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26.02.2001
 

Hallo, Taxi! (Abu Dhabi)

Klammern am Türgriff

Von Barbara Steinbauer-Grötsch

Gleichmut und Stolz sind gefragt, wenn man in der Ölmetropole Abu Dhabi zur Droschke greift. Für Ausländer keine leichte Übung in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Bei unserer Autorin zeitigte die Taxifahrt jedenfalls einen Vorher-Nachher-Effekt.

Hei Muschkleh - was für ein Problem! In zehn Minuten habe ich eine Verabredung am anderen Ende Abu Dhabis, und mein Auto hat einen Plattfuß hinten rechts. In Deutschland hätte ich mich erst einmal aufgeregt, aber hier am arabischen Golf? Aufregen? Das führt zu nichts in der schwülen Hitze der Nacht, außer vielleicht zu Herzflattern, das habe ich gelernt nach drei Jahren am Golf.

Taxifahrt in Abu Dhabi: Auf dem schnellsten Weg zum Abendessen
Foto: Barbara Steinbauer-Grötsch

Taxifahrt in Abu Dhabi: Auf dem schnellsten Weg zum Abendessen

Stolz auf meinen erworbenen Gleichmut gehe ich aus der Parkgarage hinaus auf die belebte abendliche Straße. Ich weiß, in höchstens einer halben Minute werde ich in einem der weiß-goldenen Taxis sitzen, die in Abu Dhabi so häufig sind wie Sand am Meer. Oder besser wie der Wüstensand, auf dem die Hochhäuser und Gärten, die Paläste und Boulevards stehen.

Tatsächlich habe ich sofort Glück, denn mein Appartement liegt an einer viel befahrenen Straße, die direkt in den Strandboulevard, die Corniche mündet. Der Wagen, ein Toyota Corolla, sieht neu aus - keine durchgesessenen Plastikbezüge, klemmenden Türen, nicht funktionierenden Klimaanlagen, die zum Alltag einer Taxifahrt in Abu Dhabi gehören.

Zum Alltag gehört auch, dass die Taxifahrer selten Arabisch und noch seltener Englisch sprechen, sondern zumeist Urdu oder Hindi. Der Fahrer meines Taxis, ein großer stämmiger Mann mit wildem Bart, kommt offensichtlich aus Pakistan. Er trägt einen beigen Shalwar Qamiz, eine weite Hose mit einem knielangen Hemd darüber. Aber statt exotischer Heimatklänge tönt mir das Musikprogramm des lokalen englischen Radiosenders entgegen.

Gutes Zeichen, denke ich und nenne beruhigt mein Ziel, das Restaurant Al Dafra am Hafen. Zwar wissen die Taxifahrer mit genauen Adressangaben wenig anzufangen, denn viele von ihnen können weder Straßennamen noch Hinweisschilder lesen. Das Al Dafra ist jedoch stadtbekannt, denn es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Ein Landmark eben, wie die großen Hotels oder die Glastürme der Ölgesellschaften.

Zum Al Dafra also. Ich ernte einen wilden Blick, das Auto bewegt sich keinen Millimeter. Ich greife zum bewährten Pidginenglisch, mit dem ich bislang immer Erfolg hatte. Mit den magischen vier Worten "straight", "left", "right" und "stop" kann man jeden Ort in der Stadt erreichen, vorausgesetzt, man kennt den Weg dahin selbst. Aber auch diese Methode fruchtet heute nichts. Stattdessen dreht der Mann das Autoradio so laut, dass jede Verständigung unmöglich wird. Grinsend dreht er sich zu mir um und deutet auf den gequälten Apparat, was vermutlich so viel bedeutet wie super Sound, oder?

Mir dröhnen die Ohren und mein stolzer Gleichmut gerät bedrohlich ins Wanken, denn ich möchte nur eines - auf dem schnellsten Weg zu meinem Abendessen. Hilft nur noch die dritte Methode. Ich hebe die Hand und deute energisch durch die Windschutzscheibe. Mit quietschenden Reifen setzt sich der Wagen in Bewegung. Wild gestikulierend schaffe ich es, das Taxi samt Fahrer auf die Corniche zu lotsen, die sich vom südlichen zum nordöstlichen Ende der Halbinsel erstreckt. Der Verkehr ist dicht, aber flüssig, da es auf der knapp sieben Kilometer langen Strecke nur ein paar Ampeln gibt.

Nun bestätigt sich der Verdacht, dass mein verwegener Chauffeur vor ein paar Tagen noch irgendwo in den pakistanischen Bergen herumkutschiert sein muss. Denn jeder Taxifahrer, der länger in der Stadt ist, kennt eines ganz gewiss, die Radaranlagen, die es seit einigen Jahren hier gibt. Nicht so mein waghalsigen Fahrer. Während ich mich am Türgriff festklammere und die Musik erbarmungslos weiter hämmert, gibt der Gas und jagt die schnurgerade Straße hinunter, vorbei an Straßenkreuzern und Luxuslimousinen jedweder erdenklichen Marke.

Ich versuche mir einzureden, dass die Fahrt zumindest ein Gutes hat - ich bin fast pünktlich. Und tatsächlich, nach wenigen Minuten biegt mein Chauffeur waghalsig in den Hafen ein. Mit einer letzten verzweifelten Geste kann ich ihn vor dem Restaurant zum Stoppen bewegen. Ich bezahle schnell die paar Dirham, die der Taxameter anzeigt, und steige schnell aus. Mit meinem stolzen Gleichmut ist es allerdings für heute vorbei.

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