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Besuch in Breslau: Stadt der versteckten Zwerge

Von Bernd Ellerbrock

Die Wichte stehen auf Plätzen, hocken auf Fensterbänken oder hängen an Laternenpfählen - Besucher der EM-Stadt Breslau können auf Zwergensuche gehen, mehr als hundert Gnomenstatuen bevölkern das Zentrum. Sie alle aufzuspüren, ist schier unmöglich.

Zwergen-Tour: Bronzezeit in Breslau Fotos
Bernd Ellerbrock

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Augen auf in Wroclaw! Wo sind die Krasnoludki? Sie klettern Laternenpfähle empor, sitzen auf Fensterbänken, hängen an Hauswänden, drohen in die Oder zu plumpsen oder lümmeln auf Plätzen herum. Sie sind etwa 30 Zentimeter groß und aus Bronze gegossen. Über hundert dieser kniehohen Zwerge soll es in Breslaus restaurierter Altstadt geben, keiner weiß genau, wie viele es wirklich sind. Denn immer wieder kommen neue hinzu, während andere verschwinden. Es heißt, sie werden entführt.

Bei Breslau-Besuchern sind die kleinen Bronzeskulpturen so beliebt, dass sie inzwischen mit einem GPS-System ausgestattet sind, um bei Diebstahl geortet werden zu können. Doch manch einem Touristen reicht es auch, die Winzlinge mit Zipfelmütze als Fotomotiv mit nach Hause zu nehmen. "Auf die Jagd nach ihnen zu gehen und möglichst viele von ihnen zu finden, macht Spaß", sagt Markus Giray aus Ulm. "Als ich letzten Sommer einige Zeit in Breslau verbrachte, habe ich versucht, sie alle zu finden." Erfolglos.

Im Sommer 2001 tauchten die ersten Klein-Wroclawer als verrücktes Projekt einiger Absolventen der Hochschule der Schönen Künste in der Stadt auf. Das brachte die städtischen Werbestrategen - schon lange auf der Suche nach etwas Unverwechselbarem und Identität stiftendem - auf die Idee, noch mehr dieser Skulpturen aufzustellen. 2004 wurde der Künstler Tomasz Moczek mit der Fertigung von zwölf Zwergen beauftragt, seitdem wächst ihre Zahl unaufhörlich.

Streng genommen hat Breslau den Bronzegnomen eine Menge zu verdanken: Sie waren Teil der Freiheitsbewegung gegen die kommunistische Zwangsherrschaft. Denn in Polen gab es nicht nur Lech Walesas Solidarnosc. In Breslau kämpfe die avantgardistische "Orange Alternative", Anfang der achtziger Jahre vom Kunststudenten Waldemar Fydrych initiiert, auf eine ganz eigene Art gegen das Regime: mit der Revolution der Zwerge.

Happening mit orangefarbener Zipfelmütze

Die Aktivisten der "Orangenen Alternative" organisierten spontane Demonstrationen in Zwergenkostümen, stellten eine gusseiserne Figur namens Papa Zwerg in der Innenstadt auf und sprühten abstrakte Zwergen-Graffiti auf die Farbflächen, die durch das Übermalen regimekritischer Sprüche entstanden waren. Inspiriert von der holländischen Kabouterbewegung stichelten sie mit dadaistisch-absurden und humorvollen Methoden gegen das Regime: Sie skandierten zu Tausenden "Wir lieben Lenin", sangen vor dem Schimpansengehege im Wroclawer Zoo Stalin-Hymnen oder demonstrierten unter der Parole "Nieder mit der Hitze!"

Zu Happenings kamen sie mit orangefarbenen Zipfelmützen und fragten die Obrigkeit: Warum sollten Zwerge verhaftet werden? Sie verteilten Toilettenpapier, wenn es mal wieder Mangelware war, was das Regime schwer nervte. So wurden die Breslauer Zwerge zum Symbol eines geistreichen Widerstandes und Sinnbild der wohl farbenfrohesten antikommunistischen Opposition in Polen. Dieser Bewegung zu Ehren wurde 2004 der erste handtellergroße Zwerg in der Swidnicka Straße aufgestellt, bei der Uhr, wo sich seinerzeit die "Orange Alternative" zu ihren Aktionen versammelte.

Als Pionier gilt auch das 2005 installierte "Sisyphoschen": Es schiebt in Anlehnung an die griechische Mythologie eine Kugel vor sich her. Berühmtheit erlangten auch das "Schlafmützchen", der "Oderwäscher", "Easy Rider" vor der Maria-Magdalenen-Kirche und der auf dem Rücken liegende vollgefressene "Nimmersatt" vor einem Pizza-Hut-Lokal. "Die Zwerge sind inzwischen so etwas wie die kleinen Botschafter unserer Stadt", sagt Magdalena Korzeniowska vom polnischen Fremdenverkehrsamt.

