Da darf man sich jetzt auch nicht wundern, wenn die einen zaun um ihren Besitz ziehen. Für Nostalgie und Romatik ist da eben kein Platz mehr, aber am Ballermann ist ja noch genug Platz...
3. Wir wandern....
Peter Sonntag 24.03.2010
Wenn man so naiv ist, in südlichen Ländern nur mal so loswandern und ohne Hindernisse ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen, kann man interessante Erfahrungen machen. Die harmloseste ist, auf einem Acker oder vor einem Zaun zu landen. Man kann sich aber auch plötzlich einem lieben Hundchen gegenübersehen, das einem kläffend und zähnefletschend den Wanderspaß verderben will. Da bekommt man dann begreiflicherweise Sehnsucht nach dem Balneario 6.
4.
wll 24.03.2010
Zitat von sysopSie schlängeln sich durch Berge, zum Meer, durch phantastische Landschaften. Seit Menschengedanken waren Fußwege auf Mallorca frei zugänglich. Nun treffen Wanderer immer öfter auf Barrieren: Viele Fincabesitzer wünschen keinen Besuch - oder nur solchen, der bezahlt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,685274,00.html
Es gibt eine ganz einfache Lösung: Mallorca solange boykottieren, bis die Regionalregierung das Problem beseitigt hat - sprich, ein vernünftiges allgemein zugängliches Wanderwegnetz eingerichtet ist. Es gibt ja auch genügend andere schöne Inseln zum Wandern. Wenn die mallorquinischen Hoteliers erst einmal ein, zwei Jahre lang halbleere Häuser haben, ist genügend Druck da, das Thema schnell und energisch zu bewältigen. Denn dann hängen die jeden Widerspenstigen am nächsten Baum auf...
5. Bleibt doch in Deutschland!
Berlinger 24.03.2010
Zitat von wllEs gibt eine ganz einfache Lösung: Mallorca solange boykottieren, bis die Regionalregierung das Problem beseitigt hat - sprich, ein vernünftiges allgemein zugängliches Wanderwegnetz eingerichtet ist. Es gibt ja auch genügend andere schöne Inseln zum Wandern. Wenn die mallorquinischen Hoteliers erst einmal ein, zwei Jahre lang halbleere Häuser haben, ist genügend Druck da, das Thema schnell und energisch zu bewältigen. Denn dann hängen die jeden Widerspenstigen am nächsten Baum auf...
Absolut richtig. Wanderer und Radler sind kultivierter und zahlungskräftiger als Ballermänner, und wer das nicht kapiert, dem ist nicht zu helfen. Dass es geht, zeigen auch andere Inseln. Notfalls bleibt man eben in Deutschland: Hier hat jedermann Betretungsrecht im Wald, ganz gleich, wem der Grund gehört. Außerdem gibt es im Pfälzerwald die schöneren Hütten und im bayerischen Wald die interessantere Wildnis. Und das Gejammere wegen Abfalls, das Wanderer und Radler zurücklassen würden, ist Unsinn.
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Reiseziel Mallorca
Einreiseinfos und Zeitzonen
Mallorca liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ). Es gibt somit keinen Zeitunterschied zu Deutschland.
Beste Reisezeit
Mit seinen knapp 300 Sonnentagen im Jahr bietet Mallorca eine lange Reisesaison. Wer einsame Strände und Wildblumen erleben möchte, sollte Mallorca im März und April besuchen. Angenehm warm ist das Wasser allerdings erst ab Mitte Mai. Die angenehmste Reisezeit ist wohl der Juni: Das Wetter ist schön, und das Meer lädt zum Baden.

Im Juli und August ist es mit durchschnittlich 29 Grad Celsius sehr heiß auf Mallorca, außerdem sind die Strände und Cafés überfüllt. Im September kühlt es ab, es besteht aber auch die Gefahr von Regenschauern und Stürmen.

Für Wanderer und Radfahrer empfiehlt sich neben dem Frühjahr besonders der Herbst als Reisezeit. Im Oktober ist die Luft mild, und das Wasser hat noch bis in den November hinein Badetemperatur. Individualisten sollten Mallorca im Dezember besuchen, um noch ein paar schöne Sonnentage ohne Vorweihnachtsstress zu genießen.
Highlights
Nicht nur für Party-Touristen lohnt sich ein Abstecher nach Palma, der größten Stadt Mallorcas. Neben einem lebendigen Nachtleben bietet die Stadt viele Sehenswürdigkeiten wie etwa die "Kathedrale des Lichts" - eines der imposantesten Bauwerke Spaniens.

Eine sehr hübsches Stadtchen ist Valldemossa, berühmt für sein ehemaliges Kloster, indem schon Frédéric Chopin mit seiner Geliebten George Sand wohnte.

Im Südwesten zeigt die Insel ihre stille Seite. Ausgehend vom Badeort Sant Elm können Wanderer hier entlang der Küste mit Blick auf die Dracheninsel bis zur Klosteranlage Sa Trapa aufsteigen.

Individualreisende lieben das ländliche Inselinnere. Wer den 543 Meter hohen Tafelberg Puig de Randa erklimmt, wird belohnt: mit einem weiten Ausblick und mit dem Licor Randa, einen Kräuterlikör, den es nur dort oben gibt.

Den Sonnenaufgang beobachtet man am besten in den frühen Morgenstunden am Cap de Formentor, einer ganz im Norden gelegenen felsigen Landzunge.
Festivals und Veranstaltungen
Das wichtigste Fest der Insel ist Ostern. Die Karwoche - "Semana Santa" - wird in praktisch allen Gemeinden mit farbenfrohen Prozessionen gefeiert.

Wer es blutrünstig mag, sollte das Kostümfest der Bewohner von Sóller besuchen. Jedes Jahr im Mai spielen sie ihren Sieg gegen die maurischen und türkischen Piraten 1561 mit Säbeln und viel Kampfgeschrei nach.

Ein besonderer Tipp ist auch das "Torrent de Pareis", ein mallorquinisches Konzert, das immer im Juli an der Mündung der Wildwasserschlucht Torrent de Pareis stattfindet, wenn diese von der Hitze ausgetrocknet ist.
Reiseinfos
Viele Informationen rund um Gastronomie, Sport und Einkaufen bietet die Internetseite des Tourismusportals der Balearen www.illesbalears.es. Schön übersichtlich ist auch die kommerzielle Internetseite www.mallorca.de. Für Kulturliebhaber empfiehlt sich die offizielle Kulturseite der Balearen www.balearsculturaltour.es.
Anreise und Transport
Mallorca ist so ein beliebtes Reiseziel, dass es von den meisten Fluggesellschaften angeboten wird. Der Flug bis zum internationalen Flughafen Son Sant Joan dauert circa zwei bis drei Stunden, je nach Abflugort. Alternativ ist aber auch die nicht ganz billige Anreise mit dem Schiff möglich. Von Barcelona dauert die Überfahrt nach Palma je nach Fähre vier oder acht Stunden. Für Urlauber ohne eigenes Auto ist immer ein Platz auf der Fähre der Gesellschaft Trasmediterránea www.trasmediterranea.es frei. Wer mit dem Auto übersetzt, sollte jedoch vorab buchen.

Mallorca

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