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23.11.2000
 

Hallo, Taxi! (Kairo)

Dichtgedrängte Schafherde

Von Frank Schneider

In Kairo redet man nicht über den Verkehrsinfarkt. Man lebt mit ihm. Und im Taxi ist man mittendrin statt nur dabei.

"Ich bin Hosni." Der Fahrer öffnet dabei die Türen seines Gefährts. "Sie wollen zu den Pyramiden? Das macht von hier aus 25 Dollar" Sein Blick in den Rückspiegel . "Wie kommen Sie zurück?"

Die Preisfrage ist also ohne großes Schachern geklärt und sein Marketing ist auch nicht schlecht. Während wir noch überlegen, biegt Hosni bereits zügig in eine mehrspurige Straße und ordnet sich mit den Worten "Auf zu den ewigen Pyramiden!" in den Strom einer voluminösen Blechlawine ein.

Geduldspiel: Taxifahrt in der Hauptstadt Ägyptens
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Frank Schneider

Geduldspiel: Taxifahrt in der Hauptstadt Ägyptens

Kommen wir da jemals an? Wir sind schon eingekeilt wie in einer dichtgedrängten Schafherde. Das Taxi steckt mitten im real existierenden Verkehrsinfarkt Richtung Zentrum. Kein Autoinsasse im Stauinnern würde jetzt noch die Türe aufmachen, geschweige denn aussteigen können. Fahrer Hosni weiß es: "Die erste Taxifahrt in Kairo ist immer die schlimmste!"

Eine halbe Stunde später haben wir uns tatsächlich nicht nur an die arabischen Klänge aus dem plärrenden Autoradio gewöhnt, sondern auch daran, dass hier fünf oder sechs statt drei Autos nebeneinander in eine Richtung rollen. Die Hupe, das steht fest, ist dabei ebenso wichtig wie die Bremse. Aber obwohl selbst die neuesten Nobelkarossen - die gibt es hier nämlich auch - kaum ohne Schrammen oder kleine Beulen sind, regelt sich der Verkehrsstrom problemlos fast von alleine.

Plötzlich kurbelt Hosni die Scheibe herunter und beginnt mit seinem Nebenmann eine Auseinandersetzung, bei der es um die Ehre seiner Mutter gehen muss. Zumindest aber um etwas Gleichwertiges. Das Hupkonzert in dem Pulk wird währenddessen lauter, und auch die Stimme unseres Taxifahrers erreicht eine höhere Tonart. Doch die beiden Herren scheinen nun doch ihren Frieden gefunden zu haben. Wir hören ein weiteres "ma fish mesh kellah - kein Problem." Anfahrt, doch sehr weit kommt das Taxi auch jetzt nicht.

Neben uns steht ein Eselkarren, der mit dem Strom durch die Straße geschwemmt wird. Das Zugtier scheint dabei genauso stoisch wie sein Kutscher.

Ob Hosni schon mal in Deutschland war? Nein, und er weiß auch nicht, ob es ihm da gefallen würde. "Mein Kairo ist meine Welt. Es funktioniert zwar nicht alles, aber wir kommen damit ganz gut zurecht". Dabei rollt er mit dieser merkwürdigen Mischung aus entspannter Hektik in eine Kreuzung und haarscharf an einer neuen Schramme vorbei.

Mittendrin ein Polizist mit Gesten und einer Trillerpfeife, er könnte genauso gut im Teehaus sitzen. Denn mit dem Umstand, dass wir ohne Zwischenfall auf der anderen Seite ankommen, hat er eher nichts zu tun.

Wir rollen an einem Linienbus vorbei - und der ist voll besetzt bis zum Anschlag. Man springt während der langsamen Fahrt ab und auch auf, und unser Gefährt erscheint mir immer mehr wie eine Luxuslimousine. Denn als vor ein paar Minuten das Fenster offen stand, war auf der Stelle heiße, stickige Luft gepaart mit Abgasen eingedrungen. Jetzt macht sich aber die funktionierende Klimaanlage wieder bemerkbar. Dafür, was da draußen im ganz alltäglichen Straßenkampf Kairos abgeht, ist der Wagen erstaunlich gut in Schuss und vor allem sauber. Manche Dinge weiß man eben nicht sofort zu schätzen.

Nach gut einer Stunde Rushhour sind wir über den Nil und auf der Pyramid-Road, der Ausfallstraße nach Gizeh. Wir sind entspannt. "Ich mache Ihnen einen Vorschlag", sagt Hosni. "Meine Familie lebt seit Generationen in Kairo. Ich kenne deswegen alle Gassen und Straßen, und mit mir kommen sie schneller an jeden Punkt der Stadt als mit jedem anderen Taxi! Schauen Sie sich die Pyramiden an, und dann werden wir weitersehen."

Als wir zwei Stunden später von den Pyramiden zurückkehren, wartet Hosni schon. "Bevor Sie ins Museum gehen, müssen Sie eine Pause machen!" Ein besonderer Service? Eine dreiviertel Stunde später sind wir im alten Zentrum von Kairo. Hosni begleitet uns in ein Teehaus aus dem 17. Jahrhundert, wo wir in bester arabischer Tradition den Fahrpreis für den Rest des Tages aushandeln. "60 Dollar, und ihr kommt heute mit meinem Taxi, wohin ihr wollt - ein fairer Preis! Allah ist mein Zeuge!"

Natürlich will er uns noch zur großen Moschee bringen. Von dort aus sei schließlich ganz Kairo zu überblicken. Ferner will er uns noch in sein Teehaus einladen.

Kann man Taxifahrten in Kairo planen? Kaum, vor allem, wenn man unterwegs an Wasserpfeifen vorbei kommt.

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