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23. Dezember 2012, 10:50 Uhr

Schwedens beste Abenteuer

Tobt euch mal richtig aus, Outdoor-Fans

Von Håkan Stenlund und Gabriel Arthur

Sprinten mit Huskys, Paddeln im Winterfluss, Langlaufen bei den Profis: In Schwedens winterlicher Wildnis leben Outdoor-Sportler auf. Draußen sein, atmen, die Stadt vergessen - dafür empfiehlt das Magazin "Norr" zehn Zentren mit Weltklasse.

Abisko gehört zu den niederschlagärmsten Orten in Schweden. Das trockene Klima und der oft wolkenlose Himmel bieten beste Voraussetzungen für das Nordlicht-Spotting. Außerdem ist Abisko weit von sogenannter Lichtverschmutzung entfernt. Ein Sessellift transportiert die Besucher zur Aurora Sky Station hinauf, was dazu beigetragen hat, dass Horden internationaler Journalisten und Fotografen in den letzten Jahren in den kleinen Ort gekommen sind, um den besten Blick auf das Nordlicht zu erhaschen.

Die Aurora Sky Station wird vom schwedischen Touristenverband (STF) betrieben. Hier gibt es ein Café, eine kleine Ausstellung und einen Aussichtsplatz. Doch auch andere Plätze in und um Abisko eignen sich für die Beobachtung des bunten Lichtspiels. Auch einer der bekanntesten Nordlichtfotografen Schwedens, Peter Rosén, wohnt und arbeitet in Abisko.

Laxforsen - Schlittenfahrt mit Huskys

Die Siedlung mit der höchsten Schlittenhunde-Dichte des Landes muss das Dorf Laxforsen zwischen Kiruna und Jukkasjärvi sein. Fünf Touristikunternehmer besitzen zusammen 250 Hunde. Wenn man auch angrenzende Gebiete dazurechnet, erhöht sich die Anzahl sogar noch um etwa 300 Hunde. Bei jeder Fütterung heulen mehr als 500 Hunde in der sonst eher ruhigen Gegend. Diese große Anzahl beruht vor allem auf der Nähe des Eishotels in Jukkasjärvi und den vielen Nordlichtbeobachtern, die im Winter hierherkommen. Hundeschlittensafaris sind ein beliebter Zeitvertreib.

Laxforsen liegt direkt zwischen Jukkasjärvi und dem Flughafen Kiruna und ist für Touristen schnell erreichbar. Die lichten Wälder sind ideal für kurze Ausflüge oder lange Touren mit dem Hundeschlitten und auch weniger wetterempfindlich als das nahe Fjäll.

Tärnaby - Wo die Skiprofis zu Hause sind

Wer hinter das Erfolgsgeheimnis des schwedischen Alpinsports kommen will, sollte im Oktober einen Besuch in Tärnaby einplanen. Wenn die erste Kältewelle das Laxfjäll fest im Griff hat, verändert der Ort sein Gesicht. Die Elchjagd spielt dann keine Rolle mehr. Alles dreht sich nur noch ums Skifahren. Die Schneekanonen berieseln Ingemarpiste und Anjaabfahrt mit einer weißen Decke. Der erste Lift nimmt seinen Betrieb auf, und auf einmal wimmelt es in Tärnaby von Schülern, die das Skigymnasium besuchen, einheimischen Jugendlichen und anderen Skifans.

Fjällvinden, der örtliche Skiclub, trägt schon seit 1928 zur Erfolgsgeschichte von Tärnaby bei. Bengt-Erik Grahn war der erste einer Reihe von außergewöhnlichen Abfahrtsläufern, die internationale Erfolge einheimsten. Der berühmteste Sohn des Ortes, Ingemar Stenmark, kann 86 Weltcupsiege auf sein Konto verbuchen - mehr als jeder andere.

Und Anja Pärson, ebenfalls gebürtig aus Tärnaby, hält den Rekord bei den Damen, was die Anzahl internationaler Titel angeht. Stig Strand, ein Kollege aus der Stenmark-Ära weiß genau, warum die Skirennläufer aus Tärnaby so erfolgreich sind: "Was sollte man denn hier auch sonst tun außer Skifahren?"