Zwerge für den Umweltschutz

Erschaffen werden die Zwerge von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern Breslaus wie Martin Luczkowski. Bekannt sind von ihm 18 Figuren, darunter ein Sträfling hinter Gittern mit Eisenkugel am Bein, die bereits von Tausenden Touristen angefasst wurde. Auch die Ateliergemeinschaft von Beata Zwolaska-Holod, Marta Mirynowska, Paul Osöbka, Anna Bujak Bujak, Grazia Hubert und Margaret Kaszyska Habieda hat sich auf die Figurenproduktion spezialisiert - vom Entwurf bis zum Guss.

Wer sich auf die Suche nach den Winzlingen mit Zipfelmütze macht, entdeckt die Stadt aus einer pflasternahen Perspektive. Orientierung dabei gibt der vom Tourismusbüro herausgegebene Zwergenstadtplan. Auf ihm sind allein 79 der Zwerge verzeichnet, abgebildet und mit Hinweisen auf den genauen Standort versehen ("auf der Fensterbank", "vor dem Brautmodensalon", "auf dem Schiff Nereida").

Die Übersetzungen auf der Karte sind allerdings nicht immer gelungen. "Paragrafek" zum Beispiel bedeutet dort auf Deutsch "Absätze Schöpfer". Und "Chlapibrzuch i Moczypieta" wird mit "Bauch Spritzer und Ferse Nasser" übersetzt. Das Dadaistische ist wohl nicht totzukriegen in Breslau, wo im Juni die Gruppe A zur Fußball Europamannschaft antritt.

Apropos Fußball: Selbst Fremdenführer wissen nichts von einem EM-Zwerg und auf der Zwergen-Webseite www.krasnale.pl, die es sogar auf Englisch gibt, ist ein solcher nicht zu finden. Auch in der Fotogalerie sind zwar 197 Zwerge abgebildet, ein Fußballer ist aber nicht dabei. Die Breslauer sind jedoch überzeugt davon, dass er noch auftauchen wird. Irgendwann. Irgendwo.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Wrocław Breslau, was den nun??
johndo89 28.05.2012
Was den nun?? Vielleicht hätte der Autor bedenken sollen, das es den Ortsnamen " Breslau " nicht mehr gibt da der Ort nach 1945 umbenannt wurde. Wir sollten uns daran gewöhnen, das die Orte der ehemals deutschen Gebiete nun zu Polen gehören, diese auch polnische Namen tragen ( seit über 60 Jahren ) und dies so auch journalistisch richtig darstellen. Wir wohnen ja auch nicht mehr im deutschen Reich.
2. Breslau natürlich!
distel60 28.05.2012
Zitat von johndo89Was den nun?? Vielleicht hätte der Autor bedenken sollen, das es den Ortsnamen " Breslau " nicht mehr gibt da der Ort nach 1945 umbenannt wurde. Wir sollten uns daran gewöhnen, das die Orte der ehemals deutschen Gebiete nun zu Polen gehören, diese auch polnische Namen tragen ( seit über 60 Jahren ) und dies so auch journalistisch richtig darstellen. Wir wohnen ja auch nicht mehr im deutschen Reich.
Was denn sonst? Die Angelsachsen sagen auch Munich zu München und Cologne zu Köln und wir sagen halt Breslau zu Wroclaw.
3. Iss ja gut!
Europa! 28.05.2012
Zitat von johndo89Was den nun?? Vielleicht hätte der Autor bedenken sollen, das es den Ortsnamen " Breslau " nicht mehr gibt da der Ort nach 1945 umbenannt wurde. Wir sollten uns daran gewöhnen, das die Orte der ehemals deutschen Gebiete nun zu Polen gehören, diese auch polnische Namen tragen ( seit über 60 Jahren ) und dies so auch journalistisch richtig darstellen. Wir wohnen ja auch nicht mehr im deutschen Reich.
Haben wir das nicht schon dreimal geklärt? Es gibt auf der ganzen Welt Städte, die einen deutschen Namen haben, obwohl ihre Einwohner sie anders nennen. Sagen wir mal: Peking, Kanton, Chikago, Mailand, Rom, Paris, Sankt Petersburg, Moskau, Lemberg usw. Das gilt auch für Warschau, Krakau, Danzig und eben Breslau. Kein Mensch nimmt uns übel, wenn wir diese Namen benutzen, solange wir uns gut benehmen, wenn wir dort hinfahren.
4. Wieviel übertriebene politische Korrektheit brauchen wir?
ridgleylisp 28.05.2012
johndo89 heute, 11:04 Uhr : Wrocław Breslau, was den nun?? Auf Deutsch heißt es doch Breslau, was immer der politisch-historische Hintergrund. Können wir nicht mal diese ängstlich übertriebene, leider deutsche, politische Korrektheit hinter uns lassen? Die implizierten Revanschismus-Verdächte sind doch schon mal überholt. Sogar Polen nennen es bereitwillig "Breslau" wenn sie Deutsch sprechen. In jeder Sprache werden Ortsnamen der Sprache angepasst, weil sie historisch so erkennbarer sind. Wir gebrauchen ja auch nicht "Warschawa" oder "Moskva" "Bruxelles" oder "Milano", warum also "Wroclaw"? Besonders polnische Ortsnamen sind für uns total unerkennbar, und werden es auch bei unserem bestem Willen so bleiben. Wir zwingen Ausländern ja auch nicht "München" auf, weil "Munich" für sie historisch angepasster ist.
5.
spon-facebook-10000175408 28.05.2012
Wir können heute nach den Verträgen über die ehemaligen Ostgebiete beunruhigt den uns geläufigen deutschen Namen Breslau oder Oppeln benutzen
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Polen: Die Städte der Fußball-EM 2012

