Hamburg - Neben Strand, Meer und Sonne gehören zum Urlaub auch immer wieder so unangenehme Begleiterscheinungen wie Sonnenstich, Durchfall oder Erkältungen. Ob Grummeln im Bauch oder Kratzen im Hals - fast immer erwischt es einen auf dem falschen Fuß: Die Medikamente und der Krankenschein liegen daheim, ein Arzt ist so schnell nicht aufzutreiben.
Damit die so genannten schönsten Wochen des Jahres nicht mit Schüttelfrost im Bett enden, sollte bereits zu Hause die Vorbeugung geplant werden. "Vor dem Start in den Urlaub sollte man sich unbedingt informieren, welche Erkrankungen es vor Ort gibt und welche Impfungen erforderlich sind", empfiehlt Ralf Bialek, Tropen- und Kinderarzt am Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen.
Besonders gründlich sollte die Vorbereitung ausfallen, wenn Kinder mit auf die Reise gehen - von Last-Minute-Reisen mit dem Nachwuchs rät Bialek nicht nur aus gesundheitlichen Gründen strikt ab: "Vor allem bei Fernreisen muss man sich gut überlegen, ob man das seinen Kindern zumuten will. Fernreisen bedeuten immer Stress, zum Beispiel durch längeres Warten auf Flughäfen oder durch die Enge im Flugzeug", erklärt der Mediziner. "Dazu kommen die Zeit- und die Klima-Umstellung."
Am Urlaubsort angekommen, spielen bei vielen großen und kleinen Touristen oft schon nach kurzer Zeit Magen und Darm verrückt - irgendwann trifft "Montezumas Rache" eigentlich jeden. "An erster Stelle bei den Reiseerkrankungen steht der Reisedurchfall", bestätigt Peter Gervers, Arzt beim Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Ausgelöst werde der Durchfall meist durch Keime im Essen und in Getränken.
Auf keinen Fall blind Antibiotika verwenden
"Das Beste ist es, die Infektion auszusitzen, im wahrsten Sinne des Wortes", sagt Ralf Bialek. Auf keinen Fall sollten blind Antibiotika verwendet werden, weil diese eine Verstopfung auslösen und so bewirken könnten, dass die Erreger im Körper gehalten werden. Meistens beruhige sich der Darm wieder ganz von alleine, so Bialek. Halte der Durchfall länger an, eventuell begleitet von Erbrechen oder Fieber, sollte aber unbedingt ein Arzt aufgesucht werden - besonders dann, wenn Kinder oder Schwangere betroffen sind.
Eine andere Gefahr lauert nicht im Essen, sondern am Himmel: Vom Wunsch besessen, ordentlich Farbe zu bekommen, bleiben trotz aller Warnungen viele Urlauber noch immer viel zu lange in der Sonne sitzen. Statt gleichmäßiger Bräune sind nach dem Dauersonnenbad häufig Sonnenbrand oder sogar Sonnenstich programmiert. "In südlichen Regionen ist die Sonneneinstrahlung um ein Vielfaches höher", so Peter Gervers. Nur kurze Zeit in der Sonne zu verbringen und dabei den Körper mit Cremes und Kleidung zu schützen, seien die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen.
Damit der Kreislauf nicht zu sehr leidet, sollte außerdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. "Wie viel man braucht, hängt stark davon ab, in welchem Maß man körperlich aktiv ist", sagt Gervers. Für Trekkingtouren und ähnliche schweißtreibende Angelegenheiten in heißen Gefilden empfiehlt er, mindestens die doppelte Menge an Wasser zu trinken wie sonst.
Beginnt trotz 35 Grad im Schatten plötzlich die Nase zu laufen, ist daran häufig die Klimaanlage schuld - der Wechsel zwischen der Hitze draußen und der eisigen Kälte in Hotelzimmern, Geschäften oder Restaurants ist für den Körper nur schwer zu verkraften.
In Malaria-Gebieten immer das Schlimmste annehmen
Im Prinzip ist eine Erkältung in heißen oder tropischen Gebieten nicht gefährlicher, als sie es zu Hause wäre. Wird die Erkältung jedoch in einem Malaria-Gebiet von Fieber begleitet, "sollte immer das Schlimmste angenommen werden", warnt Gervers. Schon beim leisesten Verdacht sei es nötig, dass ein Arzt abkläre, um was es sich handele, da auch eine sorgfältige Malaria-Prophylaxe keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion bieten könne.
Auch wenn die Malaria-Gefahr nicht unterschätzt werden darf, wird ein Besuch beim Arzt während des Urlaubs meist wegen harmloser Auslöser nötig. Neben Durchfall gehören dazu zum Beispiel Insektenstiche oder kleine Verletzungen wie Verstauchungen. Damit solche Behandlungen nicht aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen, gehören ein Auslandskrankenschein oder gegebenenfalls eine spezielle Reisekrankenversicherung ins Gepäck.
Reisende sollten sich einige Zeit vor dem Start in den Urlaub darüber informieren, ob der gesetzliche Versicherungsschutz an ihrem Zielgebiet gilt, und den Auslandskrankenschein rechtzeitig bestellen. "Dafür reicht ein Anruf bei der Krankenkasse", erklärt Axel Wunsch von der Barmer Ersatzkasse (BEK) in Wuppertal. Ein Großteil der Kassen biete inzwischen außerdem über das Internet Informationen zu diesem Thema, teilweise könne auch das Formular für den Auslandskrankenschein dort abgerufen werden.
Normaler Schutz im Ausland durch Sozialversicherungsabkommen
Der Auslandskrankenschein gelte vor allem in den Ländern der Europäischen Union, so Ulrike Zeising von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Hamburg. Mittlerweile habe die Bundesrepublik jedoch mit einer ganzen Reihe anderer Staaten so genannte Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen, so dass der "normale" Schutz beispielsweise auch in Slowenien oder Tunesien gültig sei.
Wer kein Risiko eingehen möchte, für den ist jedoch eine Zusatzversicherung selbst für Reisen innerhalb Europas ratsam. Denn über den Auslandskrankenschein wird oft nur ein Teil der entstandenen Kosten abgedeckt - für einen krankheitsbedingten Rücktransport im Flugzeug müssen Kassenpatienten beispielsweise selbst aufkommen.
"Welche Leistungen man bekommt und wie der Auslandskrankenschein gehandhabt wird, ist in den einzelnen Ländern völlig unterschiedlich", so Axel Wunsch. Die Scheine seien in erster Linie als Hilfe für Notfälle gedacht, die Versorgung falle dabei nicht unbedingt so umfassend aus wie gewohnt: "Für die Zeit des Urlaubs werden die Versicherten mit dem Auslandskrankenschein quasi zu Spaniern, Franzosen oder Briten."
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