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Grotten, Wracks und Drachenlegenden: Mallorcas schönste Tauchspots

Lichtdurchflutete Grotten, versunkene U-Boote und riesige Barrakudaschwärme: Rund um Mallorca gibt es Dutzende lohnender Tauchspots. Vor allem vor den Inseln Dragonera und Toro ist die Fischvielfalt enorm - Mondfische, Drachenköpfe und Seepferdchen inklusive.

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Palma de Mallorca - Nur wenige Minuten nach dem Abtauchen ziehen die ersten großen Barrakudaschwärme vorbei. Ihre silbrig-blauen Schuppen glänzen und blitzen in den Sonnenstrahlen, die das glasklare Wasser durchstoßen. Es sind an die hundert Exemplare. Mit Glück schwimmen hier auch Drachenköpfe Tauchern vor die Maske - und machen La Dragonera alle Ehre, der Mallorca vorgelagerten Dracheninsel.

Die Überfahrt mit dem Schlauchboot zum Tauchgebiet Cap de Tramuntana dauert nicht einmal zehn Minuten. Einst lebten hier Piraten und Schmuggler, heute bevölkern an Land nur noch kleine Drachenwesen die Insel: Die unzähligen endemischen Echsen - und nicht die Drachenköpfe - sollen der nur vier Kilometer langen und 900 Meter breiten Insel ihren Namen gegeben haben. Eine andere Theorie besagt, er stamme von der Drachenform der Insel, die als Fortsetzung des Tramuntana-Gebirges hier spektakulär im Mittelmeer versinkt.

Die Taucher an der Nordspitze sind mit Mathias Günther unterwegs. Ihm gehört die Scuba-Activa-Tauchbasis in San Telmo, einer Hafenstadt auf Mallorca. Überzeugt hat den gebürtigen Stuttgarter bei der Wahl des Standorts vor allem der Fischreichtum.

"Da Dragonera bereits 1995 zum Naturpark erklärt wurde und das Fischen und Ankern verboten ist, gibt es hier eine enorme Fischvielfalt, die im Mittelmeer ihresgleichen sucht", sagt Mathias. "Wir haben hier riesige Barrakudaschwärme. Auf unseren Tauchgängen sehen wir auch regelmäßig große Zackenbarsche, Adlerrochen und gelegentlich sogar Mondfische." Mit etwas Glück trügen seine Gäste im Sommer sogar Sichtungen von Seepferdchen, Delfinen und Schildkröten in ihre Taucherlogbücher ein.

Schweben wie Falken

Während der Mittagspause werden die beobachteten Tintenfische in den Erzählungen der Taucher immer größer und die Zahl der Barrakudas steigt auf 300 Tiere an. Nach einem Café con leche, der spanischen Variante des Milchkaffees, und einem kleinen Snack steht der zweite Tauchgang an, zu einem anderen der rund 30 Tauchplätze vor der Dracheninsel.

Mit dem Boot fährt Mathias auf dem Weg zum südlich gelegenen Cap des Llebeig dicht an den gewaltigen Steilklippen der Nordwestküste vorbei. Der salzige Meeresgeruch mischt sich mit dem Duft von Rosmarin und Heidekraut, die in den Felsnischen wachsen. Bis zu 353 Meter ragt die Insel hier in die Höhe. Nervös nehmen die Möwen, Turmfalken und die scheuen Eleonorenfalken, die zu Hunderten in den Steilklippen nisten, das Taucherboot wahr.

Wie die Falken an den Klippen, schweben die Taucher bald an den sich im Meer fortsetzenden Steilwänden hinunter. Die Wände stürzen 50 Meter fast senkrecht in die Tiefe, die Sichtweite ist ausgezeichnet. Tonnenschwere Steinbrocken liegen übereinander und bilden kleine Tunnel, durch die die Taucher hindurchschwimmen.

Stachelmakrelen vor der Stierinsel

Fast die Hälfte der 550 Kilometer langen Küste Mallorcas steht unter Naturschutz. Auch die vorgelagerte Insel Toro nahe der Bucht von Palma ist Meeresschutzgebiet, daher ist auch hier Fischen verboten. "El Toro gehört sicherlich zu den besten Tauchspots an der Westküste Mallorcas", sagt Marc Stöneberg, während er sein Boot an einer Boje festmacht.

