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13.08.2001
 

Hallo Taxi! (Kuba)

... dann halt mit dem Lkw

Von Sabine Moser

Ohne Taxi geht nichts auf Kuba. Das öffentliche Verkehrssystem ist undurchschaubar und weckt bei Neuankömmlingen nicht gerade Vertrauen. Aber zum Glück ist quasi alles, was auf Kuba fährt, ein Taxi. Und für harte Dollar kann man auf die Schnelle auch mal einen Lkw mieten.

Quasi alles, was fährt, ist auf Kuba ein Taxi
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Sabine Moser

Quasi alles, was fährt, ist auf Kuba ein Taxi

Nach 42 Jahren Revolution sind in Kuba die Ersatzteile knapp geworden. Mangelwirtschaft ist das herrschende System. Und doch ist trotz Wirtschaftsembargo für Dollar alles zu haben. Dem Kuba-Reisenden allerdings steht es frei, offiziell oder inoffiziell in der harten Währung zu bezahlen - denn nicht jedem erlaubt der Maximo Lider Fidel Castro, Dollar-Geschäfte abzuwickeln. Und sehr schnell wird klar, dass die inoffizielle Variante die interessantere ist.

Die goldene Regel lautet: Ein Taxi nimmt man nicht am Taxistand, sondern man lässt es sich vermitteln. Das freut nicht nur den Fahrer, der in den seltensten Fällen hauptberuflicher Taxista ist. Es macht auch den Vermittler glücklich, denn nur allzu gern demonstriert der Kubaner dem staunenden Fremden, mit welcher Leichtigkeit er kleine Hindernisse aus dem Weg schafft, die der Alltag allenthalben für ihn bereithält. Größere Schwierigkeiten - und ganz besonders zu enger Kontakt mit der Staatsgewalt - gilt es zu vermeiden.

Autos, so alt wie die Revolution
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Sabine Moser

Autos, so alt wie die Revolution

Zwei Tage lang hatte uns Oswaldo, unser Fahrer in Trinidad, immer nur bis kurz vor unser eigentliches Ziel gebracht, uns an einer versteckten Ecke aussteigen lassen und umständlich Schleichwege erklärt. "So ein Theater", dachten wir, bis uns irgendwann die Polizei anhielt. Oswaldo raunte noch schnell ein paar Verhaltensregeln nach hinten, aber das half alles nichts. Vier Europäer in einem klapprigen Lada, das sah nicht sehr nach Familienausflug aus, sondern eher nach steuerfreien Nebeneinkünften. Nach einer kurzen Debatte mit der Obrigkeit machte uns unser Fahrer klar, dass er für heute genug hatte - und weg war er.

Es blieb uns nichts anderes übrig, als nach einem offiziellen Taxi Ausschau zu halten. Wir fanden auch eins, und siehe da, der offizielle Tarif bis zum Strand - laut Taxameter - stimmte exakt mit dem "Spezialpreis" im Privat-Lada überein. Allerdings war der offizielle Taxifahrer bei weitem nicht so engagiert bei der Sache. Oswaldo hatte uns auf unseren Ausflügen kubanische Lieder beigebracht und von seinem Großvater erzählt. Der hatte sich als Rekordschneider bei der Zuckerrohrernte den Lada verdient, der dem Enkel nun ein Dollar-Zubrot ermöglicht, das jeder Kubaner so dringend benötigt.

An Vermittlern mangelt es nicht auf Kuba. Wer suchenden Blickes durch die Straßen läuft, braucht nicht lange auf Beistand zu warten. Manchmal allerdings ist es etwas aufwendig, aus den vielen Angeboten ein seriöses herauszufiltern, und so kann es schon mal dauern, bis man endlich in einem Taxi sitzt. Aber nichts ist auf Kuba so üppig vorhanden wie Zeit.

Lkw-Taxi in Santiago de Cuba
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Sabine Moser

Lkw-Taxi in Santiago de Cuba

In Santiago de Cuba dauerte es einmal einen halben Tag, bis wir endlich einen Transport zum Hafen organisiert hatten. Gleich vor der Haustür wurden wir von zwei auf die Betreuung von Touristinnen spezialisierten jungen Männer ("pesados") aufgegabelt. Ein Freund würde uns in seinem Pontiac für 20 Dollar fahren. "Ha! Das soll wohl ein Witz sein!" Die spontane Ablehnung hat den Wortführer der beiden sichtlich irritiert. Nach 15 Minuten Gleichschritt waren wir bei acht Dollar. Und der Preis fiel weiter. Und zwar unter das von unserer Vermieterin als Mindestpreis genannte Niveau. Die Sache wurde suspekt. "Mit dir fahren wir nicht!", sagte wir ihm. "Und mit deinem Freund auch nicht!" Erst da ließen die beiden "pesados" von uns ab.

Der nächste Vermittler war José-Antonio. Er marschierte erst einmal mit uns zur Bushaltestelle. Eine halbe Stunde lang passierte dort gar nichts. Nur die Sonne stieg immer höher, und es wurde unerträglich heiß. Gemächlichen Schrittes wanderten wir zur nächsten Bushaltestelle. Und hier bildete sich tatsächlich langsam eine Schlange. Was dann kam, war allerdings kein Bus, sondern ein Lkw. Ein freundlicher junger Mann half den Passagieren beim Erklimmen der Ladefläche. Wir sprangen auf und tuckerten zum Hafen.

Unsere Freude über die unorthodoxe Busvariante hat unseren neuen Freund schwer beeindruckt. Jedenfalls kam José-Antonio nach einer kurzen Absprache mit dem Führerhäuschen strahlend auf uns zu und meinte: "Für die Rückfahrt habe ich den ganzen Lkw gemietet. Ganz für uns alleine! Für drei Dollar!" Lkw-Taxi!

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