Sorsele - Das schwedische Angel-Mekka

Der Eisenwarenhandel in Sorsele heißt AB Robert Lidén. Dort gibt es alles, was das Anglerherz begehrt, wenn man die Fische aus der Reserve locken will. Es gibt tatsächlich eine Handvoll Leute, die nur wegen des Angelns hierher ziehen. Sorsele kommt vielleicht nicht ganz an West Yellowstone in Montana heran, das US-amerikanische Angel-Mekka mit 800 Einwohnern, sechs Ausrüstungsshops für Fliegenfischer und dem unausgesprochenen Gesetz, dass Angeln der einzige Sinn des Lebens ist.

Doch Sorsele gehört zu den wenigen Orten in Schweden - und weltweit - an dem man nach 60 Minuten Autofahrt in eine beliebige Richtung fette Beute machen kann: amerikanischer Seesaibling, Lachs, Hecht, Forelle oder Äsche - diese Sorten gibt es hier in den Größenordnungen von zwei bis zwanzig Kilo. Den Benzinvorrat füllt man am besten bei Rolles Tankstelle an der Stationsgatan auf. Sorsele liegt etwa 250 Kilometer landeinwärts auf der Höhe von Luleå. Die besten Fische, einen Eisenwarenhandel und eine Tankstelle - was braucht man eigentlich mehr zum Leben?

Gafsele - Gespannte Hunde

In Gafsele sind einige der besten Trailsysteme für Hundegespanne in Schweden zu finden. Vor allem Schlittenführer, die auf der Sprintdistanz unterwegs sind, kommen zum Training hierher. Die Trails sind zwischen sieben und 24 Kilometer lang, und einige sind sogar behindertengerecht.

Die meisten Trails führen durch den angrenzenden Wald westlich des Gafsele Sleddog Centers und werden mithilfe von Pistenraupen und Schneescootern präpariert. An den Hundeschlitten kommt man in Gafsele nicht vorbei. Der erste Verein wurde bereits 1996 gegründet und hat sowohl einheimische als auch zugezogene Mitglieder, die wegen der guten Bedingungen für Schlittenhunde aus anderen europäischen Ländern hierher gezogen sind. Will man über Nacht bleiben, ist die Jugendherberge Gafsele Lodge zu empfehlen.

Åre - Hauptstadt des Fjälls

Åre verbinden die meisten Schweden mit Skifahren und einer lebendigen Restaurant- und Kneipenszene, die sehr darum bemüht ist, das jämtländische Dorf mit tausend Einwohnern zu einem zweiten Stockholm zu machen. Fragt man jedoch die, die das ganze Jahr über in Åre wohnen, was für sie das Beste dort ist, erwähnen sie weder die Skipisten noch die hippen Bars. Sie sprechen lieber von Skitouren auf dem Getryggen, den Snasahögarna oder anderen leicht zu erreichenden Gipfeln in der Nähe. Im Frühling wird oberhalb der Baumgrenze eine Runde mit Skatingskiern gedreht.

Andere Tipps sind Schlittschuhlaufen auf dem Ånnsjön oder ein Familienausflug auf dem Skiwanderweg Jämtlandstriangeln. Åre bietet weder besonders extreme noch exotische Dinge, doch die Breite des Angebots und die Vielfalt an Aktivitäten machen den Ort zu einem wichtigen Outdoor-Zentrum in Norrland. Hier gibt es von allem ein bisschen.

Funäsdalen - 300 Kilometer Loipen

Viele Langläufer der schwedischen Nationalmannschaft hatten oder haben ihren Wohnsitz in der nordschwedischen Stadt Gällivare. Oder sie haben das örtliche Skigymnasium am Fuße des Dundretfjälls besucht. Doch wer mehr zum Vergnügen in die Loipe steigt, der ist im Funäsdalen in der Provinz Härjedalen besser aufgehoben. Hier lädt ein 300 Kilometer langes Loipennetz zu phantastischen Touren auf dem Fjäll und im Tal ein. Im Herbst kommen viele Langlaufnationalmannschaften zur Vorbereitung auf die anstehende Saison hierher.

