Von Frank Schneider und Leda Monza
Jedes Tauchgebiet der Welt hat seine Eigenheit. Im Roten Meer ist es die Farbenpracht der Weichkorallen, auf den Malediven tummeln sich besonders viele Korallenfische, und in der Karibik schwärmen Taucher vom "Easy-Diving" in flachen, lichtdurchfluteten Korallengärten. Der Südpazifik hingegen ist ein derart großes Gebiet, dass sich besonders die Großfische ähnlich zu den rar gestreuten Inseln hingezogen fühlen wie die Touristen oben an den Stränden. Eine gute Gelegenheit für Taucher auf Begegnungen mit richtig "dicken Brocken".
Wenn sich vor Bora Bora unter Wasser um die Mittagszeit plötzlich die Sonne verdunkelt, wird es sich kaum um eine Sonnenfinsternis handeln. "Den Eindruck hat man allerdings durchaus", erzählt Katja Labat, Leiterin der Tauchbasis Nemo World auf Bora Bora. Sie erzählt, "dass die Mantas hier eine Spannweite von vier Meter oder manchmal noch mehr erreichen". Wie ein Flugdrachen segeln die Riesenrochen auf die Taucher zu, um dann behende ziemlich dicht vor ihnen mit einem eleganten Schwung die Kurve zu nehmen - oder eben dicht über ihnen davonzuschwimmen und mit ihren flügelähnlichen Flossen die Sonne zu verdecken.
Manchmal kommen drei oder vier Tiere ganz dicht zusammen wie im Formationsflug. Mit etwas Glück erlebt man dann, wie sie wahre Kunstflugfiguren zwischen Grund und Oberfläche vollführen. Weniger Glück bedarf es, die sanften Riesen - Mantas ernähren sich ausschließlich von Plankton und sind vollkommen ungefährlich - vor Bora Bora zu finden. Sie halten sich im europäischen Sommer stets an ein und derselben Stelle in der Lagune auf und ziehen dort ihre Bahnen fast fahrplanmäßig wie ein Südsee- Express. Und das alles in einer Wassertiefe von rund zehn Metern, so dass auch Anfänger problemlos zu diesem Erlebnis kommen.
Ähnlich sicher bekommen Taucher am Außenriff vor Bora Bora eine andere Spezies vor die Tauchermaske. Vielleicht nicht ganz so nah wie die Mantas, aber das halbe Dutzend Zitronenhaie mit je rund drei Meter Körperlänge macht auch mit etwas Distanz zum Beobachter noch genügend Eindruck. Große Fische bestimmen auch die Tauchgänge bei Manihi, allerdings gibt es dort ein ganz anderes Szenario. Während auf Bora Bora die Mantas an den Tauchern vorbeiziehen, heißt das Motto im Korallenatoll Manihi "Fische gucken Taucher". Die starke Strömung der Gezeiten sorgt nach dem Abtauchen vom Boot nämlich für eine rasante Tour durch den Kanal, der die Lagune mit der offenen See verbindet.
Anhalten? Unmöglich! "Erst gegen Ende der Passage können wir in kleinen Höhlen einen kurzen Zwischenstop einlegen," erläutert Johnny Servetto vom Manihi Blue Nui Dive Center, übrigens dem Einzigen auf der Insel. "Allerdings", schmunzelt der smarte Franzose, "sollte man keine Berührungsängste mit Fischen haben! Ein paar kleine Weißspitzenriffhaie haben sich nämlich genau diese Höhlen als Schlafplatz ausgesucht." Oder liegen sie vielleicht doch eher dort, um die mit der Strömung vorbeischießenden Taucher anzuschauen?
Der Tauchgang endet schließlich im Inneren des Atolls. An der Außenseite Manihis liegen weitere Tauchplätze - ohne Strömung, dafür mit einer schönen Korallenlandschaft und vielen Fischen. Eine Schule junger Barrakudas hat dort ebenso ihr ständiges Zuhause wie die großen grünen Napoleonfische, die so schön mit ihren runden Glupschaugen rollen können. Wem all das eine Nummer zu groß ist für die "blaue Stunde" unter Wasser, kann ja mit Maske, Schnorchel und Flossen in Strandnähe durch die Lagune vor dem Hotel schwimmen. Dort tummeln sich manchmal ein paar vereinzelte Babyhaie. Und die zählen mit knapp 30 Zentimeter wirklich nicht zu den "dicken Brocken" der Fischwelt...
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