Der Beweis folgt in sieben Metern Tiefe. Riesige Schwärme von Goldriemenfischen und Stachelmakrelen tummeln sich vor der Stierinsel, ab und zu auch Barrakudas und Drachenköpfe. Pfauenfische fressen ruhig in den Neptungraswiesen. An den Steilwänden, die bis zu 40 Meter tief abfallen, schauen neugierig Muränen aus Felslöchern.

"Viele Taucher sind überrascht, in unmittelbarer Nähe von Palma de Mallorca so fischreiche und interessante Tauchreviere zu finden", erklärt Marc, der 2005 in Illetas seine Tauchschule West Coast Divers Mallorca eröffnete. Von seiner Basis aus erreicht er innerhalb von 15 bis 20 Minuten bis zu 20 Tauchplätze. Nur drei Minuten entfernt befinden sich die Unterwasserhöhlen von Porto Pi. In die beiden Grotten fällt von oben Licht durch die Tunnelöffnungen. Es lässt das Mittelmeer im klaren Hellblau erleuchten.

Nur wenige Bootsminuten weiter Richtung Palma liegen gleich vier große Schiffswracks in 24 bis 35 Meter Tiefe. Die Sicht ist schlecht, doch Marc geleitet die Taucher geradezu auf einen 60 Meter langen Frachter hinab. Dann taucht er voraus, ins Wrack hinein - durch die Laderäume, die engen Gänge und durch die Brücke. Große Fischschwärme haben das Schiff zu ihrem Zuhause gemacht. Nur wenige Meter daneben liegen auf dem Meeresgrund zwei Frachter und ein Motorsegler.

Viele Wrackfans wollen auch in der See vor dem Eiland El Sec abtauchen: Vor Jahren wurden hier drei kleine Schiffe versenkt, die Touristen anfangs noch mit einem U-Boot namens "Nemo" besichtigen konnten. Seitdem "Nemo" nicht mehr runtergeht, haben die Taucher die Wracks und ihre Fischbewohner für sich allein. Ebenso nur wenige Kilometer vor Alcúdia an der Nordküste: Dort versenkte das spanische Militär bereits 1949 das immer noch gut erhaltene U-Boot "B1".

Grottenwelt unter Wasser

Ganz in der Nähe steuert Albert Lerycke vom Tauchzentrum Sport & Nature Alcudiamar die imposante Höhlenwelt vor der Halbinsel Victoria an. Dutzende Grotten und Unterwasserhöhlen wie der Neptun-Tempel lassen sich am Cap Pinar ertauchen. Albert führt seine Gruppe durch einen Wald von Stalaktiten. Liegt jemandem die Enge und Dunkelheit der schmalen Gänge nicht, kann er den Tauchplatz El queso erkunden: Hier tummeln sich Tintenfische, Nacktschnecken und Muränen. Tunnel und Felsspalten durchlöchern die frei liegenden Felsformationen.

Touristen, die die weiter von den Basen entfernten Tauchplätze kennenlernen wollen, nimmt Albert auf seiner "Cabo Negro" mit. Das traditionelle mallorquinischen Holzschiff ist aber nicht nur etwas für Taucher. Alle anderen können schwimmen, Kajak fahren, schnorcheln oder die Ruhe in einsamen, nur mit dem Boot erreichbaren Buchten genießen.

Schräg gegenüber vom Cap Pinar liegt die Halbinsel Formentor - auch hier gibt es Unterwasserhöhlen. Das Tauchboot von Davids Skualo-Tauchcenter in Bonaire steuert sie an: Als es über das ruhige Wasser der Pollença-Bucht fegt, türmen sich die mehrere hundert Meter hohen Steilklippen des Formentor-Kaps vor den Gästen an Bord auf. Das Wasser ist tiefblau und kristallklar, senkrecht schießen die Klippen in die Tiefe. In der Jeronimogrotte hängen gewaltige Stalaktiten. Bis zu 30 Meter weit reicht die Unterwasserhöhle in den Fels hinein.

Bekannt für seine zahlreichen Grotten ist auch der südlichere Küstenabschnitt zwischen Porto Cristo, Porto Colom und der Cala Figuera. "An der Punta Blanca in der Cala Figuera fühlt man sich im Vergleich zu den riesigen Steinformationen verschwindend klein", sagt Miquel Pascual vom Tauchzentrum Top Dive in der Nähe von El Arenal. Nicht von ungefähr kommt daher der inoffizielle Name des Ortes: Kathedrale der Steine.

Manuel Meyer/dpa/abl

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