Yorkshire Dales: In der Welt der Woll-Hobbits

Steinmauern durchziehen die Landschaft wie graue Adern, der Wind pfeift über die sanften Hügel: Auch wenn hier "Der Herr der Ringe" entstanden sein soll, sucht man in den Yorkshire Dales vergeblich nach Hobbits, Elfen und Zwergen. Dafür gibt's Schafe, Pubs und Bio-Beef.

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Grassington - Tausende weißer Wollknäuel beherrschen das Bild in den Yorkshire Dales, einem 1800 Quadratkilometer großen Naturpark im Norden Englands. Immer wieder durchbricht ein mehrstimmiges "Mäh" die Ruhe in der hügeligen Landschaft. Hier hat einst der Schriftsteller John R. R. Tolkien seine Blicke schweifen lassen und kleinwüchsige Fabelwesen für seinen Fantasy-Roman "Der Herr der Ringe" erdacht. Auf Gnome treffen Urlauber in den Yorkshire Dales allerdings nicht - dafür aber auf unzählige Schafe. Wanderer wissen die Schönheiten der Yorkshire Dales zu schätzen: Unendliche Spaziergänge eröffnen sich auf den Wegen entlang des Mittelgebirges Pennines. Die Gegend ist geprägt durch bizarre Kalksteinformationen. In der Nähe der Ortschaft Malham öffnet sich die Malham Cove, eine 80 Meter hohe Klippe aus Kalkstein, die sich über 300 Meter wie ein Amphitheater biegt. Auf dem Plateau erstreckt sich der Stein wie ein von Riesen verlegtes Straßenpflaster, Blumen wachsen aus den Ritzen und trotzen dem steifen Wind, der die Steine über die Jahrmillionen geschliffen hat. Darunter fällt eine senkrechte Wand ab, die viele Kletterer anlockt.

Auch auf zwei Rädern lässt sich viel entdecken: "Hier ist es möglich zu rasen und zu schwitzen. Man kann sich aber auch gemütlich den Wind um die Nase wehen lassen", sagt Stuart Price, der Mountainbike-Touren in den Dales anbietet. So führt eine leichtere Route von Grassington über eine geteerte Straße in Richtung Kettlewell, einem schnuckeligen Ort, der einem Werbekatalog für England zu entstammen scheint. Die Häuser ducken sich entlang des Weges hinter Büschen und Steinmauern, Blumenkästen schmücken die Fenster.

Bierbrauer und Biobauern

Sommer oder Spätsommer sind die besten Monate für einen Besuch in Yorkshire, doch auch in kalten und regnerischen Monaten hat die Gegend einiges zu bieten: Gemütliche Pubs mit Kamin und kleine Teestuben versprechen gemütliche Stunden mit einem Hauch englischer Lebensart. Fast in allen Orten laden Gaststätten zur Rast ein, bei vielen Pubs wird das Bier sogar selbst hergestellt. Im The Queens Arms in Litton zum Beispiel kommt das Bier von der Mini-Brauerei im Hinterhaus direkt auf den Tisch. Mit Steuererleichterungen versucht die britische Regierung, Wirte zum eigenen Brauen zu bringen - "und es werden immer mehr", sagt Andy Ryland vom Yorkshire Dales Nationalpark.

Ein kulinarischer Höhepunkt der Region ist das "Limestone Beef", das von regionalen Rinderrassen wie dem Galloway-Rind stammt. Die robusten Tiere mit ihrem dichten Fell grasen friedlich auf den Weiden von Yorkshire. "Das verstehen wir unter einem glücklichen Rinderleben fern der Massentierhaltung", sagt Bauer Tom Boothman. Nachdem 2001 wegen der Maul- und Klauenseuche sein gesamter Bestand geschlachtet wurde, hat sich sein Geschäft langsam erholt. Der Tourismus sei für ihn eine neue Quelle, Geld zu verdienen, sagt er. "Und ich hoffe, den Reisenden schmeckt die Bio-Wurst genauso gut wie die herkömmliche."

Reisen mit der Natur

Schafe, Kühe und grüne Wiesen - mit Naturerlebnissen wollen die Touristik-Verantwortlichen in Yorkshire Reisende vom europäischen Festland auf die Insel locken. Statt mit dem Flugzeug in die nächstgelegene Großstadt Leeds zu fliegen, können Reisende mit dem Zug zum Beispiel von Berlin nach Zeebrügge in Belgien fahren und von dort die Fähre nach Hull an der Ostküste Englands nehmen. Anschließend geht es weiter per Zug nach York oder Skipton und dann nach Grassington, eine kleine Ortschaft in dem Naturpark, die ein perfekter Ausgangspunkt für Unternehmungen ist. Zwar dauert diese Anfahrt um einiges länger und ist auch beschwerlicher als der Flug, doch stimmt die Langsamkeit schon einmal auf die Ruhe in den Tälern - auf Englisch "Dales" - in Yorkshire ein.

Auch vor Ort soll möglichst wenig Autolärm die Idylle stören: "Damit die Natur so schön bleibt, wie sie ist, sollen die Leute hier umweltfreundlich reisen. Also das Auto stehenlassen, das Rad nehmen und wandern", sagt Andy Ryland. Mit seinen Kollegen hat er ein Tourismuskonzept ausgearbeitet, das die Verkehrsbetriebe, Stadtverwaltungen, Geschäfte und Lokale einschließt. Wer ein gültiges Bus- oder Zugticket vorweisen kann, bekommt in einigen Läden, Restaurants oder Pensionen Rabatt.

Annette Reuther, dpa

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