Pagen in Weiß mit der hoteltypischen "Pillenbox" auf dem Kopf ziehen mit sanftem Schwung die Glastüren auf, und hinein tritt der Gast in europäische Pracht mitten in Südostasien. Das Peninsula, von Stammgästen "The Pen" genannt, gehört zur ehemaligen britischen Kronkolonie wie Victoria Harbour und die Wolkenkratzer- Silhouette. Es ist eine 73 Jahre alte Institution, gilt als renommiertestes Haus am Platz und eines der besten Luxushotels der Welt.
Dabei besticht das Peninsula, abgesehen vom Entree mit Marmorsäulen und reichlich Goldbesatz, nicht durch rekordverdächtige Opulenz, wie sie so oft in Fernost mit Luxus und Eleganz verwechselt wird. Schon von außen ist das Haus eher unspektakulär. Zur Gründung 1928 hatte der Bau noch herausgehobenen Charakter auf der Halbinsel Kowloon, nur wenige Schritte vom Endpunkt der Eisenbahnlinie von London-Hongkong entfernt, die über Berlin, Moskau und Peking führte.
Heute ist es umgeben von den anderen Hochhäusern des Geschäfts- und Unterhaltungsviertels Tsimshatsui. Und wäre der 20er Jahre-Bau nicht 1994 um einen Turm erweitert worden, der bis zum 30. Stockwerk den Altbau überragt, fiele das Peninsula kaum noch auf.
Ähnlich ist es im Hotelinnern. Die 246 Zimmer gehören mit Flächen von 41 bis 45 Quadratmetern zwar zu den größten in der dicht besiedelten Stadt. Hinzu kommen 54 Suiten, unter denen das Prunkstück "Peninsula Suite" mit 370 Quadratmetern über zwei Etagen, eigener Küche und Fitnessstudio auch anspruchsvollen Kunden genügend Entfaltungsraum bieten sollte. Aber auch hier liegt das Gewicht nicht auf Weitläufigkeit oder Mobiliar aus Tausendundeiner Nacht. Was zählt, ist luxuriöses Understatement mit perfektem Komfort.
Darunter versteht man - und das sieht der Eigentümer Hongkong and Shanghai Hotels Limited (HSH) als Spezialität der derzeit neun Peninsula-Häuser in Asien und USA - zum Beispiel ausgefeilte Technik in allen Zimmern. Die Vorhänge lassen sich per Knopfdruck vom Bett aus zur Seite schieben und enthüllen zur Hafenseite hin einen der wohl grandiosesten Ausblicke dieser Erde: Kreuzfahrtschiffe und die altertümlichen Doppeldeckerfähren der "Star-Ferry" im grünen Wasser von Victoria Harbour, dahinter auf dem engen Granitfelsen von Hongkong Island eine Versammlung glitzernder Wolkenkratzer.
Zum Standard gehören auch dimmbares Licht, Außentemperatur- und Luftfeuchtigkeitsanzeigen, CD- und DVD-Spieler, Faxgerät sowie ein Pager für das Zimmermädchen. Im Marmorbad ist ein Fernseher über die Wanne montiert.
Eine Schuhkammer neben der Eingangstür kann von außen bedient werden, so dass niemand das Zimmer betreten muss, wenn der Gast fürs Dinner polierteres Schuhwerk wünscht. Alles ist unauffällig und intuitiv bedienbar. "Wir wollen nicht, dass der Reisende bemerkt oder erst lange darüber nachdenken muss, was wir an Hightech für ihn vorgesehen haben", sagt der Technik-Chef der Unternehmensgruppe, Fraser Hickox.
Denn noch wichtiger als Knöpfe und Anzeigen ist für das "Pen" persönlicher Service. Direktor Peter C. Borer, Abkömmling einer Schweizer Hoteliersfamilie, vergleicht seine Mannschaft - für jeden Gast arbeiten statistisch zweieinhalb Angestellte - mit einem eingespielten Orchester und sich selbst mit dem Dirigenten. "Wir sind teuer", sagt Borer. "Aber wir schämen uns dessen nicht." Schließlich erhält der Gast einen ganz besonderen Gegenwert.
Dieser Wert liegt auch in der Vergangenheit des Hauses. Stars wie Elizabeth Taylor, Douglas Fairbanks oder Richard Gere haben sich hier zum Schlaf gebettet. Prinzessin Diana gehörte zur Stammklientel - sie kam per Helikopter übers Dach. Die britische Königin musste als Staatsoberhaupt allerdings auf die Fürsorge des Edelhotels verzichten und sich stets mit dem Gästehaus des Gouverneurs begnügen. Auch James Bond war schon da: In "Der Mann mit dem goldenen Colt" betrat Roger Moore das Hotel - wie es sich empfiehlt - durch die Halle.
Es gibt es eine vergleichsweise preiswerte Weise, den Charme der "großen alten Dame" zu erleben: Der Afternoon Tea in der Lobby zählt zu den beliebtesten Freizeitvergnügen der Stadt. Hier saßen früher rechts die Engländer, links der Rest der Welt. Auf der Empore wurden Wiener Walzer gespielt. Die Walzer sind geblieben, die Nationengrenzen aber aufgehoben, und zwischen gelangweilt blickenden Hongkong-Chinesinnen im Chanel-Kostüm nippen heute staunend Touristen in Bluejeans am Earl Grey.
Zu den Attraktionen des Hotels gehören acht Restaurants und zwei Bars und ein Swimmingpool in der achten Etage mit Fensterfront zur Skyline und Sonnendeck. Für Einkaufstouren stehen 14 Rolls-Royce zur Verfügung. Die "Peninsula Academy" eröffnet die Möglichkeit, hinter die Hotelkulissen des Hotels oder sich in chinesische Kalligraphie, Feng Shui und traditionelle chinesische Medizin einweisen zu lassen.
Neben der Teatime konnte sich das Peninsula mit einer weiteren, noch jungen Tradition ins gesellschaftliche Leben Hongkongs fügen: einem Cocktail oder Essen im "Felix" im obersten Stockwerk des Turms. Die vom Franzosen Philippe Starck avantgardistisch-kühl gestaltete Bar kontrastiert deutlich mit den gediegenen unteren Etagen. Ein Erlebnis ist der Toilettenbesuch: Es gibt kaum eine zweite Stätte zur Erledigung dringender Geschäfte mit solch einem Panoramablick.
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