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25.01.2001
 

Hallo, Taxi! (Nassau)

Sanft schaukelt Whisky

Von Frank Schneider

Eigentlich war ein Taxi bestellt worden. Stattdessen wurde eine Art rollender Ballsaal bereitgestellt. Eine Fahrt in tiefen Ledersesseln zwischen Kristallkaraffen und abgedunkelten Scheiben.

"Sir, Ma'am - Ihr Taxi!" Mit Schwung öffnet der Portier in der schmucken weißen Uniform des ältesten Hotels auf den Bahamas die Flügeltür und prescht sodann eiligen Schrittes dem vorgefahrenen Wagen entgegen.

Taxis dürfen vor dem altehrwürdigen British Colonial Hilton in 'Downtown' Nassau nicht einfach herumlungern und wie ein dichtgedrängtes Rudel Hyänen auf den nächstbesten Kunden warten. Und aussuchen kann man sich die Taxis dort auch nicht. Stattdessen stehen sie in angemessenem Abstand in vornehm britischer Manier gesittet hintereinander, bis ein schriller Ton aus einer Trillerpfeife vom Portal des Hotels zu verstehen gibt, dass ein Fahrzeug gewünscht wird.

Taxifahrt in Nassau: "Es war kein echter Cognac in der Karaffe"
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Frank Schneider

Taxifahrt in Nassau: "Es war kein echter Cognac in der Karaffe"

Wir haben ein Taxi bestellt, aber jetzt steht eine dieser überlangen, schneeweißen Nobelkarossen vor uns. Die Frage, ob sie wohl sechs oder vielleicht doch sieben Meter lang ist, geht mir durch den Kopf.

VIP-Gefühl

Meine Überraschung muss ziemlich offensichtlich sein. Um nicht zu sagen überdeutlich. Noch bevor ich einwerfen kann, dass wir ja nur zu zweit sind, öffnet uns der freundliche Hotelangestellte eine der hinteren Türen und beseitigt mit einem leisen "That's okay, Sir" alle Zweifel darüber, ob das Auto auch wirklich für uns ist. Und fügt noch unauffälliger hinzu "Same price, Sir".

Ich hätte einfach nur lächeln sollen. Vorher. Wenigstens habe ich auf meine Frau gehört und bin angesichts der Edelkutsche heute nicht in Jeans unterwegs.

In lauterem Ton und, als ob er schnell doch noch einen Standesunterschied vermitteln wolle, etwas kurz angebunden, teilt der Portier dem Fahrer durch dessen halbgeöffnetes Fenster mit, wohin die Fahrt geht. "Paradise Island, Hotel Atlantis, Royal Towers". Geräuschlos schließt sich das Fenster. "Evening Madame! Sir!" begrüßt uns der schwarze Fahrer mit einem Blick in seinen von uns weit entfernten Rückspiegel. Dunkles Sakko, Krawatte, graumeliertes Haar. Ein erfahrener Chauffeur. Da ist es dann doch wieder, dieses "Nobel, nobel!"-Feeling.

Fahrt inkognito

Von außen ist kein Blick ins Wageninnere möglich. Die schwarz getönten Scheiben sind weniger Wärmeschutz als vielmehr massive Sichtblockade. Die Tür klappt mit einem von der Kinoleinwand bekannten sonoren Geräusch hinter uns zu. Auch von innen nach außen bleibt eine klare Aussicht versagt. Man muss mit der Nase schon ziemlich nah an die Scheibe, um - wie etwa den Ferrari vor dem Parlamentsgebäude - Details von der Außenwelt zu sehen. Darauf kommt's aber auch gar nicht an.

Das Interieur: Wir fallen tief in die Ledersessel. Von "Sitzen" kann allerdings kaum die Rede sein, und Beinfreiheit ist Thema. Platz wie in einem Ballsaal. Hinter der Rückwand zum Fahrersitz steht eine Kristallkaraffe mit einigen Gläsern in rutschsicheren Vertiefungen auf einer ausgeklappten Bar. Sanft schaukelt Whisky, Cognac oder was auch immer so aussieht hin und her. Ich überlege ob der edle Tropfen echt oder als Teil der Raumausstattung nur vorgetäuscht ist. Die Fahrt kostet gerade mal neun Dollar - das kann doch gar nichts Hochprozentiges sein. Obwohl.

Taxi zur Schweineinsel

Sanft rollt die überlange Limousine die neue Brücke hinauf, über die man nach Paradise Island gelangt. Paradies klingt irgendwie besser als Schweineinsel, lacht der Fahrer, "Hog Island haben sie nämlich die Piraten früher genannt".

Irgendwie ist die Unterhaltung ebenso mühsam wie ungewöhnlich, sitzt der Gesprächspartner in diesem Fall doch eine ganze Ecke weiter vorne. Der Wagen hält, damit der Brückenzoll bezahlt werden kann. Der Chauffeur schmeißt einen Chip in den Behälter, die Schranke gibt den Weg frei. Unmerklich setzt sich die Nobelkarosse wieder in Bewegung und schwebt dem endgültigen Ziel entgegen.

Kurz darauf rollt das Taxi auf das Areal des millionenschweren Atlantis-Hotelkomplexes. Auf blank gewienertem Marmor hält der Wagen vor einem an Größenwahn erinnernden Brunnen voll überdimensionaler geflügelter Pferde in goldenem Scheinwerferlicht. Die Tür wird geöffnet, wir verlassen die Taxilounge. Der Chauffeur ist ebenfalls ausgestiegen, das Geschäftliche wird dezent neben dem Wagen erledigt.

Mit dem Wunsch für einen schönen Abend verabschiedet er sich, die lange Limousine rollt fast lautlos davon. Nobel, nobel, denke ich dann doch, als das nächste Gefährt dieser Art heranrollt. Der Hotelangestellte reißt die Tür auf. Heraus quälen sich zwei übergewichtige Damen in hautengen pinkfarbenen Bermuda-Leggings. Nein, ich bin mir jetzt sicher: Es war kein echter Cognac in der Karaffe.

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