In dem kleinen lebendigen Dorf am Fuße des Funäsdalsberget kann es passieren, dass der Gewinner des Vasalaufes, Anders Blomquist, an einem vorbeispaziert. Will man verstehen, warum er in Funäsdalen trainiert, sollte man am Mittåkläppen ein paar Runden drehen. Von dort hat man eine einzigartige Aussicht über das Helagsmassiv, die Berge von Skars und andere Höhenzüge. Eine schönere Langlauftour muss erst noch erfunden werden.

Dala-Floda - Flussfahrt im Freestyle

Im Herbst und im Winter hat das Wildwasserpaddeln in Schweden Hochsaison. Und auch für diesen Sport gibt ein Zentrum auf dem Land: Dala-Floda am Fluß Västerdalsälven in Dalarna. Mitten im Dorf gibt es tolle Paddelmöglichkeiten für nicht ganz so Erfahrene. Wer mehr Herausforderung haben will, fährt nach Björbo - acht Kilometer weiter im Süden. Dort kämpfen die Einheimischen mit den zugezogenen Enthusiasten und den Touristen um die besten Wellen. Alle sind willkommen.

Am Anfang war der Kanuslalom das Highlight in Dala-Floda, doch seit Mitte der neunziger Jahre dominiert das Freestyle-Paddeln den Ort. Das idyllische Dorf ist auch ohne Paddel einen Besuch wert. Rote Holzhäuser, Öko-Restaurants und die ruhige ländliche Atmosphäre laden zum Verweilen ein. Sogar die Hühner haben hier einen eigenen Zebrastreifen!

Ottenby - Erster Zwischenstopp auf der Vogelreise

Die Lage, das Klima und die abwechslungsreiche Natur haben die Südspitze Ölands zu einem der besten Plätze für Vogelbeobachtung in Europa gemacht. Die Zugvögel, die während des Frühlings über die Ostsee nach Norden fliegen, machen auf Öland ihren ersten Zwischenstopp nach Hunderten von Kilometern in der Luft. Im Herbst kommen dann die Vögel aus Zentralasien, die auf dem Weg nach Mitteleuropa oder Afrika sind.

In dem kleinen Dorf Ottenby ist eine Vogelstation für Wissenschaftler und ein Besucherzentrum eingerichtet worden. Und südlich von Ottenby wohnt Schwedens bekanntester Vogelbeobachter Christian Cederroth in einem alten Leuchtturm. Über eine Million Vögel sind in diesem Vogel-Mekka schon beringt worden, und fast 400 verschiedene Vogelarten sind in den Beobachterjournalen vermerkt. Die Chance, hier sowohl Vögel als auch deren Beobachter zu treffen, ist daher ziemlich hoch.

Apelviken - Strand der abgehärteten Surfer

Die schwedische Surfsaison fängt dann an, wenn die Badegäste das Handtuch einpacken und den Stränden den Rücken kehren. Im Herbst, Winter und Frühjahr sind die Wellen am größten. In dicke Neoprenanzügen eingepackt, begibt sich die schwedische Surfelite nach Torö südlich von Stockholm oder nach Kåseberga in Schonen. Die meisten trifft man allerdings in Varbergan der Westküste. Seit dem großen Durchbruch des Windsurfens ist Varberg Schwedens Zentrum für alle Wassersportarten, für die ein Brett benötigt wird.

Der bekannteste Surfstrand ist Apelviken. Der ehemalige Badeort hat seine Zeit als beschauliches Dorf hinter sich und ist heute ein Stadtteil von Varberg. Doch gibt es hier immer noch Ferienhütten, einen Campingplatz und Hotels. Hier, wie auch in anderen strandnah gelegenen Teilen der Stadt lebt die Surfkultur, und viele der besten Surfer des Landes wohnen in Varberg. Wer mal zugucken will, sollte an einem stürmischen Januartag zum Strand in Apelviken gehen.

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