EM-Städte in Polen - Anreise, Übernachtung, Spielplan
Danzig
Anreise
Die Anreise nach Danzig, polnisch Gdansk, erfolgt von Deutschland aus am besten mit dem Flugzeug. Rechtzeitig zur EM wird die Anzahl der Verbindungen aufgestockt. Unter anderem gibt es Verbindungen nach Frankfurt am Main, München und Berlin. Ab Juni gibt es zudem eine direkte Zugverbindung von Berlin nach Danzig. Die Fahrt dauert rund sieben Stunden.
Übernachtung
Zwar gibt es in der Stadt sowie in der Umgebung eine Vielzahl an Hotels, doch zu den Spielen sind bereits fast alle Zimmer ausgebucht. Wer mit etwas niedrigerem Standard zufrieden ist, kann noch auf der Pferderennbahn einen Platz im Zelt ergattern. Dort wird ein Fancamp errichtet.
Geplante Spiele
Am 10. Juni tritt Spanien gegen Italien an, am 14. Juni spielt Spanien gegen Irland, am 18. Juni Kroatien gehen Spanien. Außerdem wird das Viertelfinale am 22. Juni in Danzig ausgetragen, in dem Deutschland spielt, sofern die Mannschaft von Joachim Löw Gruppensieger wird.
Warschau
Anreise
Warschau ist entweder per Bahn - der mehrmals täglich verkehrende Berlin-Warszawa-Express ist gut fünf Stunden unterwegs - oder per Flugzeug zu erreichen. Es gibt auch Busverbindungen zwischen zahlreichen deutschen Städten und der polnischen Hauptstadt.
Übernachtung
Es gibt in Warschau eine große Auswahl an Hotels, aber auch günstige Hostels. Die Preise entsprechen mittlerweile westlichem Niveau.
Geplante Spiele
Das Eröffnungsspiel am 8. Juni zwischen Polen und Griechenland, am 12. Juni Polen gegen Russland, am 16. Juni Griechenland gegen Russland, ein Viertelfinale am 21. Juni und ein Halbfinale am 28. Juni.
Breslau
Anreise
Direkflüge gibt es mit der Lufthansa und der polnischen LOT ab Düsseldorf, Frankfurt am Main und München sowie mit Wizzair ab Dortmund zum Copernicus-Airport bei Breslau, von dort geht es mit der Buslinie 406 zur Innenstadt. Mit der Bahn gibt es Direktverbindungen ab Dresden und eine Eurocity-Verbindung von Hamburg über Berlin. Von Berlin aus dauert die Bahnreise gut fünf Stunden.
Übernachtung
Breslau hat ein breites Angebot an Hotels vom Hostel bis zum Fünfsternehaus. Mit der Bahn sind außerdem Städte wie Legnica (Liegnitz) und Opole (Oppeln) zu erreichen, wo es weitere Übernachtungsmöglichkeiten gibt.
Geplante Spiele
Diese Spiele finden in Breslau statt: Am 9. Juni Russland gegen Tschechien, am 12. Juni Griechenland gegen Tschechien, am 16. Juni Tschechien gegen Polen.
Posen
Anreise
Nach Posen gibt es einige direkte Flugverbindungen, etwa von Frankfurt am Main aus. Sonst gehen die Flieger eher über Warschau. Mit dem Zug dauert es von Berlin aus etwa drei Stunden, von Köln mindestens acht.
Übernachtung
In Posen und Umgebung stehen rund 60.000 Betten zur Verfügung. Darunter sind Fünf- und Viersternehotels genauso wie einfachere Pensionen und drei Fancamps, wo Besucher zelten können.
Geplante Spiele
Am 10. Juni Irland gegen Kroatien, am 14. Juni Italien gegen Kroatien und am 18. Juni Italien gegen Irland.